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Cottbus schaut auf den Platz des Himmlischen Friedens

Cottbuser Geschichten · Vor 30 Jahren

Cottbuser Geschichten. Die WochenKurier-Kolumne von Dr. Peter Lewandrowski

Im Frühling 1989 hörten die Cottbuser mit Erstaunen von den immer dramatischer werdenden Ereignissen auf dem Pekinger Tian’anmen-Platz, dem Platz des Himmlischen Friedens. Was war über das Reich der Mitte bekannt? In den Fünfzigern wurde Mao gefeiert. Als dieser zur Sowjetunion auf Distanz ging, rückte auch die DDR von ihm ab. Erst nach Maos Tod kam es wieder zu einer Annäherung. Man wusste hier von der Kulturrevolution, von grenzenlosem Personenkult und vom militärischen Konflikt am sowjetisch-chinesischen Grenzfluss Ussuri. Touristenreisen nach China gab es nicht. Vom Platz des Himmlischen Friedens hatte man höchstens wage Vorstellungen.
Nun hatten die Cottbuser im Frühjahr 1989 genug mit den eigenen Problemen zu tun. Die Anzeige der Umweltgruppe wegen der aufgedeckten Wahlfälschung sprach sich langsam herum. Die Versorgungsprobleme nahmen zu. Die Zahl der Ausreiseanträge wuchs. Immer mehr Menschen sagten immer lauter, dass sie genug davon hatten, abends nach einem wackeligen Einkaufswagen anzustehen und dann in den Hauptnachrichten vom grandiosen 1-Megabit-Chip und den anderen Produktionserfolgen zu hören.

Die DDR-Medien schweigen zuerst

Über China und den Platz des Himmlischen Friedens regten sich die Gemüter zuerst wohl deshalb auf, weil das Westfernsehen über die dramatischen Ereignisse ausführlich berichtete und die einheimischen Medien wie so oft schwiegen.

Was war im kommunistischen China geschehen? Der Tod des gestürzten KP-Generalsekretärs Hu Yaobang war Auslöser von Studentenunruhen. Die liberale Wirtschaftspolitik hatte in dem ehemals extrem gleichmacherischen Wirtschaftssystem dazu geführt, dass es nun Gewinner und Verlierer gab. Der relativ freien Wirtschaft stand die politische Alleinherrschaft der KP gegenüber. Dagegen protestierten die Studenten. Um einen Dialog mit der Führung einzuleiten, besetzten Studenten im April den zentralen Platz und traten in den Hungerstreik. Der Besuch von Michael Gorbatschow, von den Studenten als Reformer gefeiert, sorgte für die Anwesenheit der internationalen Presse.
Erst einen Monat nach Beginn der Unruhen gab es am 16. Mai im Zentralorgan Neues Deutschland einen ersten Bericht. Zu diesem Zeitpunkt waren in einer Zeltstadt auf dem Platz schon nahezu eine Million Menschen versammelt. Ein landesweiter Vorlesungsstreik lähmte Die Volksrepublik China. Die Forderungen der Studenten nach Meinungs- und Pressefreiheit sprangen auf die Betriebe über. Das ND zitierte die Aufforderung der chinesischen Regierung, den Hungerstreik zu beenden.

Jetzt meldet sich auch die LR

In der Lausitzer Rundschau erfahren die Leser dann am 18. Mai erstmals von den Pekinger Vorgängen: »Hunderttausende Menschen haben sich Hsinhua zufolge am Mittwoch auf dem Tian‘anmen-Platz im Zentrum der chinesischen Hauptstadt versammelt, wo sich mehr als 3?000 Studenten bereits seit fünf Tagen im Hungerstreik befinden. Es sei unmöglich, die genaue Zahl der Demonstranten zu beziffern.« Von dem am 18. Mai verhängten Ausnahmezustand erfuhren die Cottbuser vier Tage später. Meldungen über den Einmarsch von Armee-Einheiten in das Stadtzentrum hätten sich als falsch erwiesen.
Trotzdem war niemand überrascht, als die Bezirkszeitung dann am 5. Juni mitteilte, was die Meisten aus der „Tagesschau« schon wussten: »Volksbefreiungsarmee räumte Tian‘anmen-Platz«. Die in der LR eingerahmte Erklärung der Volkskammer klang wie eine Warnung: Die »Volksmacht« hätte sich gezwungen gesehen, »Ordnung und Sicherheit unter Einsatz bewaffneter Kräfte wiederherzustellen.« Und weiter: »Dabei sind bedauerlicherweise Zahlreiche Verletzte und auch Tote zu beklagen.« Die Opferzahlen wurden von den DDR-Medien beschönigt, ebenso wie sie von den westlichen Medien bis heute übertrieben werden.

Die Umweltgruppe Cottbus protestiert

Zu dieser Erklärung regte sich in Cottbus Widerstand. Im Namen der Umweltgruppe Cottbus protestierte Peter Model beim CDU-Vorsitzenden Gerald Götting: »Mit Anteilnahme haben wir die Ereignisse in der VR China verfolgt. Die friedlichen Demonstrationen und die beharrlich angestrebten politischen Lösungen waren für uns ein Zeichen der Hoffnung für weltweit wirksame friedliche Konfliktlösungen. Wir sind bestürzt darüber, dass schließlich gewaltsame Mittel eingesetzt wurden, bei denen zahlreiche wehrlose Menschen verletzt und getötet wurden. In der Volkskammererklärung hat auch die CDU-Fraktion die Vernichtung von Menschenleben als politisches Mittel gebilligt. Wir hätten von Ihrer Fraktion eine eindeutige Ablehnung gewaltsamer Mittel erwartet. Durch die Erklärung sehen wir die Friedenspolitik der DDR grundsätzlich in Frage gestellt. Wir sehen in der Haltung der CDU eine Missachtung christlicher Grundsätze.«

Aber auch auf der Straße blieb es nicht still. Die chinesische Armee war gegen Unbewaffnete mit Panzern vorgegangen. Die DDR-Führung hatte das begrüßt. Darüber sprach man in der Pause bei den Näherinnen im TKC und in der Kneipe der Kleingartenanlage »Fleißige Hand«. Dass in Peking westliche Journalisten, sogenannte NGOs und Geheimdienste die legitimen Studentenproteste befeuert hatten, spielte bei der Beurteilung damals noch keine Rolle. Das Unbehagen wuchs.

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