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Herbert Köfer machte das Licht aus

Die WochenKurier-Kolumne von Dr. Peter Lewandrowski

Cottbuser Geschichten.  Mit Herbert Köfer, noch heute häufig Gast in der Lausitz, begann und endete die Ära des Deutschen Fernsehfunks. Am 21. Dezember 1952 eröffnete der spätere Volksschauspieler als Sprecher der Aktuellen Kamera das „Öffentliche Versuchsprogramm“ der DDR.

In den folgenden 39 Jahren sahen ihn die Fernsehzuschauer in „Rentner haben niemals Zeit“, „Maxe Baumann“, „Aber Doktor“ und hunderten anderen Rollen. In der letzten Sendung des DFF am 31. Dezember 1991, vor 25 Jahren, sang der Fernsehliebling bei der Silvesterrevue unmittelbar vor der Abschaltung des Kanals gemeinsam mit Frank Schöbel den Schlager „Der Letzte macht das Licht aus, der Laden macht nun dicht!“.

Damit endeten fast vier Jahrzehnte Fernsehen aus Adlershof, zuerst Deutscher Fernsehfunk genannt, dann Fernsehen der DDR und dann wieder DFF.

Die Erinnerungen daran sind sicher gemischt. Aus der Cottbuser Stadthalle übertrug das Fernsehen große Unterhaltungsshows, das „Sternchen“ war Kulisse für „Die sieben Affären der Dona Juanita“ und vom Stadion der Freundschaft aus berichtete man über die Oberligaspiele der BSG Energie. Alles, was heute im Rückblick über das DDR-Fernsehen gesagt wird, ist von dem Umstand betroffen, dass es parallel dazu das „Westfernsehen“ gab. Das war in den Fünfzigern verboten, bis Ende der Siebziger eher ein Tabu und wurde dann ab 1980 in Cottbus zentral über Kabel in die Wohnungen geleitet. Wer in der DDR Propaganda machen wollte, ob im Fernsehen, im Betrieb oder in der Schule, der musste immer berücksichtigen, dass die Menschen Tagesschau, Heute, Monitor, das ZDF-Magazin und natürlich die bunte Welt der Werbung gesehen hatten.

Die richtigen Schlussfolgerungen zog man daraus nicht unbedingt. Helmut Schmidt sprach im Fernsehen vor einer Bücherwand. Honecker hielt seine Neujahrsansprache mit einem sowjetischen Raketenkomplex im Matchbox-Format im Hintergrund. In der Aktuellen Kamera wurden während einer Sendung die langen Titel und Funktionen der Spitzenleute komplett und mehrfach genannt. Mit dem Verlesen von Produktionsergebnissen und von statistischen Berichten über ständige Verbesserungen und Erfolge verärgerten die Fernsehmacher die Leute, die gerade den Kampf um den Einkaufswagen in der Kaufhalle hinter sich hatten. Dass eine einseitige Berichterstattung kein Alleinstellungsmerkmal des DDR-Fernsehens war, lernten die Zuschauer erst später.

Aber das DDR-Fernsehen bestand ja nicht nur aus der AK, dem Schwarzen Kanal und dem Militärmagazin Radar. Es gab anspruchsvolle Klassikerverfilmungen („Effi Briest“), Mehrteiler mit Straßenfegerqualität („Das grüne Ungeheuer“), Serien mit geliebten Helden („Zahn um Zahn“) sowie natürlich ausländische Folgen aus Ost („Vier Panzersoldaten und ein Hund“ - Polen) und West („Daniel Boone“ - USA). Die Begeisterung von Sportreporter Heinz Florian Oertel, damals noch regelmäßig Gast im Cottbuser Klub der Intelligenz, beim Olympiasieg von Waldemar Cierpinski ist unübertroffen. („Liebe junge Väter, haben Sie Mut! Nennen Sie Ihre Neuankömmlinge des heutigen Tages ruhig Waldemar! Waldemar ist da!“)

Was sollte nun nach der Vereinigung aus dem DFF werden? Im Oktober 1990 trat Rudolf Mühlfenzl auf den Plan. Er war als Rundfunkbeauftragter für die Abwicklung der DDR-Rundfunk- und Fernsehanstalten verantwortlich. Trotz heftiger Proteste kam es zur Schließung des Adlershofer Fernsehens. Eine Galgenfrist von 16 Monaten Verlängerung erkämpften die Mitarbeiter und Freunde des Jugendradios DT 64.

Für die Cottbuserinnen und Cottbuser vollzog sich die Abwicklung der Hörfunk- und Fernsehprogramme ähnlich still, wie im Jahr zuvor die Schließung der Textilbetriebe. Die Lausitzer Rundschau berichtete lediglich von einer DT-64-Demo in Cottbus. Vor dem Gebäude von Radio Cottbus in der Wilhelm-Külz-Straße demonstrierten „etwa 30 Jugendliche“. Silvester 1991 erschien dann letztmalig unter der Rubrik „Heute und morgen auf dem Bildschirm“ der Deutsche Fernsehfunk. In der ersten Ausgabe der Tageszeitung im Jahr 1992 heißt es dann: „DDR-Funk und -Fernsehen ‚planmäßig‘ abgeschaltet“. Und: „31. Dezember 1991, 19:30 Uhr. Zum letzten Mal flimmert die Nachrichtensendung ‚Aktuell‘ über den um Punkt Null Uhr abgeschalteten Deutschen Fernsehfunk. Obwohl der Bundeskanzler in seiner Neujahrsansprache Optimismus verbreitete, ist für viele Mitarbeiter kein Licht zu erkennen.“

Übrig blieben das Sandmännchen, Achims Hitparade und der Polizeiruf 110. Ja, und in Cottbus blieb das vertraute Fernsehen noch in einer anderen Form präsent. Fernsehliebling Klaus Feldmann, der wohl bekannteste  Nachrichtensprecher, arbeitete Mitte der Neunziger bei Lausitz TV und verhalf dem lokalen Sender zu Ansehen und Professionalität.

