Spreewalddorf Werben feiert - Die Feuerwehr hat Geburtstag

- Vor 110 Jahren -
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Werbener Feuerspritze aus dem Jahr 1927.

Werbener Feuerspritze aus dem Jahr 1927.

Das »fliederduftende Dorf« Werben ist nicht irgendein Ort am Rande des Spree­waldes. Werben ist uralt und gleichzeitig modern. Es ist ein Ort mit Charme, Tradition und einer selbstbewussten Bürgerschaft. Im Genealogisches Handbuch des Adels, dem Gotha, kam das Dorf gleich mehrfach vor. Mit klangvollen Namen gingen Werbener in die Welt. Ganze 33 Jahre bestimmten Vater und Sohn Schönfeld als Cottbuser Landräte das Geschick der Region. General von Pannewitz schlug sich für den König in Kesselsdorf und Kolin. Der General Georg von Schönfeld kämpfte für die preußischen Farben in Hohenfriedberg und Kunersdorf. Sein Bruder Friedrich erhielt den Orden Pour le Merite. Die Freifrau Editha von Münchhausen, geborene von Schönaich, schrieb in Florenz ein zauberhaftes Buch über ihre Kindheit im Werbener Gutshaus. Reichsgründer Bismarck hatte dort ebenfalls Wurzeln. Und die Baronin Martha von Seydlitz ist den älteren Niederlausitzern noch in persönlicher Erinnerung. Wer durch Werben kommt, spürt, dass die Menschen stolz auf ihr Dorf sind. Schon die wuchtige Kirche zeigt da den Unterschied zu den Nachbarn. Und in gewisser Hinsicht ist die schöne Gemein­de auch ein Sehnsuchtsort für die Cottbuser. In der DDR-Zeit machte man zum Brotkauf Stopp beim Bäcker Hanuschka. Und in den letzten Jahren haben etliche ehemalige Cottbuser ih­ren Wohnsitz nach Werben verlegt. Feuer bis Cottbus zu sehen In einem Ort mit so reicher Geschichte und rührigen Vereinen gibt es natür­lich auch immer wieder Jubiläen. Im August 1914 feierte Werben die Fami­lie von Schönfeld, die seit 450 Jahren im Ort ansässig war. 1992 folgte 100 Jahre Sportverein. Und nun steht wie­der ein großes Geburtstagsfest auf der Tagesordnung: Der 110. der Freiwilli­gen Feuerwehr. Im April 1908 beantragte der Werbe­ner Turnverein bei der Gemeindever­waltung die Bildung einer Feuerwehr. Zwar hatte es zuvor schon einen Branddienst gegeben, aber jetzt hielt die moderne Variante des Brandschut­zes in Werben Einzug: Die Freiwillige Feuerwehr, die auf Nachbarschaftshilfe und neue technische Hilfsmittel setzt. Das war auch dringend nötig, hatte das Feuer in dem schönen Dorf doch schon so heftig gewütet, dass man es bis Cottbus sehen konnte. Am 9. April 1886 schrieb der Cottbuser Anzeiger: »Gestern Abend gegen 11 Uhr wurde in westnordwestlicher Richtung ein in­tensiver Feuerschein wahrgenommen, der weit über Mitternacht andauerte. Vom Rathhausthurme aus war die Feuersbrunst genau erkennbar; man sah eine ganze Anzahl von Gebäude in Flammen stehen … Heute wird uns mitgeteilt, dass das Dorf Werben von dem Brandunglück betroffen worden sei und dass das Feuer 28 Gehöfte mit einigen 60 Ge­bäuden in Asche gelegt habe.« Mit der neugegründeten Feuer­wehr sollten sich solche Katast­rophen nicht wiederholen. Fortan rückten unter der Lei­tung von Friedrich Schötz, Mat­thes Borrack, Gustav Böttcher, Wilhelm Ramoth, Heinrich Schiemenz, Erwin Kokott, Ort­win Jank und Bernd Alexander die Helfer aus und retteten Hab, Gut und Leben. Das neue Sprit­zen- und Gerätehaus entstand 1925 und Schritt für Schritt kamen neue Einsatzfahrzeuge hinzu. Heute leitet Manuel Marrack die Truppe. Löschen und technische Hilfe Auch nach der Feuerwehrgründung brannte es noch in Werben. Ende der Zwanzigerjahre hatte sich das Dorf eines Brandstifters zu erwehren. Aber zu so katastrophalen Ereignissen wie 1886 kam es nicht mehr. In der jün­geren Zeit gab es ebenfalls größere Einsätze: So jährt sich am 1. Mai der Brand des Gutshauses von Schönaich. Dem Löschen von Bränden verdankt die Feuerwehr zwar ihren Namen. Es macht aber nicht mehr den größten Teil der Einsätze aus, stellt jedoch hohe Ansprüche an die moderne Feuerwehr. Immer häufiger werden die Kamera­den heute zu technischen Hilfeleis­tungseinsätzen, wie z.B. Verkehrsun­fällen, gerufen. Natürlich gibt es bei der Werbener Freiwilligen Feuerwehr wie andernorts auch Probleme. Der demografische Wandel und die rasch wachsende Mo­bilität auf dem Arbeitsmarkt zwingt zu neuen Überlegungen. Feuerwehr­leute gelten in unserem Land als die vertrauenswürdigsten Personen überhaupt. Aber in einer Welt, in der sich alles rechnen muss, hat die Freiwillige Feuerwehr, die auf Nachbarschaftshilfe und Enthusiasmus setzt, nicht die besten Karten. Gefragt sind deshalb neue Landesregelun­gen zur Finanzierung von Ge­rätehäusern und Technik sowie besserer Versicherungsschutz. Aber jetzt wird zunächst gefei­ert. Am 16. und 17. Juni steigt die große Geburtstagsparty mit Feuerwehrsport, Frühschoppen und Festumzug.