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Alt-Oberbürgermeister Waldemar Kleinschmidt hatte Geburtstag

Die WochenKurier-Kolumne von Dr. Peter Lewandrowski

Cottbus.  Zwei Jahrhunderte nach der ersten urkundlichen Erwähnung trat in der Mark ein Mensch namens Waldemar auf. Er gab sich als rechtmäßiger Markgraf aus und wurde von Kaiser Karl IV. zunächst akzeptiert. Nur wenige Städte verweigerten ihm die Anerkennung, darunter Cottbus und Treuenbritzen. Das brachte ihnen Ärger bis zum Bannfluch ein. Der Schwindel flog 1350 auf. Markgraf Waldemar wurde als Hochstapler entlarvt. Seitdem sprach man vom „Falschen Waldemar“.

Auf den richtigen Waldemar mussten die Cottbuser dann noch gut sechseinhalb Jahrhunderte warten. Im Oktober 1989 gab es in Cottbus Berichte von Autoreisenden, denen in Leipzig und Dresden das Tanken verweigert worden war. Sie sollen dort in der Lausitzer Provinz erst mal eine ordentliche Demo auf die Beine stellen! Und tatsächlich, als in anderen Städten schon lange Montag für Montag für Reisefreiheit und freie Wahlen demonstriert wurde, blieb es im Kohle- und Energiebezirk recht still.

Dann jedoch überschlugen sich die Ereignisse. Eine Woche nach der ersten Demonstration am 30. Oktober trat die Parteiführung zurück. Kurz darauf wurde das Neue Forum legalisiert. Am 13. Dezember versuchte der damalige Rat des Bezirkes zu retten, was zu retten war, und präsentierte den Cottbuser Stadtverordneten einen OB-Kandidaten. Die aber lehnten, auch unter dem Druck zahlreich anwesender Cottbuser, den Vorschlag ab und bestimmten Waldemar Kleinschmidt, den CDU-Stadtrat für Finanzen zum amtierenden Oberbürgermeister. In der ARD-Sendung „Musikantenstadl“, die kurzfristig in die Stadthalle verlegt wurde, erfuhren die Menschen in beiden deutschen Staaten von Karl Moik, dass Cottbus als erste Stadt in der DDR ein nicht von der SED bestimmtes Stadtoberhaupt hatte.

Waldemar Kleinschmidt wurde vor 75 Jahren, am 25. Juli 1941 in Karolew, heute Republik Polen, geboren. Er wuchs im Südwesten des späteren Bezirkes Cottbus auf, studierte in Dresden Maschinenbau und war Technischer Leiter eines Betriebes. Der praktizierende Protestant übernahm für seine Partei, der ostdeutschen CDU, 1979 das Amt des Stadtrates für Finanzen und Preise in Cottbus. Dass hier einige Baudenkmale nicht abgerissen wurden, dass es Geld für die Sanierung des Theaters gab und die Oberkirche ihre Haube zurückbekam, verdanken wir auch Waldemar Kleinschmidt. Die Nachricht von seiner Wahl zum amtierenden Oberbürgermeister fand in der Stadt große Zustimmung.

Zwölf Jahre stand Waldemar Kleinschmidt dann an der Spitze der Verwaltung der Stadt Cottbus. Er wurde nach den ersten freien Kommunalwahlen von den Stadtverordneten und 1993 direkt von den Cottbuserinnen und Cottbusern wiedergewählt. Gleich zu Beginn musste „Waldi“, wie ihn seine Freunde nennen, seine Moderationsfähigkeiten unter Beweis stellen. Gemeinsam mit Generalsuperintendent Reinhart Richter leitete er 1990 den Runden Tisch. In den Monaten Dezember bis Mai, in einer Zeit des völligen Paradigmenwechsels, in der sich im Leben aller Menschen des Landes mehr änderte als in den vierzig Jahren zuvor, schaffte es dieses Ersatzparlament, den sozialen Frieden zu bewahren, die Versorgung der Stadt zu gewährleisten, freie Wahlen zu garantieren und die kommunale Selbstverwaltung vorzubereiten.

Was hat die Stadt Cottbus dem rührigen Stadtoberhaupt zu verdanken? Sicherlich ist es die Bundesgartenschau, die am stärksten seine Handschrift trägt. Waldemar Kleinschmidt hat mit der BUGA 1995 der bedeutenden Cottbuser Gartentradition, die mit Pückler begann und vom Stadtverschönerungsverein fortgesetzt wurde, ein drittes Element hinzugefügt. Weit mehr als eine Milliarde an Privatinvestitionen, die die Schau mit Hotelbauten, Autobahn und Bahnhof nach sich zog, brachten der Stadt einen deutlichen Aufschwung.

Mit dem Namen Kleinschmidt sind jedoch auch andere Cottbuser Erfolgsgeschichten verknüpft. Modellstadt, Euroregion Spree-Neiße-Bober, Universitätsgründung und die Nutzung der militärischen Hinterlassenschaften: Waldemar Kleinschmidts Fantasie, seine Begeisterungsfähigkeit und ansteckende Arbeitsfreude waren wichtige Voraussetzungen für das Gelingen dieser Projekte.

Jetzt kümmert sich der Alt-OB noch ganz intensiv um eines seiner Lieblingsprojekte. Als Vorsitzenden des Freundeskreises des Sana-Herzzentrums ist er stolz und froh über die Entwicklung dieser medizinischen Einrichtung, die sich in Deutschland sehen lassen kann.