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Pulver der Königin – einst gepriesen, heute verpönt

Doberlug-Kirchhain. Zwei Nichtraucher huldigen noch bis Anfang Januar den Raucherutensilien im Weißgerber-Museum in Doberlug-Kirchhain. Museumsleiter Dr. Andreas Hanslok und der Doberluger Sammler Frank Mende haben mit der Sonderausstellung »Der blaue Dunst – Entstehen und Vergehen des Tabakrauchs« ein sozialgeschichtliches Phänomen der Menschheit in die Museumsräume gebracht. Natürlich musste die Ausstellung wegen der Corona-Auflagen ohne offizielle Eröffnung vor einigen Wochen starten. Bis zum Ausstellungsschluss erhofft sich der Museumschef entsprechend der jeweiligen Zugangsregelung interessierte Besucher. Verliebt in Rauchverzehrer Seit geraumer Zeit treibt den Nichtraucher Andreas Hanslok die Idee für diese Ausstellung um. Mit dem Doberluger Sammler Frank Mende, ebenfalls passionierter Nichtraucher, hat er einen engagierten Partner bei der Gestaltung dieser Schau gefunden. Frank Mende ist glücklich, dass er durch die Ausstellung seine Sammlungsbestände, die bei ihm zu Hause zumeist in Schränken, Kisten und Schachteln aufbewahrt sind, für Besucher präsentieren konnte. »Ich habe meine Sammlungsgegenstände hier neu kennengelernt.« Das betrifft vor allem die vielen so genannten Rauchverzehrer in den unterschiedlichsten Dekors und Gestaltungen vom bellenden Hund bis zum Porzellanliebespärchen. »Irgendwann habe ich mich in die Rauchverzehrer verliebt, die über Jahrzehnte in ziemlich jeder bürgerlichen Familie als Schmuckaccessoires die Wohnzimmer schmückten.« Dazu haben sich im Laufe der Jahre viele andere Utensilien zum Rauchen sowie Werbematerial aller Art für das Rauchen zu seiner Sammlung gesellt. „Es war nicht leicht, die richtige Auswahl von besonderen Gegenständen vom Streichholz bis zum Instrumentarium für das Pfeifenrauchern auszuwählen. »Dafür hatte ich Dr. Hanslok an meiner Seite.« Seit 45 Jahren ist Frank Mende von der Sammelleidenschaft infiziert. Für ihn ist das Sammeln Lebensinhalt und lässt ihn seine seit Jahrzehnten vorhandene Lungenkrankheit besser bewältigen. Die habe nichts mit dem Rauchen zu tun, denn er habe nie im Leben geraucht. Allerdings werden in der Ausstellung zahlreiche Besucher an die eigene Leidenschaft des Rauchens erinnert, die bis in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts sozial akzeptiert war und zum gesellschaftlichen Leben dazu gehörte und durch Werbung der Tabak- und Zigarettenproduzenten zum Style hochgejubelt wurde. »Natürlich wollen wir mit der Ausstellung keine Werbung für das Rauchen machen, zumal es inzwischen weitestgehend aus dem offiziellen öffentlichen Leben verschwunden ist«, betont Andreas Hanslok. Aber als sozialgeschichtliches Phänomen habe es die gesamte Welt über Jahrhundert geprägt. So führen Texte und Bilder in der Ausstellung durch einen Teil der Kulturgeschichte von den Anfängen in indianischen Kulturen Amerikas über die Griechen, Römer und Germanen. Kolumbus wird zugeschrieben, dass er den Tabak mit nach Europa gebracht habe. Den Siegeszug des Tabaks in Europa beförderte mit der französischen Regentin Katharina von Medici (1519 – 1589) eine Frau, die liebend gern Tabak als »Pulver der Königin« schnupfte. Später wird das Zigarrenrauchen zum Symbol für Reichtum aber auch für Revolution. Für den Schriftsteller Erich Kästner war »Kreativität ohne Rauch nicht denkbar«. Die Tabakpfeife sorgte noch besser dafür, den blauen Dunst lange dampfen zu lassen. Das Rauchen, erfahren Ausstellungsbesucher, war bis ins 20. Jahrhundert Domäne der Männer, erst dann verstanden Frauen wie Marlene Dietrich es als Mittel der Emanzipation. Auch Belege für die Zigarrenproduktion in Doberlug-Kirchhain fehlen in der Ausstellung nicht. Natürlich zeigt die Schau auch die Schädlichkeit des Rauchens und wie sich das Bewusstsein in der Gesellschaft zum Thema Rauchen verändert hat.Zwei Nichtraucher huldigen noch bis Anfang Januar den Raucherutensilien im Weißgerber-Museum in Doberlug-Kirchhain. Museumsleiter Dr. Andreas Hanslok und der Doberluger Sammler Frank Mende haben mit der Sonderausstellung »Der blaue Dunst – Entstehen…

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