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Pittis neue Stimme gehört einem Sachsen

Dresden. 28 Jahre nach der Abwicklung des Deutschen Fernsehfunks der DDR hat jetzt die TRIKK17-Animationsraum GmbH im Studio Hamburg 13 neue Pittiplatsch-Folgen produziert. Ab 26. November flimmern sie dann wöchentlich im »Abendgruß« bei KI.KA, rbb und MDR. Pittiplatsch wird jetzt von Christian Sengewald gesprochen.

In der Hauptrolle: Der naseweise Kobold Pittiplatsch, gesprochen von Christian Sengewald (42, »Tatort«, »Der Turm«). Eine Traumrolle für den in Dresden geborenen Mimen, der dafür seit Mitte August täglich bis zu elf Stunden vor der Kamera stand. Der Nachfolger von Pitti-Stimme Heinz Schröder (1928-2009) hat den Abendgruß des Kinderfernsehens schon als Kind zusammen mit seinen Großeltern in Dresden gesehen. »Umso mehr freue ich mich nun, dass ich nach einem Casting für diese Rolle ausgewählt wurde.« Musste er sich speziell mit Sprachübungen auf Pittis knarzigen »Akzent« vorbereiten? »Überhaupt nicht«, schmunzelt Sengewald, »die stimmliche Gabe wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt.« Heinz Schröder hat Sengewald leider nicht persönlich kennengelernt.

Der kam übrigens auf kuriose Weise an den  Job seines Lebens. »Ich war Synchronsprecher beim DDR-Fernsehen, deshalb sollte ich dem frechen Kobold meine Stimme leihen«, erzählte Schröder einmal. Er probierte die ganze Nacht, wie denn Pitti sprechen könnte. Gegen vier Uhr morgens hatte er die Nase voll, war völlig erschöpft. »Ich kann nicht mehr«, piepste Schröder mit heiserer Stimme. Ein Sprechunfall – aber die TV-Kollegen waren begeistert und Schröder war die neue Pitti-Stimme.

Pitti: Geboren 1962, Gewicht 150 Gramm, 20 Zentimeter Länge

»Geboren« wurde Pitti, der von der Kleinmachnower Bildhauerin Emma-Maria Lange (1921-20016) im Auftrag des Deutschen Fernsehfunks geschaffen wurde, am 17. Juni 1962. Geburtsgewicht 150 Gramm, Größe 20 Zentimeter. Der kleine Kobold war eine Auftragsarbeit für die Kindersendung »Meister Nadelöhr«, als vorlautes Gegenstück zu den braven Puppenkindern Flax und Krümel. Die Idee für den späteren TV-Liebling kam Emma-Maria Lange in der S-Bahn auf der Fahrt von Adlershof nach Hause. »Ich tackerte einfach zwei Lederbälle zusammen, pappte aus abgeschnittenen Handschuhen Arme und Beine dran, pflanzte ihm ein paar Wollfransen auf den Kopf. Für die Filzpantoffeln habe ich ein altes Kleid meiner Tochter zerschnitten, fertig«, erinnerte sie sich später. Aber richtig gemocht habe sie ihren Pitti nie. »Ohne seine stets heiser klingende Stimme hätte er die ganzen Jahre wohl nicht überlebt.«

Pitti, Schnattchen und Moppi sind wieder da

Übrigens: Heinz Schröder erfand später auch das berühmte »Ach, du meine Nase« und »Platsch-Quatsch«, tingelte nebenbei mit den Abendgruß-Puppen Moppi, Onkel Uhu und Herr Fuchs durchs Land. Bis zuletzt hatte er 130 Auftritte pro Jahr. Probleme mit den Stimmbändern? »Nie!«

»Der letzte originale Pittiplatsch steht bei mir als Erinnerung an meinen geliebten Mann in der Schrankwand«, erzählt Christel (87), die Witwe von Heinz Schröder. »Die anderen »Abendgruß«-Darsteller habe ich meinen  Enkeln und Urenkeln geschenkt. Schade, dass Heinz nicht mehr miterleben kann, dass sein Pitti  wieder zu neuem Leben erwacht und im Märchenwald für jede Menge Chaos sorgt.«

Dafür sorgen nun neben Christian Sengewald künftig auch Martin Paas (51) als Moppi und Susi Claus (43) als Schnatterinchen. »Kannste glauben!«

Hans Jancke

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