Gleichschritt & Filzhutmaske -Einführung des Wehrunterrichts

Die WochenKurier-Kolumne von Dr. Peter Lewandrowski

Cottbuser Geschichten. - Vor 40 Jahren -

Über die DDR-Schule ist in den vergangenen drei Jahrzehnten viel gesagt und geschrieben worden. Es war eine Einheitsschule. Alle Kinder des Landes besuchten die Klassen 1 bis 10. Eine Trennung nach der 4. bzw. 6. Klasse entsprechend der Bildungs­nähe oder des Geldbeutels der Eltern gab es nicht. Lehrmaterial war preis­günstig und einheitlich. Lehrer hatten ein abgeschlossenes Studium. Und die Ferienspielgruppen konnten für 10 Pfennig pro Nase ins Friedrich-Lud­wig-Jahn-Schwimmstadion gehen.

Na­türlich gab es dunkle Seiten. Die poli­tische Indoktrination und die fast all­gegenwärtige Propaganda übertrugen den Zwang, sich öffentlich zum sozi­alistischen Staat zu bekennen, schon auf die Schuljugend. Ein besonderes Kapitel ist dabei die Wehrerziehung. Die Überbetonung alles Militärischen lastete auf dem Land. Dabei war nach zwei Weltkriegen die Begeisterung für den Dienst »bei der Fahne« bei Jugendlichen vergleichsweise gering. Militärische Berufe besaßen kein ho­hes Ansehen. Die Gewinnung von Offiziersbewerbern (BOB) und Unteroffiziersbe­werbern (BUB) war ein stän­diger Krampf, mit höchstem Aufwand betrieben. Von den frühen Formen der Wehrer­ziehung, den Wehrsportgruppen der FDJ und der Kadettenschule in Naumburg, führte der Weg zur Ge­sellschaft für Sport und Technik, zum Manöver »Schneeflocke« und zu den Hans-Beimler-Wettkämpfen. Vom Bummi bis zur Jungen Welt: Die Ar­mee war immer dabei.

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Im heutigen Spreeauenpark, neben dem Parkcafé, befand sich der Be­zirkspionierpark. Dazu gehörte eine Sturmbahn, flankiert von T 34 und JAK 15. Dort bekamen die Cottbuser Schulen Termine für Wettkämpfe. Das alles war zu diesem Zeitpunkt freiwil­lig. Nach der Aufgabenstellung von Verteidigungsminister Hoffmann je­doch sollten »... die jungen Menschen den Imperialismus nicht schlechthin als System ablehnen und hassen, son­dern diesen Hass vor allem auch ge­gen all jene richten, die ... zum Angriff bereitstehen.« Davon war man Mitte der Siebzigerjahre jedoch weit ent­fernt. In Cottbus sahen fast alle Kin­der auch das Westfernsehen. Und in den letzten DDR-Jahren konnte man darüber sogar offen reden. Die Sesam­straße und Käptn Future waren für die Wehrbereitschaft jedoch nicht för­derlich. In den anderen sozialistischen Ländern gab es längst den obligatori­schen Wehrkundeunterricht.

 Vor 40 Jahren, im September 1978, wurde er auch in der DDR eingeführt. Da man mit Protesten der Eltern, der Kirchen und Angriffen der westlichen Medien rechnen musste, sollte das neue Fach »nicht geheim, aber ohne jeglichen propagandistischen Aufwand« in die Schulen kommen. Im Februar 1978 erschien die »Direktive des Ministeri­ums für Volksbildung zur Einführung und Gestaltung des Wehrunterrichts an den allgemeinbilden­den polytechnischen Oberschulen«, ohne Abdruck in den »Verfügungen und Mitteilungen« des Ministeriums. Auch in den Berichten der Lausitzer Rundschau über die Vorbereitung des neuen Schuljahres und die Volksbil­dungsaktivtagung gibt es keinen Hin­weis auf das neue Fach.

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Im September 1978 begann dann auch an den Cottbuser Schulen der Wehrkundeunterricht in der Klasse 9. In den vier Doppelstunden pro Schul­jahr wurde militärisches Grundwissen in der Regel von Reserveoffizieren ge­lehrt. Zum Programm gehörten Tage der Wehrbereitschaft, ein zweiwöchi­ges Wehrlager und für die Mädchen ein Lehrgang für Zivilverteidigung. Ein wahres Spitzenerzeugnis der DDR-Lehrmittelproduktion war das Lehrbuch Zivilverteidigung Klasse 9. Fast schon gespenstisch klingt heute: »Das wirksamste Atemschutzmittel vor radioaktivem Staub, chemischen Kampfstoffen und biologischen Kampfmittel ist die Bevölkerungs­schutzmaske.« Aber auch mit einfa­chen Mitteln könne man wirksamen Schutz erreichen. »Das dazu benötigte Material ist in nahezu jedem Haushalt zu finden. Das beste Material ist Filz. Aber auch Molton (Windelzwischen­einlagen), Flanell … und Bettlaken eig­nen sich zur Herstellung von Atem­schutzmitteln.« Die Kontrollaufgabe dazu lautete: »Erläutern Sie die Her­stellung einer Filzhutmaske!« Letzte Konsequenz daraus: Ein Nuklearkrieg ist führbar!

Anfang November 1989 dann das Aus: Bei seiner ersten Pressekonfe­renz verkündete der neue Volksbil­dungsminister Günther Fuchs erste Schritte zur Demokratisierung der Schule: »Zu den bereits beschlosse­nen Maßnahmen gehört, dass der Wehrunterricht nicht mehr erteilt und die Tage der Wehrbereitschaft sowie die Wehrausbildung im Lager nicht mehr durchgeführt werden.«

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