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Schlacht an der Somme geht zu Ende: Cottbus hungert weiter

Die WochenKurier-Kolumne von Dr. Peter Lewandrowski

Cottbuser Geschichten. Der Cottbuser Anzeiger beschäftigte sich im November 1916 seitenweise mit den Präsidentschaftswahlen in den USA und dem Tod des österreichischen Kaisers Franz Josef I. Bei den US-Wahlen am 7. November hatte der Anzeiger zunächst den Wahlsieg von Charles Hughes verkündet.

Das wurde dann vier Tage später auf Woodrow Wilson korrigiert. Diesen hielt man, bezogen auf einen möglichen Kriegseintritt der USA, eigentlich für die bessere Lösung. Zur Beisetzung des alten Kaiser in Wien hörten die Cottbuser Leser ein letztes Mal von der imperialen Prachtentfaltung des Habsburger Hofzeremoniells.

Tumulte an den Kartoffelverteilungsstellen

Im lokalen Bereich gab es fast nur ein Thema, die zusammenbrechende Kartoffel- und Milchversorgung. „Die der Stadt zur Verfügung stehende Vollmilch ist so knapp, dass nur eine bestimmte Menge für die Kranken bewilligt werden kann, weil sonst die Kinder darunter leiden würden“, stellte die Stadtverordnetenversammlung fest. Die Zeitung berichtete von Tumulten an den Kartoffelverteilungsstellen.
Hauptthema der Cottbuser Tageszeitung war jedoch die Schlacht an der Somme im Nordwesten Frankreichs. Das Gemetzel war eine der blutigsten Schlachten in der Kriegsgeschichte. Englische und französische Truppen berannten mehrere Monate die deutschen Gräben. Die gewaltige Materialschlacht begann im Juli 1916 als Massensterben auf beiden Seiten.

19.000 Briten sterben am ersten Tag

Allein am ersten Tag verloren 19.000 junge Briten durch das Sperrfeuer deutscher Maschinengewehre ihr Leben. Andererseits starben Tausende Deutsche unter einem siebentägigen Trommelfeuer, in dem 1,5 Millionen Granaten auf die Stellungen des kaiserlichen Heeres abgefeuert und die Front in eine Mondlandschaft verwandelt wurde. Die Kriegsberichte im Cottbuser Anzeiger klingen betont sachlich: „Durch konzentriertes Feuer schwerster Kaliber vorbereitet, erfolgten gegen unsere … Stellungen starke englische Angriffe, bei denen es dem Gegner unter beträchtlichen Opfern gelang, uns aus Beaumont-Hamel und St. Pierre-Divion … zurückzudrängen. Zähe Verteidigung brachte auch uns erhebliche Verluste.“

Angriff und Gegenstoß

Aus der Sicht der Männer im Schützengraben sah die Sache anders aus: „Wir erkennen die verzerrten Gesichter, die flachen Helme, es sind Franzosen. Sie erreichen die Reste der Drahtverhaue und haben schon sichtbare Verluste. … Ich sehe einen von ihnen in einen spanischen Reiter stürzen, das Gesicht hoch erhoben. Der Körper sackt zusammen, die Hände bleiben hängen, als wollte er beten. Dann fällt der Körper ganz weg und nur noch die abgeschossenen Hände mit den Armstümpfen hängen im Draht. … Aus uns sind gefährliche Tiere geworden. Wir kämpfen nicht, wir verteidigen uns vor der Vernichtung. Wir schleudern die Granaten nicht gegen Menschen, was wissen wir im Augenblick davon, dort hetzt mit Händen und Helmen der Tod hinter uns her...“ Remarque schildert in seinem Roman „Im Westen nichts Neues“ das Grauen von Angriff und Gegenstoß, von Trommelfeuer und Nahkampf, das eine Generation junger Franzosen, Deutscher und Briten zerstörte, „auch wenn sie den Granaten entkamen.“ Der Protagonist schwört dem von ihm getöteten Franzosen: „Ich verspreche es dir, Kamerad. Es darf nie wieder geschehen.“

Das Ende der Schlacht

Von solchen Erkenntnissen war man in der Heimat noch weit entfernt. Im Cottbuser Anzeiger wurde im November 1916 noch dann über weitreichende Kriegsziele diskutiert, als schon fast die Hälfte des Blattes mit Todesanzeigen gefüllt war. Dort, in Nordfrankreich sind viele junge Niederlausitzer gefallen. Während der Schlacht an der Somme verloren 1,2 Millionen britische, französische und deutsche Soldaten ihr Leben oder wurden verstümmelt. Am Ende der britischen Sturmangriffe standen den ungeheuren Opfern Geländegewinne von wenigen Kilometern gegenüber. Schließlich waren es verschlammte Gräben, verschlissene Geschütze und eine vergiftete Todeslandschaft, die am 18. November 1916 das Massensterben beendeten. Der deutsche Heeresbericht meldete lakonisch: „Die Sommeschlacht, eine der größten Schlachten des Weltkrieges, war zu Ende.“

