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»Ich kämpfe für die Kraft der Innenstadt«

Großenhain. Die Einzelhändler ächzen unter den Einschränkungen und enormen Belastungen, die der Lockdown mit sich bringt. Wir sprachen über die Lage in Großenhain mit dem Innenstadtmanager Alexander Ehrke.

Die derzeitige Situation in der Großenhainer Innenstadt ist schwierig, wo sehen sie größten Gefahren der aktuellen Situation für die Händler?

Nicht nur bei den Händlern, auch die Gastronomen und Dienstleister sind starken Gefahren ausgesetzt. Leider ist es ein Fakt, dass der Konsum der Bevölkerung in Richtung des Internets abgewandert ist. Amazon und Co. haben das erfolgreichste Jahr der Firmengeschichte hinter sich. Der getätigte Konsum kann nicht in die Stadt zurückfließen, das Haushaltseinkommen kann nur einmal ausgegeben werden. Durch das lange Verbot von sicheren Maßnahmen in Sachsen wie Click&Collect, wurde den Händlern eine einfache Handlungsgrundlage genommen. Natürlich ist C&C kein Ersatz des normalen Geschäftsbetriebes, während Händler in anderen Bundesländern die Chance hatten, etwas zu verkaufen, war dies in Sachsen nur sehr schwer möglich. Die Bundeshilfsprogramme sind aber am Ende für alle gleich. Hier sehe ich eine Ungleichbehandlung. Ähnliches gilt für die Gastronomen und Dienstleister, Reisebranche und Selbstständige, satt wird man eben nur einmal, Urlaub kann man nur einmal im Jahr buchen und in der Zeit des Lockdown wären einige bereits mehrfach beim Friseur gewesen. Durch Geschäftsaufgaben verliert die Innenstadt an Strahlkraft. Jeder Verlust eines Geschäftes, wird beim Nachbargeschäft nicht unbemerkt bleiben. Diesen Effekt spüren jetzt schon die Geschäfte, welche öffnen dürfen.

Wie können Sie als Innenstadtmanager unterstützen?

Informativ, beratend und planend: zukunftsrelevante Themen auf den Tisch bringen, wie geht es danach weiter, in welche Richtung werden wir uns entwickeln, was können wir, was andere nicht können? Außerdem Mut machen und für Gespräche da sein. Durch die vielen, immer neuen Verordnungen herrscht regelmäßig Unsicherheit. Auch die schier endlose Diskussion um Fördermittel war ein prägnanter Punkt. Seit Beginn der Pandemie versuche ich gemeinsam mit unserer Wirtschaftsförderung diese Flut an Informationen zu bündeln und alle Betroffenen zu informieren. Mit guter Information lässt sich aber kein Geschäft am Laufen halten. Darüber hinaus geht es viel um Emotionen und Perspektiven. Frühzeitig haben unser Oberbürgermeister, einige Händler und Dienstleister und nicht zuletzt unsere gemeinsame Schlüsselaktion Großenhain bei der Landespolitik auf den Tisch gebracht. Es ist wichtig zu signalisieren, dass man hinter den Händlern, Gastronomen und Dienstleistern steht. Für eine attraktive Stadt brauchen wir eben genau diese Gesamtheit.

Welche Probleme werden an Sie herangetragen?

Ein äußerst vielfältiges Spektrum. Häufig geht es um die Umsetzung von Verordnungen. Aus diesem Grund haben wir auch den Corona-Newsletter etabliert. Damit versuchen wir, unsere Unternehmen über Förderungen, neue Verordnungen des Landkreises und Freistaates up-to-date zu halten. Jeder Unternehmer konnte und kann sich dazu einfach bei unserem Wirtschaftsförderer oder mir anmelden. Darüber hinaus geht es um Ängste und Sorgen, Hilfestellung bei den Soforthilfen und Ungerechtigkeiten bei Umsetzungen z.B. die zwischen den Bundesländern. Unsere unmittelbare Nähe zu Brandenburg hat in Vergangenheit einige Fragen aufgeworfen. Aktuell fehlt die Perspektive. Durch die zuletzt wieder steigenden Inzidenzwerte schwindet das Verständnis für die Maßnahmen. Das »Licht am Ende des Tunnels« wird gerade etwas dunkler. Durch die kürzlich erschiene Äußerung von unserem Ministerpräsidenten, kann zumindest der Handel etwas aufatmen.

Wie sehen Sie die Perspektive für Großenhain?

