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„Sie werden platziert!“ - Mentana, Molle und Co.

Die WochenKurier-Kolumne von Dr. Peter Lewandrowski

Cottbuser Geschichten. Die Spuren der „sozialistischen Gastlichkeit“ sind fast gänzlich getilgt. Die Tage der Großgaststätten in Cottbus, des „Stadttors“, des „Kleinen Spreewehrs“ oder des „Brunschwigs“, waren nach der Wende gezählt.

In einem Bericht vor dem IX. Parteitag hieß es noch stolz: „In den letzten 25 Jahren entstanden 19 moderne Gaststätten, so dass Cottbus insgesamt über 70 Gaststätten aller Eigentumsformen mit 9.362 Plätzen verfügt.“ Die Erinnerungen daran sind sicher geteilt. „Sie werden platziert!“ lautete die Ermahnung am Eingang, gerichtet an zu selbstständige Gäste. Und so begann auch der Restaurantbesuch mit der allgegenwärtigen Wartegemeinschaft.

Das Cottbuser Bier war jammervoll. Im Wettbewerb um das schlechteste DDR-Bier belegte es in einem „Eulenspiegel“-Ranking den mit Abstand letzten Platz („naturtrüb und schaumgebremst“). Da war man im „Hotel Lausitz“ mit Wernesgrüner oder im „Kraftwerker“ mit Karat besser bedient. Die Preise waren „moderat“, wie man heute sagt. Den Besuch im „Bergmann“ konnte sich jeder leisten. Im Sandow-Eck kostete das Schnitzel mit Bratkartoffeln 3,10 Mark. Die Qualität des Essens an der ehemaligen Grillbar vom „Stadt Cottbus“ ist auch heute unübertroffen, auch deshalb, weil es die vielen Fertigprodukte, die jetzt mit auf den Teller kommen, gar nicht gab. In einigen Nischen hielten sich damals Restaurationen, an die die Cottbuser sicherlich gern denken: Der „I-Club“ mit den Premierenfeiern, die „Totenschenke“ oder der legendäre „Clou“.

Die Errichtung einer Gaststätte im Neubaugebiet Sandow fand vor 45 Jahren besondere Aufmerksamkeit. Die „Mentana“ in der Otto-Grotewohl-Straße war schon vor ihrer Eröffnung im Gespräch. Die Deutung des Namens ‚Mensa für Tag und Nacht‘ war gar nicht so übertrieben. Es sollte keinen Ruhetag geben. Gleichzeitig war die neue HO-Gaststätte mit 380 Sitzplätzen zur Mittagszeit als Ort niveauvollen Schulessens vorgesehen. Die Lausitzer Rundschau berichtete von der Eröffnung durch Oberbürgermeister Heinz Kluge am 6. September: „Die ersten Gäste in der modern und zweckmäßig eingerichteten Gaststätte waren Schüler der Ernst-Thälmann-Oberschule und der Walter-Wagner-Oberschule, die in dieser Gaststätte ihr Mittagessen erhalten. Das Personal der Gaststätte, das sich in Auswertung des VIII. Parteitages der SED verpflichtete, in rollender Woche, also ohne Ruhetag zu arbeiten, wird täglich 2.800 Portionen für die Schulspeisung herstellen… Die Kinder haben die Möglichkeit, zwischen zwei Gerichten zu wählen.Ab heute steht die Gaststätte täglich von 10 bis 24 Uhr (samstags und sonntags bis 1 Uhr) der Öffentlichkeit zur Verfügung.“

Die erweiterten Öffnungszeiten waren eine Reaktion auf Kritiken der Bürger: „Es ist nicht zu verantworten, dass uns am Wochenende der Bier- und Brausehahn abgedreht wird!“, klagten die Sandower. In der „Mentana“ konnte man nun auch sonntags sein Bierchen trinken und an sieben Tagen in der Speisebar Mittag essen.

„Am Abend stehen weitere 150 Sitzplätze und eine Tanzfläche für die Gäste zur Verfügung. Täglicher Tanz, eine Diskothek und ein umfangreiches Angebot an Speisen und Getränken werden den Besuchern die Stunden in der Gaststätte angenehm gestalten.“

Außer Schulessen und Tanz gab es in der „Mentana“ auch Frauentagsfeiern, Wohngebietsveranstaltungen und Sportlerehrungen. Zur 28. Friedensfahrt 1975 erklang dort „die Fanfare der Friedensfahrt, als der Präsident des DDR-Radsportverbandes, Gerhard Voß, den Mitgliedern der Friedensfahrtmannschaft der DDR die Trikots mit dem schwarzrotgoldenen Brustring und dem Staatsemblem überreichte.“

Die „Mentana“ war nicht die einzige Handelseinrichtung, die im zweiten Halbjahr 1971 eröffnet wurde. Mit der Fertigstellung der Wohnscheibe Stadtpromenade ging auch die Ladenzeile im Untergeschoss in Betrieb. Als erstes öffnete dort im August die Delikat-Filiale, ein Geschäft jener Kette, mit der die DDR den Kaufkraftüberschuss mit importierten und ausgewählten Waren abschöpfen wollte.

