War Reichspräsident Paul von Hindenburg Cottbuser?

Die WochenKurier-Kolumne von Dr. Peter Lewandrowski

Cottbuser Geschichten. - Vor 90 Jahren -

Straßennamen sagen viel über das politische System aus. In einem demokratischen Staat sollte die Benennung nach Personen vorsichtig erfol­gen. Die Verwendung der Namen noch lebender Menschen ist gerade in Deutschland oft genug in die Hose ge­gangen. Wenn dann, wie in Cottbus, in­nerhalb eines Dreivierteljahrhunderts gleich drei grundlegende Paradigmen­wechsel anstehen, gibt es neben dem Elitenaustausch auch Umbenennungs­zwänge. Den Wechsel vom Kaiserreich zur Republik überstanden die meisten Straßen unbeschadet. Die Cottbuser hatten damals charmante Formen zur Benennung von Straßen und Plätzen, z.B. die nach den Vornamen der Ehe­gattinnen der Bauherren und Archi­tekten. So kamen die Luisenstraße, die Ottilienstraße oder die Marienstraße zu ihren Namen. Nach der Machter­greifung der Nazis änderte sich das schnell. Die Fliegerasse aus dem Welt­krieg erhielten ihre Straßen. Die bluti­gen Schlachten von Tannenberg und Langemarck wurden Namensgeber. Und eine Straße der SA und ein Platz der HJ kamen bald hinzu. Eine Adolf-Hitler-Straße gab es in Cottbus nicht. Da waren die noch nicht eingemeindeten Ströbitzer schneller. Für den alten Reichpräsidenten Paul von Hindenburg hatte die städ­tische NS-Führung jedoch eine besondere Vorliebe.

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Paul von Hindenburg war im Cottbuser Straßenverzeichnis von 1937 gleich drei Mal vertreten. Es gab die Hin­denburgstraße (heute die Karl-Marx-Straße) und den Hindenburgplatz (heu­te der Universitätsplatz neben dem ehemaligen HdA). In Ströbitz befand sich ein zweiter Hindenburgplatz. Den Namen des Generalfeldmarschalls trug auch die Mittelschule (heute Teil des Blechen Carrés) und schon ab 1927 der Park zwischen Schlachthof und Großem Spreewehr.

Über Paul von Hindenburg, dem der Krieg wie eine Badekur bekam, hat ei­gentlich Brecht alles gesagt: »Hinden­burg war ein schlechter General. Sein Krieg nahm ein böses Ende. Die Deut­schen sagten: ›Zum Teufel noch mal, den machen wir zum Präsidente.‹« So war es dann auch. In Friedenszeiten hatte sich Hindenburg zum General hochgedient und war mit 64 Jahren 1911 vorzeitig in den Ruhestand ge­treten. Mit Kriegsbeginn kam dann seine große Zeit, zunächst als Oberbe­fehlshaber Ost und dann als Chef des Generalstabes. In seinen gewonnenen und verlorenen Schlachten sind Millio­nen gestorben. Sieben Jahre nach dem Weltkrieg wählten die Deutschen den Generalfeldmarschall zum Reichspräsi­denten. Und 1933 machte er den Weg für die Nazi-Diktatur frei. Woher kam die besondere Zuwendung der Cottbu­ser Verwaltung zu Hindenburg? Da ist einmal das allgemeine Phänomen, dass der alte General im Krieg und der Weimarer Republik eine Popu­larität genoss, die in keinem Ver­hältnis zum desaströsen Kriegsen­de steht. Die Cottbuser hatten für die Hindenburg-Verehrung aber noch einen weiteren Grund.

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Der Cottbuser Anzeiger berichtete am 27. September 1928, vor 90 Jahren: »Reichspräsident von Hin­denburg passierte am gestrigen Abend auf der Rückkehr aus dem Görlitzer Manövergelände nach Berlin unseren Bahnhof. Er traf um 6.43 Uhr hier ein und setzte 6.49 Uhr die Reise fort. Kurz vor der Abfahrt des Zuges wurde ihm im Namen der Stadt ein prächtiges Blumenarrangement in den Wagen gereicht mit folgendem Schreiben: Dem hochverehrten treu­en Führer des deutschen Volkes im Krieg und Frieden entbietet die Stadt Cottbus, die dereinst, wenn auch nur für wenige Jahre, seine Heimat war, ihren ehrerbietigen herzlichen Gruß. Der Magistrat der Stadt Cottbus«. War Hindenburg also kurzzeitig Bürger von Cottbus? Er selber schreibt dazu: »Das Los des Soldaten, zu wandern, führte meine Eltern von Posen nach Köln, Graudenz, Pinne in der Provinz Posen, Glogau und Kottbus.« Zu Glogau und Pinne gibt es Anmerkungen; Cottbus taucht in der Autobiografie »Aus mei­nem Leben« nicht weiter auf. Tatsäch­lich diente Robert von Hindenburg, der Vater, von 1860 bis 1863 als Kom­paniechef im 1. Posenschen Infante­rieregiment in Cottbus. Die Familie wohnte im Haus Altmarkt 13a. Paul besuchte jedoch ab 1859 die Kadettenschule im schlesischen Wahl­statt. Seine Anwesenheit in Cottbus dürfte sich auf die Ferien beschränkt haben.

Der sechsminütige Aufent­halt des Reichspräsidenten reichte 1928 nicht aus, um dem Staatsoberhaupt die Cottbuser Sorgen vorzutra­gen. Davon gab es einige. Eine Erhöhung der Tarife für die Straßenbahn stand bevor. Gemeinsam forderte Cottbus mit den anderen Städten im Preußischen Städtetag »... einen besseren Finanzausgleich.« Das kommt uns doch bekannt vor.

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