Gabriela Hesse

Hören Sie auf Ihre innere Stimme!

Ein Kommentar von Schwester Gabriela Hesse, Äbtissin des Klosters St. Marienstern, Panschwitz-Kuckau

Bilder
Schwester Gabriela Hesse ist Äbtissin des Klosters St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau.

Schwester Gabriela Hesse ist Äbtissin des Klosters St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau.

Foto: Jürgen Matschie

Die Geschichte beginnt an einem schönen Sommerferientag. Henry M. ist der Hauptakteur. Er hat mit großem Erfolg das Geschäft seines Lebens gemacht. Er ist stolz und mit sich zufrieden. Und an diesem Sommertag freut er sich an seiner quicklebendigen Tochter Mia und an seiner schönen Frau. Sein achtjähriger Sohn David ist kränklich. Schon zwei Jahre leidet er an schweren Migräneanfällen.

An diesem Tag hat er Geburtstag. Sein Vater geht zu ihm ins verdunkelte Zimmer. Aber auch da klingelt schon wieder das Telefon. Er streicht seinem Sohn durch das Haar und vertröstet ihn auf die Geburtstagsfeier am Abend. Ruhelosigkeit und ein Drang nach Freiheit sind seine Begleiter.

Vor der großen Geburtstagsfeier seines Sohnes möchte er noch eine Wanderung zum Gipfel des Berges machen, an dessen Fuß sein Ferienhaus steht. Allein. Auch ohne seine Tochter, die ihn unbedingt begleiten möchte.

Benedict Wells beschreibt in seiner Erzählung »Die Wanderung« einen Mann, der mit sich zufrieden ist. Aber bei seinem Aufstieg und Abstieg des Berges macht er tiefgreifende Erfahrungen.

 

Den jugendlichen Mann, der leichtfüßig den Gipfel erklimmt und sich in seinem Erfolg sonnt, sticht das schlechte Gewissen, weil er seinen kranken Sohn an seinem Geburtstag einem Telefonat vorgezogen hat. Er wird bei der Geburtstagsfeier am Abend alles wieder gut machen. Aber er merkt, er schafft den Rückweg nicht so einfach. Das Wetter wird schlecht, er friert, er verletzt sich beim Laufen, die Kräfte lassen nach, er kann seine Familie telefonisch nicht erreichen, die Zeit zerrinnt ihm zwischen den Fingern. Als er nach Mitternacht zu Hause ankommt, sitzt seine Frau auf den Stufen des Hauses. Er sieht ihre Hände, die genauso faltig und alt sind wie seine eigenen.

Ein ganzes Leben mit Höhen und Tiefen wird in dieser Wanderung beschrieben. Die verpassten Chancen nehmen einen breiten Raum ein. Ja, im Grunde hat er sein ganzes Leben verpasst. Aber er erkennt es zu spät.

Leider ist er damit nicht allein. Viele Menschen haben am Ende ihres Lebens das Gefühl, vieles falsch gemacht zu haben, vieles verpasst zu haben. Viele Chancen gibt es im Leben nur einmal. Und dann kommt die innere Stimme, die ständig sagt: »Ach hätte ich das doch anders gemacht. Ach hätte ich doch auf den Partner, den Freund, die Eltern, die Kinder… gehört! Hätte ich doch geholfen, als ich gebraucht wurde!«

»Hätte, hätte, Fahrradkette«, höre ich da meine Nichte sagen.

 

Wenn ich auf mein eigenes Leben schaue, merke ich: Es gibt da auch manch verpasste Chancen und Gelegenheiten. Aber die alles entscheidende Herausforderung habe ich angenommen, als mir genau bewusst wurde: Meine Lebensberufung ist der Eintritt in ein Kloster. Das war eine wichtige Entscheidung, die ich nie bereut habe. Für mich ist diese Gewissheit ein Geschenk.

So ermutige ich Sie, auf die Stimme in ihrem Inneren zu hören. Das ist nicht nur bei großen Entscheidungen wichtig, auch die vielen kleinen Gelegenheiten des Alltags brauchen Entscheidungen und Hinwendung zu den Menschen, die Sie lieben und die Ihnen nahe stehen. Verpasste Gelegenheiten wird es trotzdem noch geben, aber nehmen Sie die Herausforderung achtsam und mutig an!

 

Das passende Video gibt‘s auch im LAUSITZWELLE Fernsehen in der Drehscheibe Lausitz: im Livestream unter www.lausitzwelle.de, auf youtube.com/LAUSITZWELLE, im Kabelfernsehen sowie via DVB-T2 (Kanal 27) und MagentaTV ab 18 Uhr sowie im Satellitenprogramm bei SachsenEins ab 18.30 Uhr.


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