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Lehrer, Poet und Heimatforscher - der Cottbuser Ewald Müller

Die WoKu-Kolumne von Dr. Peter Lewandrowski

Cottbuser Geschichten.  - Vor 155 Jahren -

Brandenburg ragt unter den deutschen Ländern hervor: „In Alldeutschlands weiten Marken/ strahlst als Haupt du, Licht und klar;/ denn zum Horst, zum stolzen, starken,/ wählte dich der Kaiseraar.“ Diese markigen Verse stammen vom Cottbuser Lehrer und Schriftsteller Ewald Müller. Dieser wurde am 21. Januar 1862, vor 155 Jahren, in Drebkau geboren und erhielt seine Ausbildung am Altdöberner Lehrerseminar. Sein gesamtes Berufsleben verbrachte der Poet jedoch in Cottbus. Anfang der Sechziger war die Stadt schon kein verträumtes Provinznest mehr. In den städtischen Gremien diskutierte man über eine mögliche Eisenbahnlinie nach Berlin und überlegte, ob der wirtschaftliche Aufschwung durch eine Realschule gefördert würde. Die Silhouette von Cottbus sah arg mitgenommen aus. Der 1857 abgebrannte Schlossturm ragte als Ruine hervor. Erst 1877 erhielt er seine neugotische Bekrönung. Im Cottbuser Anzeiger erschienen in diesen Jahren erstmals „Witterungsberichte“. Als Ewald Müller dann 1882 an der III. Elementarschule in der Wallstraße (heute Friedrich-Ebert-Straße) seinen Schuldienst begann, war Cottbus (zu dieser Zeit noch Kottbus) eine prosperierende Mittelstadt mit Eisenbahnanschluss im inzwischen gegründeten Deutschen Reich. Der Lehramtsanwärter bestand bald darauf die 2. Lehrerprüfung und hat auch danach noch mancherlei Zusatzqualifikationen erworben. Ab 1887 unterrichtete er an der Knabenmittelschule, die von 1890 an im Gebäude Bahnhofstraße 11 untergebracht war. Aber erst als fast Sechzigjähriger erhielt der Pädagoge auch die höhere Gehaltsstufe als Mittelschullehrer. Schon früh entwickelte sich der Schriftsteller Ewald Müller. In kurzer Folge erschienen ab 1884 Gedichtbände. „Frühlingsblüten“, „Verhaltene Gluten“ und „Aus der Streusandbüchse“ sind die Titel. Dem jungen Poeten wurde von der Kritik versichert, ein formensicherer Lyriker zu sein. In den Liedern ging es um „der alten Helden Geister“, um „der Nixen süßes Liebeslied“ und um „das lichte Blau, das dir im Auge strahlt“. Müllers Lyrik fand auch außerhalb von Cottbus Anerkennung. Gedichte von ihm fanden den Weg in Lesebücher. Literatur-Nobelpreisträger Paul Heyse und Felix Dahn („Ein Kampf um Rom“) waren prominente Briefpartner. Die Augsburger Schillerstiftung, deren Ziel es war, „literarischen Talenten tatkräftig Beistand (zu)leisten, … vielversprechenden Talenten Muße zur Vollendung poetischer Werke und den im Dienste der Musen Ergrauten ein sorgenfreies Alter“ zu ermöglichen, verlieh Müller 1893 den Schillerpreis. Das kam sicherlich hochwillkommen. Den schlecht bezahlten Lehrer plagten häufig Geldsorgen. Ein zweites Betätigungsfeld von Ewald Müller war die Heimatforschung. Besonders hatte es ihm der Spreewald und das Leben der Wenden angetan. Ein Zeitgenosse schreibt über Müllers heimatgeschichtliche Aufsätze. „Wer einmal den Spreewald besucht hat, jenes einzigartige, von der Natur  mit so seltsamen Reizen ausgestattete Fleckchen Erde, wer einmal den Zauber des Wassers und des geheimnisvollen Erlenhochwaldes auf sich hat wirken lassen, wer einen Blick getan hat in das Leben und Treiben der Wenden, ihre Sitten aus Urväterzeiten beobachtet, ihren schwermütigen Liedern gelauscht hat, der muss und wird den Spreewald liebgewinnen. Alles das verwandelte Ewald Müllers reger Geist in Poesie.“ Er zeichnete die Sagen von der Liebesgöttin Ljuba, den Drachen Plon und der Mittagsfrau auf. Das Epos „Morkusko“ handelt von den tragischen Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Wenden. Auf einer Freilichtbühne in Burg erlebte die Niederlausitz 1914 die Uraufführung des Heimatspiels „Der heimliche König“. Das war ein Vorgänger der späteren Spreewälder Sagennacht.