Volkstrauertag

Am Volkstrauertag gedenkt das offizielle Deutschland seit 1922 der Opfer der Kriege und der Gewaltherrschaft. Mit dem größer werdenden zeitlichen Abstand besteht wohl einerseits die Gefahr, dass dieses Gedenken zu einem leeren Ritual wird. Andererseits gibt es in Cottbus und der Region eindrucksvoll gestaltete Kriegsgräberstätten. Der kleine Friedhof der italienischen und russischen Gefangenen des I. Weltkrieges in Merzdorf, die beiden sowjetischen Ehrenmale in Cottbus, die Grabstätte der Opfer des 15. Februars 1945 und die vielen liebevoll gepflegten Denkmale in unseren Dörfern haben unsere Aufmerksamkeit verdient. In dieses Gedenken beziehen wir auch die Oberprimaner des Friedrich-Wilhelms-Gymnasium und die anderen Cottbuser ein, die an der Somme fielen.

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Eislöwen-Siegesserie gerissen

Dresden. Die Dresdner Eislöwen haben das Auswärtsspiel beim EHC Freiburg knapp verloren. Mit 1:2 mussten sich die Blau-Weißen am Sonntagabend geschlagen geben. Es ist die erste Niederlage nach vier Siegen in Folge. Es entwickelte sich eine umkämpfte Partie mit vielen Zweikämpfen und nur wenigen Torchancen auf beiden Seiten. Die beste Gelegenheit im ersten Drittel hatten die Gastgeber durch Kiefersauer, der in Janick Schwendener im Eislöwen-Tor seinen Meister fand. Torlos ging es in die erste Pause. Im zweiten Spielabschnitt erwischten die Freiburger den besseren Start. Einen Konter schloss Scott Allen erfolgreich ab. Der Wölfe-Angreifer ließ Schwendener mit seinem Handgelenkschuss keine Chance. Zwischen Kopf und Fanghandschuh flog die Scheibe ins Netz. Zur Halbzeit kam das Team von Trainer Andreas Brockmann besser ins Spiel, erspielte sich gute Torchancen. Aber Luis Benzing im Freiburger Tor stand Schwendener in Nichts nach, fing alles weg, was auf seinen Kasten kam. Im Schlussabschnitt erhöhten die Eislöwen den Druck, konnten Benzing aber erneut noch nicht überwinden. In der 43. Minute schien der Freiburger Schlussmann bereits geschlagen, aber er bekam immer ein Körperteil noch dazwischen. Machtlos war er in der 45. Minute. Johan Porsberger wurde von Jordan Knackstedt freigespielt und ließ Benzing diesmal mit seinem platzierten Schuss keine Abwehrchance. Die Partie war offen, beide Teams suchten den Siegtreffer. Durch einen Fehler im Spielaufbau luden die Dresdner die Wölfe in der 54. Minute zum Konter ein. McLellan schafft mit einer Drehung Platz für Wittfoth, der mit seinem platzierten Schuss ins lange Eck zum 2:1 für die Breisgauer trifft. In den Schlussminuten machten die Eislöwen hinten auf, was zu weiteren Freiburger Kontern führte. Mit überragenden Reflexen verhinderte Schwendener die Entscheidung. Auf der Gegenseite wollte der Puck in den Schlusssekunden trotz Dauerfeuer der Eislöwen nicht mehr zum Ausgleich über die Linie. Andreas Brockmann, Cheftrainer Dresdner Eislöwen: „Wir haben in der ersten Minuten zu passiv gespielt, sind dann aber besser reingekommen. Es war ein enges Spiel, Freiburg hat es uns sehr schwer gemacht. Wir haben nicht viele Situationen gefunden, um uns Chancen zu erarbeiten. Die Chancen die wir hatten, hat ein überragender Torhüter vereitelt. Gratulation an Freiburg, sie haben es richtig gut gemacht. Wir haben alles probiert, einen starken Janick Schwendener gehabt, aber es hat am Ende nicht mehr gereicht. Freitag geht es weiter.“ Am kommenden Freitag, 3. Dezember, 19.30 Uhr, treffen die Eislöwen zu Hause auf Ravensburg. (pm/Dresdner Eislöwen)Die Dresdner Eislöwen haben das Auswärtsspiel beim EHC Freiburg knapp verloren. Mit 1:2 mussten sich die Blau-Weißen am Sonntagabend geschlagen geben. Es ist die erste…

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