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Wohin mit Sarrasani?

Dresden. Pleiten, Pech und Pannen oder Drama mit Ansage? Aufbau und Abbauverfügung für das grüne Varietézelt von André Sarrasani sorgen seit über einer Woche für Schlagzeilen.

Ist es nun ein Schwarzbau? Oder nur ein großes Missverständnis? War am Ende sogar alles vorhersehbar? Und vor allem: Wohin nun mit dem Trocadero Dinner Varietézelt von André Sarrasani?

Zumindest diese letzte Frage war Stand Montagmittag noch offen. Antworten auf die anderen Fragen zu finden ist möglich, aber je nach Sicht schwierig bis konträr.

Stadt: Zeltaufbau wird nicht genehmigt

Zunächst die Fakten: In der ersten Februarwoche lud der Magier die Dresdner Medien an die Elbwiese hinter dem Internationalen Congress Center ein, um vor Ort seinen neuen Standort zu präsentieren. »Die Mietkonditionen bleiben dank des Engagement von ICC und Maritim Hotel so günstig wie im ElbePark«, sagte André Sarrasani damals. Am 5. Oktober nun schlug er symbolisch und medienwirksam den ersten Zeltanker in die Wiese hinter der Marienbrücke. Am 9. Oktober folgte der Baustopp, am 13. Oktober kam das endgültige Aus. Das Bauaufsichtsamt der Stadt begründete es mit der fehlenden Baugenehmigung, die wiederum gar nicht erst beantragt wurde.

Diese Genehmigung sei aber nötig, da das große und die zwei kleineren Zelte mit Containern länger als drei Monate auf dem Areal stehen würden.

Doch die eigentliche Aussage in der Ablehnung lautete: »Für den Standort gibt es den rechtskräftigen Vorhabenbezogenen Bebauungsplan Nr. 602. Festgesetzt sind ein Kongresszentrum mit Kongresssälen, Konferenz- und Sitzungsräumen sowie ein Hotel. Für den Standort der Zelte ist eine Grünfläche ausgewiesen. Die Grünflächen sind als Wiese anzulegen und dauerhaft zu erhalten.«   Wiese bleibt Wiese. Punkt. Eine andere Nutzung ist verboten.

Abgesehen davon zählt das Bauaufsichtsamt weitere Gründe für die Ablehnung auf: Das große Zelt steht zu nah an den Pfeilern der Marienbrücke, zudem im Überschwemmungsgebiet und im Falle eines Brandes sei ein Übergreifen der Flammen auf die Brücke möglich.

Bleibt am Ende die Frage: Warum hat die Stadt nicht schon viel früher an Sarrasani signalisiert: Dieser Standort ist tabu? Antwort: »Mit Herrn Sarrasani haben wir schon zu Beginn des Jahres ein Gespräch geführt. Dabei haben wir ihm mitgeteilt, dass der Standort neben der Marienbrücke nicht genehmigungsfähig ist.« Beigefügt eine Aufstellung, wann die Stadt für welchen der bisher vier Standorte (Elbwiese unterhalb Bellevue, Straßburger Platz, Wiener Straße, Elbepark) eine Baugenehmigung erteilt hat.

Sarrasani: Brauchte bisher keine Baugenehmigung

André Sarrasani ging nach eigener Aussage bisher immer davon aus, dass er diese Genehmigung für den neuen Standort nicht einholen müsste, da das Zelt nur vom 20. November bis 7. Februar bespielt werden sollte – und damit weniger als drei (genehmigungspflichtige) Monate. Was ja aber bei Aufbaubeginn 5. Oktober nicht ganz stimmt und bei all dem Hin und Her auch noch dazu führte, das OB Dirk Hilbert vergangene Woche im Stadtrat eine Art Machtwort sprach.

Am Sonntag, 18. Oktober, nun signalisierte der Magier in einem Statement, dass er das Gelände räumen werde. »Selbstverständlich beugen wir uns dieser final wirkenden Entscheidung der Verwaltung, auch wenn uns deren Entstehung, Begründung und Ausrichtung fragend und traurig zurücklässt.«  Wenn er falsch gehandelt haben sollte, »dann tut uns das leid.« Er habe sich nicht über geltendes Recht hinwegsetzen wollen und ist sich »keines vorsätzlichen Fehlverhaltens bewusst«.

Jedoch bleibe er dabei, dass er sich »zu 100 Prozent analog zum bisherigen gültigen Procedere ähnlicher, ebenfalls vorerst temporärer Zeltaufbauten vergangener Jahre in Dresden« verhalten habe.

Doch Sarrasani wehrt sich auch gegen Dresdens OB: »So sehr wir als Showmenschen in diesen äußerst stressigen Zeiten eine emotionale Überreaktion des Stadtoberhauptes in dieser Sache nachvollziehen können, so sehr verbitte ich mir Angriffe auf meine Person, meine Familie und meine Zunft.« Die Kulturszene habe es derzeit schon schwer genug, sei sie doch »der Kollateralschaden jeglicher Aktionen der Pandemie-Bekämpfung«. Dennoch sei er optimistisch: »Unser Publikum kann sich auf uns verlassen. Schon mein Vater sagte, »der Circus muss spielen. Jetzt und in Zukunft!«

(Carola Pönisch)

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