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Trotz Corona viel erreicht

Weißwasser. Das Jahr 2020 lief für die Waldeisenbahn nicht wie geplant, trotzdem wurde einiges erreicht. Da wären beispielsweise die Gleis- und Bahnsteigsanierung in Kromlau, eine neue Website und die Beschaffung von halboffenen Wagen für die Tour zum Schweren Berg. Aktuell arbeitet man daran, sich für die Zukunft gut aufzustellen.

Das Jubiläumsjahr 2020 war für die Waldeisenbahn Muskau (WEM) coronabedingt kein leichtes. 125 Jahre wurde die Waldeisenbahn alt. Die mit zwei Jahren Vorlauf geplanten Events zur Feier des Geburtstags mussten aber größtenteils abgesagt werden. In der ersten Jahreshälfte ging coronabedingt nichts. Immerhin konnte der Höhepunkt, das Festwochenende im September, stattfinden. Wenn auch mit Einschränkungen. Die Saison endete auch früher als üblich. Im Oktober war Schluss, 40.000 Fahrgäste hatte die Waldeisenbahn bis dahin befördert. Weihnachtsmannfahrten und Glühwein-Züge zu Neujahr fielen ebenfalls aus. Ob es dieses Jahr besser läuft, steht aktuell in den Sternen, denn wie sich die Corona-Pandemie im Laufe des Jahres entwickelt, kann niemand genau sagen.

Ob Ostern gefahren werden kann, war lange unklar. Die alte Corona-Schutzverordnung galt bis 31. März. Man musste erst die neue abwarten.  Mittwoch stand dann fest: Ostern wird es 2021 keinen Fahrbetrieb geben. »Schweren Herzens muss damit der Saisonbeginn auf den 1. Mai verschoben werden. Bleibt zu hoffen, dass sich die allgemeine Lage bis dahin entspannt und keine weitere Verschiebung notwendig wird«, so Geschäftsführer Heiko Lichnok.

Der Weg in die Zukunft

Den Strukturwandel will man bei der Waldeisenbahn für eine Neuaufstellung als zentrales touristisches Element im Unesco-Geopark Muskauer Faltenbogen nutzen. Dazu wurden im Herbst eine Arbeitsgruppe gegründet, in der Vertreter der kommunalen Gesellschafter, des Vereins WEM e.V. und des Geoparks Muskauer Faltenbogen an der Zukunft der Waldeisenbahn arbeiten. Inzwischen wurden bereits Strukturmittel beantragt um die Infrastruktur und das Serviceangebot ausbauen zu können. Über das Projekt sollen rund 16 Kilometer schmalspurige Bahnstrecke mit sechs Bahnhöfen, drei Haltepunkten und 36 Bahnübergängen instandgesetzt und nachhaltig aufgewertet werden.  Außerdem ist eine Digitalisierung von Anlagen und Prozessen geplant.  So sollen nicht nur die neun Arbeitsplätze bei der Waldeisenbahn gesichert, sondern auch drei neue geschaffen werden.

Zertifikat und Dächer

Trotz aller coronabedingten Schwierigkeiten wurde in den vergangenen Wochen und Monaten einiges erreicht. So gab es im Oktober eine gute Nachricht für die Waldeisenbahner. Unter dem Motto „Kinder willkommen“ zertifiziert die Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen seit über zehn Jahren Freizeiteinrichtungen mit dem Zertifikat „Familienurlaub in Sachsen“. Seit Oktober 2020 gehört auch die Waldeisenbahn Muskau zur Familie.  Ausschlaggebende Kriterien für eine positive Punktebewertung waren unter anderem die Kinder- bzw. Familienkarten, der barrierefrei erreichbare Still- und Wickelbereich, das Kids-Menü und Spielecke im Imbiss, der Abenteuerspielplatz „Räuberbahnhof“ und die kostenfreie Mitnahme von Kinderwagen. Und natürlich hat die Waldeisenbahn auch Veranstaltungen mit Mitmachangeboten für die kleinen Fahrgäste im Angebot. Dazu gehören zum Beispiel die Mondscheinfahrt für Kinder oder die Weihnachtsmannfahrten. 

Seit der Inbetriebnahme der Tonbahn-Strecke zum Aussichtsturm am „Schweren Berg“ war der Bedarf an halboffenen Wagen stark angestiegen. Nicht selten mussten die Gäste auf dieser Strecke aus Mangel an solchen Wagen „offen“ reisen und waren damit uneingeschränkt der Sonne und den Regenschauern ausgesetzt. Seit Juli 2020 wurden fünf offene Personenwagen (ehemalige Wagen zum Tontransport) schrittweise bei einer regionalen Stahlbaufirma mit einem Dach ausgestattet. Die ersten drei dieser Wagen konnten noch zum Jubiläumswochenende im September 2020 erprobt werden und haben sich auf Anhieb bestens bewährt. Die übrigen zwei Wagen konnten dann noch bis zum Jahresende fertiggestellt werden. 

Gleis- und Bahnsteigsanierung

Auch am Bahnhof in Kromlau hat sich im vergangenen Jahr einiges getan. Mit der Eröffnung der wiederaufgebauten Strecke zum Kromlauer Park im Juni 1992 ging auch gleichzeitig der dort neu angelegte Endpunkt, der Bahnhof Kromlau, in Betrieb. Die Errichtung der Gleisanlagen erfolgte damals unter Regie des Landkreises Weißwasser im Rahmen von Arbeitsbeschaffungs-Maßnahmen. Für den Bau der Gleise und Bahnsteige wurde meist gebrauchtes Material verwendet, welches vorher bei sillgelegten Bahnstrecken abgebaut werden musste. Die Jahrzehnte des Betriebes und der Einfluss von Wind und Wetter haben ihre Spuren hinterlassen. Die Gleise und Bahnsteige bedurften längst einer Sanierung. Vor allem die hölzernen Gleisschwellen wurden im Laufe der Zeit morsch und verloren ihren Halt.