Aber auch in die Diskussion um die Zukunft hat sich Waldemar Kleinschmidt eingemischt. Von ihm stammt der Vorschlag, die Entstehung des Cottbuser Ostsees zu nutzen und mit der Bewerbung um die Bundesgartenschau 2027 erneut Akzente zu setzen. Oberbürgermeister Holger Kelch hat inzwischen Kontakt zur Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft aufgenommen. Von dort gab es positive Signale.

Waldemar Kleinschmidt wurde am 25. Juli 75 Jahre alt. Die Cottbuserinnen und Cottbuser  senden Geburtstagsgrüße in die Branitzer Siedlung und wünschen ihm und Ehefrau Marlies Glück, Gesundheit und viel Freude mit den Enkelkindern.

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Pulver der Königin – einst gepriesen, heute verpönt

Doberlug-Kirchhain. Zwei Nichtraucher huldigen noch bis Anfang Januar den Raucherutensilien im Weißgerber-Museum in Doberlug-Kirchhain. Museumsleiter Dr. Andreas Hanslok und der Doberluger Sammler Frank Mende haben mit der Sonderausstellung »Der blaue Dunst – Entstehen und Vergehen des Tabakrauchs« ein sozialgeschichtliches Phänomen der Menschheit in die Museumsräume gebracht. Natürlich musste die Ausstellung wegen der Corona-Auflagen ohne offizielle Eröffnung vor einigen Wochen starten. Bis zum Ausstellungsschluss erhofft sich der Museumschef entsprechend der jeweiligen Zugangsregelung interessierte Besucher. Verliebt in Rauchverzehrer Seit geraumer Zeit treibt den Nichtraucher Andreas Hanslok die Idee für diese Ausstellung um. Mit dem Doberluger Sammler Frank Mende, ebenfalls passionierter Nichtraucher, hat er einen engagierten Partner bei der Gestaltung dieser Schau gefunden. Frank Mende ist glücklich, dass er durch die Ausstellung seine Sammlungsbestände, die bei ihm zu Hause zumeist in Schränken, Kisten und Schachteln aufbewahrt sind, für Besucher präsentieren konnte. »Ich habe meine Sammlungsgegenstände hier neu kennengelernt.« Das betrifft vor allem die vielen so genannten Rauchverzehrer in den unterschiedlichsten Dekors und Gestaltungen vom bellenden Hund bis zum Porzellanliebespärchen. »Irgendwann habe ich mich in die Rauchverzehrer verliebt, die über Jahrzehnte in ziemlich jeder bürgerlichen Familie als Schmuckaccessoires die Wohnzimmer schmückten.« Dazu haben sich im Laufe der Jahre viele andere Utensilien zum Rauchen sowie Werbematerial aller Art für das Rauchen zu seiner Sammlung gesellt. „Es war nicht leicht, die richtige Auswahl von besonderen Gegenständen vom Streichholz bis zum Instrumentarium für das Pfeifenrauchern auszuwählen. »Dafür hatte ich Dr. Hanslok an meiner Seite.« Seit 45 Jahren ist Frank Mende von der Sammelleidenschaft infiziert. Für ihn ist das Sammeln Lebensinhalt und lässt ihn seine seit Jahrzehnten vorhandene Lungenkrankheit besser bewältigen. Die habe nichts mit dem Rauchen zu tun, denn er habe nie im Leben geraucht. Allerdings werden in der Ausstellung zahlreiche Besucher an die eigene Leidenschaft des Rauchens erinnert, die bis in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts sozial akzeptiert war und zum gesellschaftlichen Leben dazu gehörte und durch Werbung der Tabak- und Zigarettenproduzenten zum Style hochgejubelt wurde. »Natürlich wollen wir mit der Ausstellung keine Werbung für das Rauchen machen, zumal es inzwischen weitestgehend aus dem offiziellen öffentlichen Leben verschwunden ist«, betont Andreas Hanslok. Aber als sozialgeschichtliches Phänomen habe es die gesamte Welt über Jahrhundert geprägt. So führen Texte und Bilder in der Ausstellung durch einen Teil der Kulturgeschichte von den Anfängen in indianischen Kulturen Amerikas über die Griechen, Römer und Germanen. Kolumbus wird zugeschrieben, dass er den Tabak mit nach Europa gebracht habe. Den Siegeszug des Tabaks in Europa beförderte mit der französischen Regentin Katharina von Medici (1519 – 1589) eine Frau, die liebend gern Tabak als »Pulver der Königin« schnupfte. Später wird das Zigarrenrauchen zum Symbol für Reichtum aber auch für Revolution. Für den Schriftsteller Erich Kästner war »Kreativität ohne Rauch nicht denkbar«. Die Tabakpfeife sorgte noch besser dafür, den blauen Dunst lange dampfen zu lassen. Das Rauchen, erfahren Ausstellungsbesucher, war bis ins 20. Jahrhundert Domäne der Männer, erst dann verstanden Frauen wie Marlene Dietrich es als Mittel der Emanzipation. Auch Belege für die Zigarrenproduktion in Doberlug-Kirchhain fehlen in der Ausstellung nicht. Natürlich zeigt die Schau auch die Schädlichkeit des Rauchens und wie sich das Bewusstsein in der Gesellschaft zum Thema Rauchen verändert hat.Zwei Nichtraucher huldigen noch bis Anfang Januar den Raucherutensilien im Weißgerber-Museum in Doberlug-Kirchhain. Museumsleiter Dr. Andreas Hanslok und der Doberluger Sammler Frank Mende haben mit der Sonderausstellung »Der blaue Dunst – Entstehen…

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