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"Paula" gerettet

Nach anderthalb Jahren Zwangstrennung haben Gabi und Frank Wagner ihre treue »Paula« wieder. Sie mussten sie 2020 nach ihrer Reiserückholaktion in Argentinien zurücklassen.

»Kurz entschlossen beschließen wir Ende des Jahres nun doch wieder auf Tour zu gehen. Die Argentinischen Grenzen sind wieder offen. Die Zahlen in Deutschland dagegen steigen und steigen und wir befürchten, dass Deutschland als Hochrisikogebiet eingestuft wird, oder das die Grenzen schließen. Wir buchen einen Flug von Dresden über Frankfurt nach Houston und Buenos Aires. Wir nehmen den Flugmarathon über Amerika in Kauf. In Frankfurt geht es jedoch nicht mehr weiter. Mein ESRA, die Einreisegenehmigung für Amerika, ist nicht genehmigt. Ich bin mal wieder nicht im System. Ich kann es schon nicht mehr hören. Schon im Iran und den Emiraten war ich »nicht im System«. Die nette Dame ruft extra noch bei Homeland Security an, aber es bleibt dabei. Ich bin mal wieder verschollen. Der Flieger hebt völlig unbeeindruckt ohne uns ab. Kurz danach wird meine Einreisegenehmigung bestätigt. Wir werden ziemlich unkompliziert und kostenlos auf einen Direktflug am nächsten Abend umgebucht. Für uns bedeutet das: Neuen PCR-Test, Hotel suchen und hoffen das die Tests in Ordnung sind. Die Tests am nächsten Morgen sind negativ. Es ist mal wieder ein typischer Start für uns. Irgendetwas geht immer schief. (Im Nachhinein erfahren wir, dass die Maschine nach Houston mehrere Stunden Verspätung hatte und wir unseren Anschlussflug nach Buenos Aires auch nicht bekommen hätten.) Nach einem ziemlich turbulenten Flug und einer wenig abwechslungsreichen Autofahrt nach Concordia, geht es gleich zu »Paula«. In der Gendarmerie weiß natürlich keiner Bescheid, obwohl wir uns mehrfach angekündigt haben. Nach kurzer Suche ist der Autoschlüssel gefunden und die Spannung steigt: Von außen sieht alles gut aus, aber wie ist es innen? Mäuse vermehren sich schnell und anderthalb Jahre sind eine lange Zeit. Schimmelt es vielleicht schon überall? Wir öffnen die Tür und schauen vorsichtig um die Ecke und trauen unseren Augen kaum. Die Kabine ist genau so, wie wir sie verlassen haben. Wir sind extrem erleichtert und die Sorgen der letzten Monate lösen sich in Sekunden in Wohlgefallen auf. Und als unser Schmuckstück auch noch beim ersten Drehen des Zündschlüssels anspringt, ist unsere Welt in bester Ordnung.

Der Zoll-Marathon startet

Zwar erhalten wir innerhalb von 15 Minuten die Freigabe und die vorläufigen Papiere, aber um nun die Zollformulare wieder richtig zum Laufen zu bekommen, müssen wir einmal aus Argentinien ausreisen, nach Uruguay einreisen, aus Uruguay wieder ausreisen und in Argentinien wieder einreisen. Das muss man nicht verstehen. Da an der Grenze alle Papiere online ein gepflegt werden müssen und unsere Batterie vom Laptop leer ist, dauert es nicht lange und die Beamten haben Mitleid mit uns: schnell sitzen wir gemeinsam mit ihnen hinter dem Schalter. Ich hantiere mit den Pässen und gebe die Nummern und alle anderen Angaben an. Frank tippt in Windeseile alle Daten ein. Als wir nach oben schauen, hat sich vor »unserem Schalter« schon eine kleine Schlange gebildet. Wir haben wohl einen flotten Eindruck gemacht und die Leute haben gehofft, von uns schnell bearbeitet zu werden. Wir müssen sie enttäuschen. Drei Stunden später ist der Spuk vorbei und wir halten unsere neuen Zollpapiere, die jetzt drei Monate gültig sind in den Händen. Nun kann die Reise beginnen.«