Kosice und Cottbus - Zwei Besuche von OB Rudolf Schuster

Die WochenKurier-Kolumne von Dr. Peter Lewandrowski

Cottbuser Geschichten. - Vor 30 Jahren -

Auf der Homepage der Stadt Cottbus sind die Bemerkungen zur Partnerstadt Košice recht kurzgefasst: »Partnerstadt von Cottbus seit 1978, zweitgrößte Stadt der Slowakei (240.000 Einwohner) mit wunderschön sanierter Altstadt, der ehemalige Oberbürgermeister Rudolf Schuster war von 1999 bis 2004 Staatspräsident.« Tatsächlich ist es um die Städtepartnerschaft in den letzten Jahren recht still geworden. Zuletzt besuchte eine kleine Cottbuser Delegation die ostslowakische Stadt, als Košice 2013 Kulturhauptstadt Europas war. Schulen und Sportvereine pflegen die Kontakte jedoch weiter. Košice ist eine der schönsten osteuropäischen Städte. Sie bewahrt slowakische, ungarische (Kassa), österreichische (Kaschau) und tschechoslowakische Traditionen in ihren alten Mauern. Die Stadt verlor nach der Wende keine Einwohner. Allein im Stahlwerk gibt es 15 000 industrielle Arbeitsplätze. An fünf Hochschulen studieren 30 000 junge Menschen. Neben dem Staatstheater gibt es das Altstadttheater, das Marionettentheater und Aufführungen für die ungarische Minderheit und für die Roma.

Oberbürgermeister, Regierungspräsident und Botschafter

Eine der interessantesten Persönlichkeiten der Slowakei ist der auf der Cottbuser Homepage erwähnte Rudolf Schuster. Er ist gleich zweifach mit der Niederlausitz verbunden. Der Name deutet es schon an. Schuster ist Karpatendeutscher. Seine Vorfahren stammen aus Vetschau. Cottbus besuchte der Politiker zweimal in unterschiedlichen Funktionen. Von 1983 bis 1986 amtierte Rudolf Schuster zum ersten Mal als Oberbürgermeister von Košice. Das Amt des Regierungspräsidenten des Bezirkes Ostslowakei war die nächste Karrierestufe. Mit einer slowakischen Partei- und Regierungsdelegation besuchte Schuster im Juli 1989 Cottbus. Die Lausitzer Rundschau berichtete vor 30 Jahren: »Zu einem freundschaftlichen Meinungs- und Erfahrungsaustausch über die weitere Vertiefung der brüderlichen Beziehungen trafen sich gestern in Cottbus das Sekretariat der Bezirksleitung der SED und die gegenwärtig im Bezirk weilende Delegation der Bezirksleitung Košice der Kommunistischen Partei der Slowakei.« Delegationsmitglieder waren Michal Spak, der slowakische KP-Chef, und Regierungspräsident Rudolf Schuster. An der Ingenieurhochschule gab es ein »Freundschaftsmeeting«. Es kam »zu herzlichen Gesprächen an Computerarbeitsplätzen«. Nur vier Monate später gab es im Bezirk Cottbus und in der Slowakei grundlegende Änderungen. Am 30. Oktober ließen 20 000 Cottbuser Werner Walde kaum zu Wort kommen und auf dem Prager Wenzelsplatz jubelte kurz darauf eine riesige Menge Václav Havel und Alexander Dubcek zu. Dem Politprofi Schuster konnte die Samtene Revolution jedoch nichts anhaben. Während sein Cottbuser Gesprächspartner Werner Walde aufs Altenteil geschickt wurde, übernahm Schuster den Job als Parlamentspräsident in Bratislava. Vom neuen Präsidenten Václav Havel wurde er dann zum Botschafter in Kanada ernannt. Nach der Trennung von Slowakei und Tschechien wählten die Košicer Schuster wieder zum Stadtoberhaupt.

Als Präsidentschaftskandidat wieder in Cottbus

In den Neunzigern gab es nur wenige Kontakte zwischen Cottbus und Košice. Umso größer war Ende 1998 die Überraschung, als sich Oberbürgermeister Schuster zum Besuch ansagte. Im heutige SAS Radisson traf sich OB Kleinschmidt dann mit seinem slowakischen Amtsbruder. Bei dieser Begegnung gab es überraschende Begleitumstände. Rudolf Schuster wurde nicht nur von einem Kamerateam begleitet. Er hatte Personenschutz dabei und beantwortete nach dem Gespräch mit Waldemar Kleinschmidt Fragen von anwesenden slowakischen Journalisten. Dabei ging es offensichtlich nicht um die Beziehungen der beiden Städte, sondern um die große Politik. Das alles war für den Oberbürgermeister einer Provinzstadt recht ungewöhnlich. Bald nach dem Besuch erfuhren die Cottbuser, dass sich Rudolf Schuster im Wahlkampf um das höchste slowakische Staatsamt befand. Schuster gewann die Wahl. Am 15. Juni 1999 bezog er das Palais Grassalkovich, den Amtssitz des Präsidenten der Republik in Bratislava. In seiner Amtszeit bis 2004 bereitete sich das Land auf den Beitritt zur NATO und zur Europäischen Union vor. Der Versuch der Wiederwahl scheiterte allerdings. Jetzt im Ruhestand kann sich der Ex-Staatspräsident seinen weiteren Professionen als Bühnenschriftsteller, Buchautor und Sänger widmen. Dabei ist er sogar recht erfolgreich. Im benachbarten Vetschau steht der Name Rudolf Schuster im Goldenen Buch der Stadt.

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