In einem ersten Bauabschnitt gelang im Jahr 2015 die Erneuerung von zwei Gleisen, die damals am stärksten von Mängeln betroffen waren. Dank einer Förderung des Freistaates Sachsen konnte im vergangenen Jahr nun auch die Sanierung der übrigen Bahnhofsanlage in Angriff genommen werden. Neben der Erneuerung des Bahnsteiges 1, des Gleises 1 und von zwei Weichen erfolgte ab November 2020 auch die lange schon notwendige Vergrößerung der Bahnsteiglänge. Dazu wurde die Einfahrweiche des Bahnhofes um etwa 8 Meter in Richtung Weißwasser verlegt. Mit dieser Maßnahme wird dem stetig gewachsenen Fahrgastaufkommen der letzten Jahre Rechnung getragen. Seit der Fertigstellung der Anlage nach vier Wochen Bauzeit können nun Züge mit bis zu zehn Wagen sicher in den Bahnhof einfahren. 

Internetpräsenz und Sanierungsarbeiten

Pünktlich zur Saison 2021 ist die neue Internetpräsenz der Waldeisenbahn Muskau online. Neben einer neuen, zeitgemäßen Gestaltung ist sie jetzt auch für mobile Endgeräte optimiert und verfügt über ein Shop-System. Darüber sind zukünftig nicht nur Souvenirartikel erhältlich, sondern auch Tickets für Sonderveranstaltungen. So können unter www.waldeisenbahn.de ab sofort Fahrkarten für die Züge auf der Tonbahn sowie für Mondschein- und bald auch für die Weihnachtsmannfahrten erworben werden.

Die Arbeiten am Bahnhof Teichstraße werden im Frühling ebenfalls abgeschlossen. Unter Regie der Stadt Weißwasser und des Vereins der Waldeisenbahn werden dort seit 2019 die Außenanlagen neu gestaltet und Gebäude saniert. Während die Aufwertung von Anlagen im Feldbahndepot und die Sanierung des Vereinsgebäudes schon länger abgeschlossen waren, wurde im Herbst der historische Lokschuppen mit einer neuen Innenverkleidung versehen. Außerdem werden seit Mitte vergangenen Jahres zehn unter Denkmalschutz stehende Kipploren der Reihe 09, die früher bei der WEM für den Tontransport zum Einsatz kamen, vorbildgerecht restauriert. Darüber hinaus erhält die Freiluftausstellung für die historischen Museumsfahrzeuge ein neues Wetterschutzdach.  Parallel dazu erfolgen seit Herbst im Bereich des Museumsbahnhofes „Anlage Mitte“ in Weißwasser Gleisreparaturen und Fassadeninstandsetzungen an den Gebäuden. 

Ein Stück Lausitzer Technikgeschichte

Seit dem Frühjahr 2017 arbeitet der Waldbahn-Verein an einem langfristigen Ziel: Die betriebsfähige Aufarbeitung einer Feldbahndampflokomotive der Type Hilax. Die denkmalgeschützte, über 80 Jahre alte Lok gelangte 1998 zur Waldeisenbahn Muskau und war seitdem als rollfähiges Ausstellungsstück im Museumsbahnhof Anlage Mitte ausgestellt. Sie soll aber wieder im Museumsbetrieb auf den Strecken der Waldeisenbahn eingesetzt werden können. Im Rahmen der notwendigen Hauptinstandsetzung soll die Lok optisch in den letzten Einsatzzustand um 1970 zurückversetzt werden. In mehr als 2.000 Arbeitsstunden wurden in eigener Werkstatt bereits fehlende Baugruppen wie Fenster und Puffer neu angefertigt, sowie fast alle Armaturen und die komplette Bremsanlage aufgearbeitet. Ersatzteile sind nicht mehr erhältlich und müssen nach Original-Zeichnungen aus Archiven oder nach Muster angefertigt werden.

Nicht alle notwendigen Arbeiten können in eigener Werkstatt ausgeführt werden. Am 17. November 2020 verließ die Lok ihre heimischen Gleise in Weißwasser in Richtung Zamberk (Tschechische Republik). In der dortigen Lokwerkstatt soll in den kommenden zwei Jahren die betriebsfähige Restauration der Hilax abgeschlossen werden. Zur Finanzierung der Reparaturen des Kessels und von Teilen des Fahrwerkes wurde eine Spendenaktion ins Leben gerufen, denn diese Arbeiten müssen in zugelassenen Fachwerkstätten erfolgen. Zahlreiche Spender haben bereits einen Beitrag für das Projekt geleistet. Doch es fehlen noch rund 70.000 Euro. Wer die Restaurierung der Dampflok mit einer zweckgebundenen Spende unterstützen möchte, kann folgende Kontoverbindung nutzen:

Spendenkonto Waldeisenbahn Muskau e.V.

Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien

IBAN: DE 40 8505 0100 0070 0179 64

BIC: WELADED1GRL 

Verwendungszweck „Spende Hilax“

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