Jede Krise bietet auch eine Chance. Für eine finanzielle Sicherheit muss der Staat sorgen. Da sehe ich noch Handlungsbedarf. Perspektivisch wird auch Großenhain nicht von Geschäftsschließungen verschont bleiben. Die dauerhafte Schließung der Geschäfte wird für Unternehmensabmeldungen sorgen oder hat dies bereits getan. Dennoch spüren wir einen merklichen Rückhalt in der Bevölkerung. Unser Stadtgutschein, der »Großenhainer Zehner«, wurde unglaublich gut verkauft. Dieser kann in nahezu allen Geschäften eingelöst werden. Eine sinnvolle Perspektive ist das Öffnen der Geschäfte mit einer Kundenbegrenzung. Ich hoffe unser Ministerpräsident setzt das Meet & Collect auch wie angekündigt um.

Der Rückhalt der Bevölkerung und Ladenöffnungskonzepte werden aber den Wandel der Handelsbranche nicht aufhalten. Es gilt zukunftsfähiger zu werden. Digitalisierung und Erlebniseinkauf sind Schlüsselwörter. Auch unsere Innenstadt wird sich verändern. Diesen Vorgang kann man aber mit geschickten Hilfen und Konzepten begleiten. Mit Abstand am wichtigsten ist aktuell, den Unternehmern eine sinnvolle Perspektive aufzuzeigen. Diese Aufgabe obliegt der Bundes- oder Landesregierung.

Gibt es einen optimistischen Zukunftsblick?

Wenn ich nicht optimistisch in die Zukunft blicken könnte, hätte ich meinen Beruf verfehlt. Beeindruckt bin ich von der Kreativität vieler unserer Unternehmer. So etabliert der eine einen Onlineshopping-Kanal. Dort präsentiert er in kurzen Videos seine neue Ware. Ein weiteres Geschäft bringt mit einer völligen Umgestaltung das Schaufenstershopping ins Rollen. Andere rufen einen Lieferdienst ins Leben oder bauen kurzerhand einen Onlineshop auf und geöffnete Geschäfte verkaufen Produkte von Partnern oder den Großenhainer Zehner. Der Rückhalt der Bürger in Großenhain und die Kreativität der Unternehmer machen mir persönlich Mut, dass die Großenhainer Händler zukunftsfähig bleiben zu können.

Das Interview führte Verena Farrar

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Radweg am Senftenberger See freigegeben

Senftenberg. Insgesamt 430 Fernradwege-Kilometer verlaufen im Landkreis Oberspreewald-Lausitz (OSL). Einige Abschnitte werden seit Herbst 2019 saniert. Jetzt wurde der Radweg am Senftenberger See im Bereich des ehemaligen Schullandheimes »Am alten Wehr« nach einer Frischekur wieder freigegeben. Für die Modernisierungsarbeiten blieb der Radweg im Bereich des ehemaligen Schullandheimes ab Oktober gesperrt. Auf einer Länge von etwa 540 Metern wurde die Asphaltschicht komplett erneuert und Wurzelschutz eingebracht. Bereits im Herbst 2020 wurde ein 630 Meter langer Abschnitt entlang des Campingplatzes Niemtsch erneuert. Der Radweg am Senftenberger See ist Teil der »Seenlandroute«. Laut Siegurd Heinze, Landrat des Landkreises Oberspreewald-Lausitz, setzen sie im Lausitzer Seenland auf Radstrecken - gerade auch aus touristischer Sicht. »Der Inlandstourismus wird weiter stark nachgefragt sein. Radwege sind dabei ein wichtiger Teil«, sagt Heinze und fügt an, dass insgesamt rund elf Millionen Euro in die Modernisierung der Fernradwege fließen. Das Land Brandenburg fördere das Projekt zu 90 Prozent. Weitere Abschnitte in Calau, bei Sedlitz sowie in den Ämtern Altdöbern und Ortrand sollen ab 2022 ebenfalls eine Frischekur erhalten. Laut Martin Wolf, Leiter Infrastruktur beim Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg, soll der Radweg am Senftenberger See zukünftig zum touristischen Radweg Dresden-Berlin gehören. Dieser 150 Kilometer lange Radweg werde zurzeit erarbeitet. Zwei Übernachtungspunkte soll es auf diesem Weg geben. Einer im Norden des Landkreises, im Spreewald. »Der andere könnte hier im einstigen Schullandheim ›Am Alten Wehr‹ sein. Eine Radherberge würde sich hier anbieten«, sagt Wolf und fügt an, dass dies vorerst nur erste Überlegungen sind.Insgesamt 430 Fernradwege-Kilometer verlaufen im Landkreis Oberspreewald-Lausitz (OSL). Einige Abschnitte werden seit Herbst 2019 saniert. Jetzt wurde der Radweg am Senftenberger See im Bereich des ehemaligen Schullandheimes »Am alten Wehr« nach…

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