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Gottlieb Grambauer und die Bäume Fürsten Pückler

Die WochenKurier-Kolumne von Dr. Peter Lewandrowski

Cottbuser Geschichten. Hermann von Pückler-Muskau war zu seinen Lebzeiten ein vielgelesener Schriftsteller. Die „Andeutungen über Landschaftsgärtnerei“ sind sein Hauptwerk zur Gartenkunst. Der Reiseschriftsteller Pückler unterhielt das europäische Publikum mit den „Briefen eines Verstorbenen“ und mit dem Ägyptenbericht „Aus Mehemed Alis Reich“. Aber auch Pückler selbst wurde zur literarischen Figur.

Gartenkunst

Hermann von Pückler-Muskau war zu seinen Lebzeiten ein vielgelesener Schriftsteller. Die „Andeutungen über Landschaftsgärtnerei“ sind sein Hauptwerk zur Gartenkunst. Der Reiseschriftsteller Pückler unterhielt das europäische Publikum mit den „Briefen eines Verstorbenen“ und mit dem Ägyptenbericht „Aus Mehemed Alis Reich“. Aber auch Pückler selbst wurde zur literarischen Figur. In Charles Dickens Roman „Die Pickwickier“ tritt er als „Graf Smorltork“ auf. Und Ehm Welk läßt seinen Gottlieb Grambauer mit dem alten Fürsten über Bäume, Menschen und die Welt reden. Diese Episode gehört zu den Schönsten im Werk des Dichters.

Spreewaldstadt der Romane

Welk hatte sich mit dem Nazi-Propagandaminister Goebbels angelegt, wurde verhaftet und im KZ Oranienburg festgehalten. Nach seiner Entlassung 1935 zog er nach Lübbenau. Der Schriftsteller erhielt die Erlaubnis, unpolitische Bücher zu schreiben. So entstanden in der Spreewaldstadt die Romane „Die Heiden von Kummerow“, „Die Lebensuhr des Gottlieb Grambauer“ und „Die Gerechten von Kummerow“. Martin Grambauer, Johannes Bärensprung, Pastor Breithaupt und der Hirt Krischan gehören zu den sympathischsten Gestalten der jüngeren deutschen Literatur.

Da lachte der Fürst

Die Pücklerepisode aus der „Lebensuhr“ ist in „... den Jahren vor dem Siebziger Krieg ...“ angesiedelt, handelt also vor zirka 150 Jahren. Gottlieb Grambauer hilft Pückler, der „... in Branitz ganz alte Bäume verpflanzt hat, und hatte sie von weit hergeholt über das Meer. Da stand ich auch und griente, als wir eine alte Thuja aus Amerika in die Cottbuser Heide setzen sollten. Sie hatte wohl gut ihre zehn Meter, und wir sagten dazu Lebensbaum und kannten ihn bloß kleiner. ‚Was lachst du denn dauernd so dumm, Grambauer?‘, ranzte mich der alte Fürst an. ‚I, Durchlaucht‘, sagte ich, ‚es ging mir so durch meinen Sinn: Was denkt sich nu bloß solch armer Baum?‘ - ‚Wieso?‘ fragte er. - ‚Ja, da sind nu all die Jahre immer bloß Affen und Papageien unter ihm rumgehopst, nu muß er sich doch langweilen?‘ Da lachte der Fürst und sagte: ‚Dann braucht der Baum bloß nach unten zu sehen. Und wenn von uns beiden nichts mehr übrig ist, Grambauer, da werden genauso wie heute immer genug Affen und Papageien um den Lebensbaum stehen und werden ihn nicht begreifen und das Maul aufreißen und dummes Zeug reden!‘

An Lebensweisheit kaum zu übertreffen

Und siehe, es geschah also. Der Fürst war lange tot, als ich vor drei Jahren noch malen in Branitz war. Nun war die Thuja wohl schon zwanzig Meter hoch. Da hörte ich, wie ein Herr zu einer Besucherzahl sagte: ‚Der menschlichen Narrheit verdanken wir dieses Wunder an natürlicher Schönheit‘ Und eine Dame kakelte dazu: ‚Eine schwarze Sklavin soll er sich ja auch mitgebracht haben von seinen Weltreisen, und ist doch verheiratet gewesen!‘“ Die kleine Geschichte ist an Lebensweisheit kaum zu übertreffen.

