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»Das wird ein böses Erwachen geben«

Radeberg. Corona, Virus-Mutationen und nun die bundesweite Corona-Notbremse: Die Stimmung in der hiesigen Gastronomie ist mies.

Seit einem knappen halben Jahr liegt die Gastronomie im Rödertal am Boden. Der Dauer-Lockdown zehrt nicht nur gewaltig an den Nerven, sondern auch an den finanziellen Reserven der hiesigen Gastwirte. Wie motiviert man sich, wenn jedwede Öffnungsperspektive fehlt?

Jana Richter gehört der Gasthof Hermsdorf. In diesen pandemischen Zeiten sei sie froh, dass »ich so tolle Stammgäste habe«. Das To-go-Geschäft laufe zufriedenstellend, erklärt sie. Dank ihrer treuen Gäste, die sie unterstützten. Sie habe auch schon mal daran gedacht, aufzuhören. Aber wenn man »wie ich über 25 Jahre in der Gastronomie arbeitet, wirft man seine Existenz nicht so einfach weg«, gibt sie sich kämpferisch. Jana Richter setzt aufs Prinzip Hoffnung: »Corona dauert nicht ewig.«

Wut, Verzweiflung, Existenzangst

Seitdem die bundesweite Corona-Notbremse in Kraft getreten ist, sieht es für die Kneipen und Restaurants weiterhin düster aus.

Wie finster es für die Branche in der Region ausschaut, kann man von Axel Klein erfahren. Der Hauptgeschäftsführer der Dehoga Sachsen erklärt, dass jeder vierte Betrieb vor dem Aus stehe. Rund 25 Prozent beschäftigten sich »ganz konkret« damit, ihren Betrieb aufzugeben, die restlichen 75 Prozent bangten um ihre Existenz. Wut, Verzweiflung, Existenzangst – so sei die Stimmungslage vieler Gastronomen, beschreibt es der Dehoga-Hauptgeschäftsführer. Die Corona-Pandemie treffe sie alle weiter mit voller Wucht. Und die versprochenen November- und Dezemberhilfen reichten bei Weitem nicht aus, so Klein weiter. Nun setzen viele auf die Überbrückungshilfe III.

Mario Friedrich ist der Besitzer des Radeberger Restaurants »Pechhütte«. In den vergangenen Monaten habe er Phasen gehabt, da sei es für ihn schwer gewesen, sich fürs Weitermachen zu motivieren. Doch seine Familie habe ihn immer wieder aufgebaut, ihm den Rücken gestärkt. Friedrich: »In solchen Zeiten lernt man die Familie schätzen.« Trotz allem: Er versucht optimistisch zu bleiben. In diesem April habe er die Gaststätte zehn Jahre, dieses Jubiläum wolle er auf jeden Fall feiern, wenn es wieder möglich ist.

Hoffen auf den Sommer

Im Wachauer Erbgericht versuchte man in den vergangenen Monaten, das Beste aus der misslichen Lage zu machen. »Wir haben unser Gasthaus von oben bis unten renoviert«, erzählt Birgitt Göpner. Gemeinsam mit ihrem Mann Torsten, dem das Gasthaus gehört, hofft das Ehepaar auf den Sommer. »Wäre toll, wenn wir dann endlich öffnen könnten.« Dann sollte es doch wieder in vielen Bereichen ein halbwegs normales Leben geben. Auch in der Gastronomie? Sie wünsche es sich sehr. Allerdings glaube sie, dass es in der Branche nach Corona »ganz grauenhaft« aussehen werde. »Das wird ein böses Erwachen geben«, fürchtet die Wachauerin. Da werde es eine noch nie dagewesene Insolvenzwelle geben, in der Region wohl nur wenige Gaststätten und Restaurants überleben, glaubt Birgitt Göpner. Und das Wachauer Erbgericht? Bisher sei man einigermaßen durch die Krise gekommen, so Birgitt Göpner, die sich nichts sehnlicher wünscht als im Sommer wieder Gäste bewirten zu können.

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