Aber auch seine Heimatstadt Cottbus beschrieb Ewald Müller liebevoll. Keine  Festschrift, kein Prospekt und keine städtische Feier ohne Beiträge von ihm. Sein Credo: „Die Stadt ist nicht reich an fruchtbaren Fluren und ausgedehnten Waldungen, aber in ihrer geschichtlichen Entwicklung erstrahlt ein kostbares Kleinod, der Gewerbefleiß ihrer Bürger. Was Cottbus geworden ist, verdankt es in erster Linie der rastlosen gewerblichen Arbeit.“ Der von Müller so begeistert besungene Kaiseradler machte bekanntlich eine Bruchlandung. Das ging auch an dem Cottbuser Mittelschullehrer nicht spurlos vorbei. Im Alter von 62 Jahren wurde er 1924 wegen eines „notwendigen Personalabbaus“ mit einem kleinen Ruhegehalt vorzeitig aus dem Schuldienst entlassen. Er starb 1932. In Ströbitz ist eine Straße nach ihm benannt. 

Bei der nächsten Fahrt nach Burg denken wir dann an Ewald Müllers Worte: „Manch Land wohl rühmt sich schön‘rer Natur,/ doch gibt es auf der Welt einen Spreewald nur.“

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Aufruf: Krankenhäuser brauchen Unterstützung

Weißwasser. Hohe Inzidenzen, dadurch immer mehr Menschen, die mit einer Corona-Infektion ins Krankenhaus müssen. Die Krankenhäuser im Landkreis kommen an die Grenzen des Leistbaren. Das Gesundheitszentrum des Landkreises Görlitz, das für die Häuser in Ebersbach-Neugersdorf, Zittau und Weißwasser zuständig ist, hat sich deshalb jetzt mit einem Aufruf an die Bevölkerung gewandt und bittet um Unterstützung. „Unsere Pflegekräfte brauchen nach der langen Zeit intensivster Beanspruchung und rasant ansteigenden Belegungen mit an Covid-Erkrankten Ihre Hilfe“, heißt es darin. Ausgebildete Pflegekräfte, die bspw. gerade im Ruhestand oder berufsfern tätig sind, und Menschen, die „einschlägige Erfahrungen als Helfer in der stationären Krankenpflege“ haben, können sich melden. Ihnen winkt ein Arbeitsvertrag „mit einer entsprechenden Vergütung - gern auch auf 450-Euro-Basis“, heißt es in dem Aufruf. Wer Rückfrage habe, könne sich einfach melden. Die Kontaktdaten: E-Mail: personal@mg-lg.de Telefon: für das Klinikum Oberlausitzer Bergland in Ebersbach-Neugersdorf und Zittau unter der 03583/884043 für das Kreiskrankenhaus in Weißwasser unter der 03583/884044 Es sind nicht die ersten Krankenhäuser, die diesen Schritt gehen. So hatten beispielsweise die Elblandkliniken mit ihren Standorten in Meißen, Radebeul und Riese bereits Mitte November mit einem Appell an die Bevölkerung um Unterstützung gebeten. Auch Klinikum Görlitz sucht Helfer Auch das Klinikum in Görlitz ging diesen Weg Mitte November. „Wir haben nicht mehr die Schlagkraft wie in den vorherigen Wellen. Die Patientenzahlen steigen und das Personal wird immer knapper. Unsere Leute sind erschöpft von den letzten anderthalb Jahren, hinzu kommen Krankheitsfälle und auch Quarantänen unter dem Personal“, sagte Geschäftsführerin Ines Hofmann. Man suche Helferinnen und Helfer, die Serviceleistungen wie Zimmerreinigung, Betten machen, Tee und Essen reichen übernehmen und auch Gespräche mit den Patienten führen. „Zudem werden sie bei Übernahme von Tätigkeiten der Grundkrankenpflege gebraucht, in die sie selbstverständlich eingewiesen werden“, sagt Pflegedirektorin Birgit Bieder, die zugleich Ansprechpartnerin für die Bewerbenden ist. Die Helfer werden im Dreischichtsystem eingesetzt und erhalten einen zweitägigen Grundkurs in pflegeunterstützenden Maßnahmen. Das Fachpersonal weist die Helferinnen und Helfer in die jeweiligen Arbeitsbereiche ein. Die Vergütung erfolgt nach Tarif. Interessierte können sich hier melden: Pflegedirektorin Birgit Bieder: 03581/371533Bewerbungen an: bewerbungen@klinikum-goerlitz.de oder Städtisches Klinikum Görlitz gGmbH Abteilung Personal Girbigsdorfer Str. 1-3,02828 GörlitzHohe Inzidenzen, dadurch immer mehr Menschen, die mit einer Corona-Infektion ins Krankenhaus müssen. Die Krankenhäuser im Landkreis kommen an die Grenzen des Leistbaren. Das Gesundheitszentrum des Landkreises Görlitz, das für die Häuser in…

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