Dann folgten die „Molle“, ein Restaurant mit 90 Plätzen, das Jugendmodezentrum und der Herrenmodeladen Exquisit. Delikat und Exquisit waren in der DDR wegen der hohen Preise umstritten, auch wenn es bei der Eröffnung der Filialen hieß: „Die Delikat-Verkaufsstelle ist Auswertung des VIII. Parteitages in Aktion...“.

Doch zurück zur „Mentana“. Nach der Wende war die Zeit der Großgaststätte mit Schulessen vorbei. Mehrere Betreiber haben mit wechselnden Konzepten einen Neuanfang versucht. Seit dem Jahr 2000 stand das Gebäude endgültig leer. 2016 wurde es abgerissen. Die Fläche ist für den Wohnungsbau vorgesehen.

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Kommentar von Milan
Wir haben sehr lange in Mentana mit der Band The Goodmen gespielt. Es war die schönste Zeit. Schade, dass es nie wieder kommen wird. Milan
Kommentar von Mückenfett
Wir waren im Tagebau Förderbrücke aufbauen und sind Abends zum Tanz in die Mentana,waren oft im Sandow-Eck und Sandower Bierstübel,an das lecker Essen in der Molle erinner ich mich auch gern zurück. Traurig das unser Leben und Schaffen in der DDR heute nichts mehr wert ist !
Kommentar von Peter "Otto" Böhm
Sehr schade :-(( wir waren mit unserer Clique sehr gern und lange dort...
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Sachsen und Brandenburg vertiefen Zusammenarbeit

Sachsen. Brandenburg und Sachsen geben ihrer Zusammenarbeit bei der weiteren Entwicklung der Lausitz einen festen Rahmen. Die Chefin der Brandenburger Staatskanzlei, Ministerin Kathrin Schneider, und Sachsens Staatsminister für Regionalentwicklung, Thomas Schmidt, unterzeichneten dazu heute in einer gemeinsamen Videokonferenz eine Kooperationsvereinbarung. Darin bekräftigen die Länder das Ziel, die Lausitz gemeinsam zu einer europäischen Modellregion für den Strukturwandel und zu einer nachhaltigen Energieregion zu entwickeln. Ministerin Schneider: »Mit der heutigen Unterschrift bekräftigen wir unsere gemeinsamen Ziele für die erfolgreiche Strukturentwicklung der Lausitz. Brandenburg und Sachsen folgen einem gemeinsamen Kompass. Für die Umsetzung länderüberschreitender Infrastrukturen und die Schaffung von Industriearbeitsplätzen – wie z. B. an den Industriestandorten Schwarze Pumpe und Schwarzheide/Lauchhammer – ist eine gute Abstimmung unabdingbar. Aber auch beim Aufbau neuer Forschungseinrichtungen und der Entwicklung der Gesundheitsregion Lausitz ist eine enge Kooperation für beide Seiten von Vorteil. Mit dem Ausbau des Bahnwerks in Cottbus, der Kathodenfabrik am BASF-Standort in Schwarzheide und dem Gründerzentrum Dock 3 in Schwarze Pumpe haben wir bereits wichtige Meilensteine gesetzt. Darauf bauen wir auf und gehen Projekt für Projekt unseren Weg weiter zu einer europäischen Modellregion für den Strukturwandel.« Minister Schmidt: »Die Kooperationsvereinbarung verstetigt und ordnet die enge Zusammenarbeit, die das Land Brandenburg und der Freistaat Sachsen schon seit dem Beginn der Diskussion um den Strukturwandel pflegen. Auch wenn die Landesgrenze quer durch die Lausitz geht: Es bleibt eine Region, die wir nur gemeinsam erfolgreich entwickeln können. Dafür haben wir ab heute eine weitere wichtige Grundlage. Neben der Entwicklung von großflächigen Gewerbe- und Industrieansiedlungen im Industriepark Schwarze Pumpe konnten im Freistaat Sachsen bereits die Ansiedlung des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle und auch von Forschungseinrichtungen wie dem Hydrogen Lab Görlitz und dem Center for Advanced Systems Understanding, kurz CASUS, erreicht werden. Zudem haben wir bereits zahlreiche Projekte auf den Weg gebracht. Darunter sind ein Großforschungszentrum in der Lausitz, das auch in der Wirtschaft zahlreiche gut bezahlte Arbeitsplätze schaffen wird, das Zentrum der Kreislaufwirtschaft CIRCECON sowie Ansätze für den Einsatz batterieelektrischer oder wasserstoffbetriebener Schienenfahrzeuge, zum Beispiel in Görlitz.« Zur Frage eines vorgezogenen Ausstiegs aus der Kohleverstromung erklärten Schneider und Schmidt: »Brandenburg und Sachsen werden sich weiterhin dafür einsetzen, dass bis zum Ausstieg aus der Kohleverstromung und dem damit einhergehenden Verlust zahlreicher Arbeitsplätze in der Lausitz neue Arbeitsplätze in ausreichendem Umfang insbesondere in der Industrie geschaffen werden. Das ist eine Frage von Verlässlichkeit und Vertrauen in politische Zusicherungen.« Brandenburg und Sachsen hatten im Jahr 2017 mit dem »Großräschener Grundsatzpapier« die Weichen für eine einheitliche Strukturentwicklung der Lausitz gelegt. Dabei hatten sie sich auf die fünf Handlungsfelder verständigt: Infrastruktur und öffentliche Fürsorge,Digitalisierung, Innovation, Forschung und Wissenschaft,Wirtschaftsförderung und -entwicklung,Fachkräfteentwicklung und -sicherung,Marketing, Kultur, Kunst und Tourismus Inzwischen läuft der Prozess der Strukturentwicklung in der gesamten Lausitz und bekommt mit der heute unterzeichneten Kooperationsvereinbarung eine feste politische Struktur. Das Format der gemeinsamen Kabinettsitzungen als höchstes Gremium wird verbindlich fortgeführt. Es gibt einen regelmäßigen, quartalsweisen Austausch auf Ministerebene. Die Revierbeauftragten beider Länder stimmen sich ab und die Fördergesellschaften koordinieren gemeinsam die länderübergreifenden Projekte. Zudem werden Brandenburg und Sachsen ein Schaufenster-Format entwickeln, um die Bürgerinnen und Bürger zu informieren und einzubeziehen. Ziele der Kooperationsvereinbarung Die Lausitz soll als Region mit hoher Lebensqualität einheitlich entwickelt werden. Brandenburg und Sachsen bekräftigen in der Kooperationsvereinbarung folgende Ziele für die Lausitz: Entwicklung zu einer europäischen Modellregion für den Strukturwandel Schaffung eines zentralen, europäischen Verflechtungsraums Ausbau einer innovativen und leistungsfähigen Wirtschaftsregion Etablierung einer modernen und nachhaltigen Energieregion Stärkung als moderner Forschungs-, Innovations- und Wissenschaftsstandort und als eine Modellregion für Gesundheit Herausstellung als Region mit hoher Lebensqualität, kultureller, touristischer, sprachlicher, ethnischer sowie sportlicher Vielfalt und intakten Naturräumen. Das im vergangenen Jahr vom Bund verabschiedete Investitionsgesetz für die Kohleregionen unterstützt alle vom Braunkohleausstieg betroffenen Reviere bei der Strukturentwicklung mit insgesamt rund 40 Milliarden Euro. Für das Lausitzer Revier stellt der Bund im Rahmen von drei Förderperioden bis zum Jahr 2038 insgesamt rund 6 Milliarden Euro bereit, wovon ca. 3,6 Milliarden auf das Land Brandenburg und rund 2,4 Milliarden auf den Freistaat Sachsen entfallen. Der Bund selbst unterstützt das Lausitzer Revier noch einmal mit eigenen Maßnahmen zur Strukturentwicklung im Umfang von bis zu 11,18 Milliarden Euro.Brandenburg und Sachsen geben ihrer Zusammenarbeit bei der weiteren Entwicklung der Lausitz einen festen Rahmen. Die Chefin der Brandenburger Staatskanzlei, Ministerin Kathrin Schneider, und Sachsens Staatsminister für Regionalentwicklung, Thomas…