Affen und Papageien

Die Cottbuser werden die Pücklersche Vermutung mit den Affen und Papageien hundertprozentig bestätigen. Trotzdem gehört sie in das Reich der Fantasie. Im Branitzer Park hat es wohl keine Thuja gegeben. Der Doyen der Cottbuser Parkdenkmalpfleger, Professor Helmut Rippl, erinnert daran, dass es Pücklers Gestaltungsprinzip war, einheimische Pflanzen zu verwenden. Unter den Cottbusern hält sich ja die Legende, dass der Gartenkünstler Pückler viele Großbäume aus Übersee kommen ließ. Das ist nicht richtig. Pückler verpflanzte Großbäume aus deutschen Baumschulen. Einzige Exoten sind der Tulpenbaum und zahlreiche Robinien.

Schlossumgebung

Eine Ausnahme bildete wohl der Pleasureground, die unmittelbare Umgebung des Schlosses. In diesem erweiterten Wohnzimmer, damals nicht zugänglich, spielte der Fürst wohl auch mit exotischen Pflanzen, die aber nicht überdauert haben. Richtig ist, dass die Bäume das wichtigste Element im Park sind.

Kein Zufall

Helmut Rippl zeigt, dass in Branitz nichts dem Zufall überlassen ist: die Anordnung der Baumgruppen, der Szeneriewechsel, die Sichtachsen, Licht, Schatten und Farben. Die Bäume sind so arrangiert, dass der Betrachter von jedem Standort aus eine andere Komposition erlebt. Das abwechselnde Blühen, das Rot der Blutbuche, das Hellgrün der Platane und das Silber der Graupappel sind die Musik des Parks, der in erster Linie Ruhe ausstrahlt. Genau das wollte Pückler erreichen.

Alterswerk eines Gärtners

Als eine „geistreiche Dame“ die „imposante Ruhe, die in dem Ganzen herrscht“ hervorhob, schrie er: „Nie hätte mir ein Lobspruch schmeichelhafter sein können ...“ Das Alterswerk des Landschaftsgärtners Hermann von Pückler ist nicht nur ein hochkarätiges Gesamtkunstwerk. Kunst- und Gartenfreunde kommen hier ebenso auf ihre Kosten wie Verliebte, Jogger und Erholungsuchende.

Mystische Orte

Der Branitzer Park ist auch ein Therapeutikum. Himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt: Auf den verschlungenen Parkwegen und an den mystischen Orten bei den Pyramiden verstärkt sich Euphorie und verliert sich Depression.

Die heitere Gelassenheit des Ortes hat Ehm Welk in der „Lebensuhr des Gottlieb Grambauer“ beschrieben. Wer allerdings im Park umherirrt und Pokémon Go-Monster jagt, wird den Genius loci nicht entdecken.

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Sachsen und Brandenburg vertiefen Zusammenarbeit

