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Der „Schwarze Tod“ in Brandenburg

Die WochenKurier-Kolumne von Dr. Peter Lewandrowski

Cottbuser Geschichten. Bis zum Durchbruch der Medikalisierung in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Kontinent Europa regelmäßig von Epidemien durchzogen. Das entsetzlichste Beispiel ist der „Schwarze Tod“ im 14. Jahrhundert. Die große Pestpandemie, die „pestilencia maxima“, in den Chroniken als „ein grot sterven“, als „de grote dod“ bezeichnet, hatte Bevölkerungsverluste bis zu 70% zur Folge. In einigen Regionen waren diese Verluste erst 400 Jahre später ausgeglichen.

In Cottbus waren die Folgen der Epidemien schlimmer als die der großen Stadtbrände und der Belagerungen oder Plünderungen durch Hussiten und Kaiserliche. Mehrmals wurde die Hälfte der Einwohnerschaft dahingerafft. Johann Friedrich Beuch nannte eine bedrohliche Jahreszahlenfolge: 1514, 1521, 1542, 1552, 1567, 1585 und 1612 richteten Epidemien in unserer Stadt großes Unglück an.
Die letzte große Pestwelle trat in Cottbus nach dem Durchzug der Wallensteinschen Truppen 1626 auf. Sie forderte zwei Drittel der Stadtbevölkerung als Opfer. Beuch stellte für die Zeit danach erleichtert fest: „Cottbus ist also, Gott sey Dank: von anno 1626 von der würkl. Pest bisher gäntzlich verschonet geblieben, der Höchste halte ferner über unsere Stadt seine waltende Gnaden Hand!“

Die Pest hat mehr als jede andere Krankheit die Entwicklung der Welt beeinflusst. Nach der große Pestpandemie im 14. Jahrhundert, die durch Schiffsratten aus dem Osten über Venedig nach Europa kam, zog die Seuche bis zum 18. Jahrhundert zehn Mal durch den Kontinent. Dadurch gingen Staaten unter und auf der Suche nach Schuldigen wurden grausame Pogrome abgehalten.  Allerdings ist sie auch der Ausgangspunkt für Hygiene und Stadtreinigung. Heute ist die Pest zwar nicht ausgerottet, verlor aber nach der Entdeckung des Pest-Erregers Yersinia pestis 1894 und der Einführung von Antibiotika ihren Schrecken. Lange war unklar, ob es sich bei den Epidemien tatsächlich um die Krankheit Pest handelte oder ob hier der Begriff Pest nur als Oberbegriff auch für andere Seuchen genutzt wurde. DNA-Analysen von Opfern der spätantiken Justinianischen Pest ergaben nun, dass es sich damals tatsächlich um den Erreger Yersinia pestis handelte.
Im Jahr 1516, vor 500 Jahren, wütete die Krankheit in Frankfurt (Oder). Dort hatte der weitsichtige Kurfürst Joachim I. 1506 die Brandenburgische Universität gründen lassen. An dieser ersten Hochschule des Landes studierten bis zu ihrer Auflösung 1811 viele  Cottbuser an den vier Fakultäten Theologie, Rechtswissenschaften, Medizin oder Philosophie. Die junge Universität stand gleich nach ihrer Gründung mitten in der Auseinandersetzung zwischen der Papstkirche und dem Reformator Martin Luther. Sie schlug sich zunächst auf die Seite des Ablasspredigers Tetzel. Die Gegenthesen zu Luther entstanden hier.
Zehn Jahre nach der feierlichen Eröffnung durch Kurfürst Joachim I. wurde die Universität wegen der Pestgefahr von August 1516 bis Ostern 1517 nach Cottbus verlegt.
Auf Cottbus fiel die Wahl sicherlich wegen der günstigen baulichen Verhältnisse. Das Franziskanerkloster, um die heutige Klosterkirche herum gelegen, war im Jahr 1503 Gastgeber eines großen, internationalen Konvents gewesen. „700 Franziskaner“, auch „aus denen Italienischen Provinzen“ berieten hier vermutlich über die „schweren Geldforderungen des Papstes Julius“. Die Baulichkeiten für die Tagung und die Unterbringung der Mönche sind für den provisorischen Universitätsbetrieb nachgenutzt worden. Über die Gebäude des Franziskanerkloster ist bis auf die Klosterkirche kaum etwas bekannt. Der Campus der Uni befand sich vermutlich vor der heutigen Kirche, denn der Klosterplatz war der Friedhof der Franziskaner.

Allerdings kam Cottbus bei der großen Pestepidemie nicht davon. Fünf Jahre nach der zeitweiligen Universitätsverlegung hielt der „Schwarze Tod“ hier Einzug. Die Anzahl der Todesfälle war so hoch, dass die Gottesäcker um die Oberkirche und die Katharinenkapelle (jetzt Synagoge) nicht mehr ausreichten. Um die heutige Rudolf-Breitscheid-Straße musste der erste große städtische Begräbnisplatz außerhalb der Stadtmauern angelegt werden. Hier stand seit dem 17. Jahrhundert die Begräbniskapelle „Zur heiligen Pforte“. In der Nähe – unweit des heutigen Weltspiegels - befand sich übrigens der städtische Galgenberg, die Hinrichtungsstätte von Cottbus.

P.S. Die Tatsache, dass vor 500 Jahren kurzzeitig eine Brandenburgische Universität Cottbus-Frankfurt (Oder) existierte, ist ein historischer Fakt, der ausschließlich der epidemiologischen Situation geschuldet war. Die Ereignisse vor einem halben Jahrtausend sind keine Anleitung für fusionsfreudige Potsdamer Behörden!

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