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Wieder kein Adventsfest in Meuro

Meuro. „Wir haben unseren traditionellen Termin mit Blick auf die sich zuspitzende Lage in unserer Region bereits vor der erneut verschärften Eindämmungsverordnung des Landes abgesagt. Wir bedauern dies sehr. Denn unser Adventsfest ist bei den Menschen nicht nur sehr beliebt, sondern symbolisiert für uns auch den Beginn der Vorweihnachtszeit. Und dazu gehört eben auch das gesellige Beieinander auf dem Weihnachtsmarkt. Dies ist zur Zeit aber nicht ratsam“, erklärt Michael Hertel als Vorsitzender des verantwortlichen Dorfclub Meuro e.V. Damit in Meuro dennoch Weihnachtsstimmung aufkam, hatten die Kita Sonnenschein und der Dorfclub die Blautanne auf dem Dorfplatz geschmückt. Die Kita-Kinder brachten dazu „Weihnachtsgeschenke“ im unteren Bereich des Baums an. Den oberen Teil säumen in das neue Jahr Baumkugeln und eine Weihnachtsbeleuchtung. „Wir wünschen allen Kindern und Erwachsenen eine gesegnete  Weihnachtszeit. Bleibt gesund und denkt an eure Mitmenschen“, meint Michael Hertel abschließend. Gleichzeitig bedankt sich der Dorfclub Meuro recht herzlich bei der Meuroer Zweigniederlassung der Palettenservice-Hamburg AG für deren Unterstützung zur Einlagerung der Verkaufshütten. Diese wollte der Verein zum Adventsfest erstmals nutzen. Nun stehen sie immerhin winterfest untergebracht in einer Lagerhalle des Unternehmens.„Wir haben unseren traditionellen Termin mit Blick auf die sich zuspitzende Lage in unserer Region bereits vor der erneut verschärften Eindämmungsverordnung des Landes abgesagt. Wir bedauern dies sehr. Denn unser Adventsfest ist bei den Menschen…

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