Sachsen. Brandenburg und Sachsen geben ihrer Zusammenarbeit bei der weiteren Entwicklung der Lausitz einen festen Rahmen. Die Chefin der Brandenburger Staatskanzlei, Ministerin Kathrin Schneider, und Sachsens Staatsminister für Regionalentwicklung, Thomas Schmidt, unterzeichneten dazu heute in einer gemeinsamen Videokonferenz eine Kooperationsvereinbarung. Darin bekräftigen die Länder das Ziel, die Lausitz gemeinsam zu einer europäischen Modellregion für den Strukturwandel und zu einer nachhaltigen Energieregion zu entwickeln. Ministerin Schneider: »Mit der heutigen Unterschrift bekräftigen wir unsere gemeinsamen Ziele für die erfolgreiche Strukturentwicklung der Lausitz. Brandenburg und Sachsen folgen einem gemeinsamen Kompass. Für die Umsetzung länderüberschreitender Infrastrukturen und die Schaffung von Industriearbeitsplätzen – wie z. B. an den Industriestandorten Schwarze Pumpe und Schwarzheide/Lauchhammer – ist eine gute Abstimmung unabdingbar. Aber auch beim Aufbau neuer Forschungseinrichtungen und der Entwicklung der Gesundheitsregion Lausitz ist eine enge Kooperation für beide Seiten von Vorteil. Mit dem Ausbau des Bahnwerks in Cottbus, der Kathodenfabrik am BASF-Standort in Schwarzheide und dem Gründerzentrum Dock 3 in Schwarze Pumpe haben wir bereits wichtige Meilensteine gesetzt. Darauf bauen wir auf und gehen Projekt für Projekt unseren Weg weiter zu einer europäischen Modellregion für den Strukturwandel.« Minister Schmidt: »Die Kooperationsvereinbarung verstetigt und ordnet die enge Zusammenarbeit, die das Land Brandenburg und der Freistaat Sachsen schon seit dem Beginn der Diskussion um den Strukturwandel pflegen. Auch wenn die Landesgrenze quer durch die Lausitz geht: Es bleibt eine Region, die wir nur gemeinsam erfolgreich entwickeln können. Dafür haben wir ab heute eine weitere wichtige Grundlage. Neben der Entwicklung von großflächigen Gewerbe- und Industrieansiedlungen im Industriepark Schwarze Pumpe konnten im Freistaat Sachsen bereits die Ansiedlung des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle und auch von Forschungseinrichtungen wie dem Hydrogen Lab Görlitz und dem Center for Advanced Systems Understanding, kurz CASUS, erreicht werden. Zudem haben wir bereits zahlreiche Projekte auf den Weg gebracht. Darunter sind ein Großforschungszentrum in der Lausitz, das auch in der Wirtschaft zahlreiche gut bezahlte Arbeitsplätze schaffen wird, das Zentrum der Kreislaufwirtschaft CIRCECON sowie Ansätze für den Einsatz batterieelektrischer oder wasserstoffbetriebener Schienenfahrzeuge, zum Beispiel in Görlitz.« Zur Frage eines vorgezogenen Ausstiegs aus der Kohleverstromung erklärten Schneider und Schmidt: »Brandenburg und Sachsen werden sich weiterhin dafür einsetzen, dass bis zum Ausstieg aus der Kohleverstromung und dem damit einhergehenden Verlust zahlreicher Arbeitsplätze in der Lausitz neue Arbeitsplätze in ausreichendem Umfang insbesondere in der Industrie geschaffen werden. Das ist eine Frage von Verlässlichkeit und Vertrauen in politische Zusicherungen.« Brandenburg und Sachsen hatten im Jahr 2017 mit dem »Großräschener Grundsatzpapier« die Weichen für eine einheitliche Strukturentwicklung der Lausitz gelegt. Dabei hatten sie sich auf die fünf Handlungsfelder verständigt: Infrastruktur und öffentliche Fürsorge,Digitalisierung, Innovation, Forschung und Wissenschaft,Wirtschaftsförderung und -entwicklung,Fachkräfteentwicklung und -sicherung,Marketing, Kultur, Kunst und Tourismus Inzwischen läuft der Prozess der Strukturentwicklung in der gesamten Lausitz und bekommt mit der heute unterzeichneten Kooperationsvereinbarung eine feste politische Struktur. Das Format der gemeinsamen Kabinettsitzungen als höchstes Gremium wird verbindlich fortgeführt. Es gibt einen regelmäßigen, quartalsweisen Austausch auf Ministerebene. Die Revierbeauftragten beider Länder stimmen sich ab und die Fördergesellschaften koordinieren gemeinsam die länderübergreifenden Projekte. Zudem werden Brandenburg und Sachsen ein Schaufenster-Format entwickeln, um die Bürgerinnen und Bürger zu informieren und einzubeziehen. Ziele der Kooperationsvereinbarung Die Lausitz soll als Region mit hoher Lebensqualität einheitlich entwickelt werden. Brandenburg und Sachsen bekräftigen in der Kooperationsvereinbarung folgende Ziele für die Lausitz: Entwicklung zu einer europäischen Modellregion für den Strukturwandel Schaffung eines zentralen, europäischen Verflechtungsraums Ausbau einer innovativen und leistungsfähigen Wirtschaftsregion Etablierung einer modernen und nachhaltigen Energieregion Stärkung als moderner Forschungs-, Innovations- und Wissenschaftsstandort und als eine Modellregion für Gesundheit Herausstellung als Region mit hoher Lebensqualität, kultureller, touristischer, sprachlicher, ethnischer sowie sportlicher Vielfalt und intakten Naturräumen. Das im vergangenen Jahr vom Bund verabschiedete Investitionsgesetz für die Kohleregionen unterstützt alle vom Braunkohleausstieg betroffenen Reviere bei der Strukturentwicklung mit insgesamt rund 40 Milliarden Euro. Für das Lausitzer Revier stellt der Bund im Rahmen von drei Förderperioden bis zum Jahr 2038 insgesamt rund 6 Milliarden Euro bereit, wovon ca. 3,6 Milliarden auf das Land Brandenburg und rund 2,4 Milliarden auf den Freistaat Sachsen entfallen. Der Bund selbst unterstützt das Lausitzer Revier noch einmal mit eigenen Maßnahmen zur Strukturentwicklung im Umfang von bis zu 11,18 Milliarden Euro.Brandenburg und Sachsen geben ihrer Zusammenarbeit bei der weiteren Entwicklung der Lausitz einen festen Rahmen. Die Chefin der Brandenburger Staatskanzlei, Ministerin Kathrin Schneider, und Sachsens Staatsminister für Regionalentwicklung, Thomas…

