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Pro & Contra: Brauchen wir eine Impfpflicht?

Zum Thema »Impfpflicht« gibt es viele persönliche Absichten und Abwägungen. Je nach sozialem Umfeld, Job, gesundheitlichen oder persönlichen Präferenzen, ist man für oder gegen die vorgeschriebene Immunisierung. Hier einige Meinungen: »Ich persönlich bin geimpft, weil ich niemals mehr diese Erkrankung haben möchte. Für mich war es schlimm und ich muss jetzt mit meinen Spätfolgen klar kommen. Für unsere Patienten war es besonders um Weihnachten 2020 dramatisch. Die Entscheidung zum Impfen meiner Mitarbeiter überlasse ich jedem einzelnen und werde niemanden dazu zwingen. Ich werde meine geforderte Meldung beim Gesundheitsamt abgeben, diesbezüglich werde ich mich aber noch mit dem Datenschutz absprechen, welche Daten überhaupt weiter geleitet werden dürfen. Mit Sicherheit wird der ein oder andere Mitarbeiter ab Mitte März nicht mehr mit dabei sein. Wer dann unsere Patienten versorgt, großes Fragezeichen. Diese Art von Impfpflicht sehe ich so nicht realisierbar und der Notstand und das Chaos in der Pflege ist vorprogrammiert«, befürchtet Kerstin Steuer, Chefin des Pflegedienstes Steuer in Nünchritz. ***
»Wie ich zur Impfpflicht stehe, ist relativ unbedeutend. Die Impfpflicht für Pflegepersonal ist geltendes Bundesrecht und damit zu befolgen. Der Freistaat hat in der Frage keine Gesetzgebungskompetenz. Mit einer die Versorgung gefährdenden Kündigungswelle von Impfgegnern rechne ich nicht«, entgegnet CDU-Politiker und sächs. Ausländerbeauftragter Geert Mackenroth. ***
»Ich möchte gern diplomatisch antworten: Mit Blick auf den Schutz der vulnerablen Gruppen, möchte man einer einrichtungsbezogenen Impfpflicht die Sicherheit für Personal und Patienten erhöhen. Das bedeutet auch geimpftes Pflegepersonal soll weniger stark erkranken. Die Entscheider haben auch eine geringere Ansteckungsgefahr ausgehend von den Pflegekräften für die älteren Menschen erwartet. Das sind sehr nachvollziehbare Gründe. Ob die geringere Ansteckungsgefahr auch für die Omikron-Variante zutrifft, wird sich zeigen. Tägliche Tests der Mitarbeiter scheinen aber nach wie vor gut geeignet, um Infektionen zu entdecken. Daher wären tägliche Tests für alle Beschäftigten (geimpft und ungeimpft) für mich das mildere Mittel und hätte ich persönlich bevorzugt. Bevor man von Schnelltests direkt zur Impfpflicht kommt, hätten auch tägliche PCR-Tests - wie in Wien möglich - eine Schutzmaßnahme sein können. Problematisch sehe ich bei dieser Impfpflicht den tatsächlichen Verlust der Freiwilligkeit der Impfung für das Personal. Vergleichbar und begründbar ist die Pflicht mit der Impfpflicht bei Masern für Erzieher. Wie diese beiden Impfungen in der Beständigkeit der Wirkung und damit der Verhältnismäßigkeit der Pflicht aber eingeschätzt werden, können nur Verfassungsrechtler auf medizinisch-fachlicher Grundlage rechtlich abwägen«, gibt Dr. Anita Maaß, Bürgermeisterin von Lommatzsch und Sachsens FDP-Vorsitzende.

Kommentar

Angst vor der eigenen Meinung? Es war für mich erschreckend, dass die bloße Frage »Brauchen wir eine Impfpflicht?« so viele gestandene Personen des öffentlichen Lebens, Einrichtungen oder Firmen ins Straucheln bringt. Die Reaktionen reichten von Angst bis Unsicherheit. Man wolle keinen Ärger mit seinen Kunden haben und sich auch nicht gegen die Bundesbeschlüsse äußern. Selbst sehr gute und wichtige Argumente für oder auch gegen eine Impfpflicht im Gesundheitssektor, über die man sehr gut inhaltlich und rational diskutieren könnte, wurden nicht zur Veröffentlichung freigegeben. Schade, dass viele scheinbar in dieser Sache ihre eigene Stimme nicht erheben möchten oder können. Ihre Verena Farrar

Info

Keine ausgewogene Befragung
  • Viele der angefragten Pflegedienste, Gesundheitseinrichtungen, Krankenkassen, Praxen und Personen wollten sich aus persönlichen oder anderen Gründen leider nicht öffentlich zum Thema äußern, weil sie Repressalien oder Vorurteile von der einen oder anderen Seite befürchten.