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Wieder kein Adventsfest in Meuro

Meuro. „Wir haben unseren traditionellen Termin mit Blick auf die sich zuspitzende Lage in unserer Region bereits vor der erneut verschärften Eindämmungsverordnung des Landes abgesagt. Wir bedauern dies sehr. Denn unser Adventsfest ist bei den Menschen nicht nur sehr beliebt, sondern symbolisiert für uns auch den Beginn der Vorweihnachtszeit. Und dazu gehört eben auch das gesellige Beieinander auf dem Weihnachtsmarkt. Dies ist zur Zeit aber nicht ratsam“, erklärt Michael Hertel als Vorsitzender des verantwortlichen Dorfclub Meuro e.V. Damit in Meuro dennoch Weihnachtsstimmung aufkam, hatten die Kita Sonnenschein und der Dorfclub die Blautanne auf dem Dorfplatz geschmückt. Die Kita-Kinder brachten dazu „Weihnachtsgeschenke“ im unteren Bereich des Baums an. Den oberen Teil säumen in das neue Jahr Baumkugeln und eine Weihnachtsbeleuchtung. „Wir wünschen allen Kindern und Erwachsenen eine gesegnete  Weihnachtszeit. Bleibt gesund und denkt an eure Mitmenschen“, meint Michael Hertel abschließend. Gleichzeitig bedankt sich der Dorfclub Meuro recht herzlich bei der Meuroer Zweigniederlassung der Palettenservice-Hamburg AG für deren Unterstützung zur Einlagerung der Verkaufshütten. Diese wollte der Verein zum Adventsfest erstmals nutzen. Nun stehen sie immerhin winterfest untergebracht in einer Lagerhalle des Unternehmens.„Wir haben unseren traditionellen Termin mit Blick auf die sich zuspitzende Lage in unserer Region bereits vor der erneut verschärften Eindämmungsverordnung des Landes abgesagt. Wir bedauern dies sehr. Denn unser Adventsfest ist bei den Menschen…

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