André Schramm

Obdachlosentreff: Ein Jahr später

Dresden. Als der Obdachlosentreff auf der Wiener Straße eröffnete, gab's viel Hass. Inzwischen ist der abgeschwollen, das erste Jahr Geschichte und Weihnachtsfeier Nr. 3 an der Reihe. Hausbesuch ein Jahr danach.

Der Chef des Hauses ist an diesem Mittwochvormittag selbst aus dem Häuschen. Globetrotter hat drei Riesen-Pakete geschickt: Winterbekleidung, Wanderschuhe und Hosen. Der Ausrüster hat teure Funktionskleidung reingepackt. Manch Teil davon hätte unsereins auch gern im Schrank hängen. Dass wieder jemand einen »dummen Kommentar« unter die Facebook-Bildchen geschrieben hat, hebt Ingolf Knajder nicht (mehr) sonderlich an. »Ich hab ihn einfach gelöscht«, sagt der Vereinschef auf Nachfrage seiner ehrenamtlichen Mitarbeiterin. Man freue sich über jede Unterstützung, egal ob groß oder klein. Die Kleiderkammer jedenfalls sieht ziemlich voll aus. Nachschubprobleme gibt´s offensichtlich nicht. 

Weiter vorn spielen ein paar Besucher Karten, Kaffeegeruch liegt in der Luft. Knajder zeigt auf eine kleingebaute Frau. »Moni« gehört zu den Stammgästen, wie etwa 25 bis 30 weitere jeden Tag. Manchmal, so sagt er,  kämen aber auch Leute aus Richtung Hauptbahnhof, um sich zu duschen und ihre Sachen zu waschen. Danach seien sie auf Nimmerwiedersehen verschwunden.
In seinem Büro stehen gefühlt 500 Duschbäder. Ein Unternehmer hat sie vorbei gebracht, einfach so. Sie kommen in die Geschenketüte, die jeder Gast zur »Weihnachtsfeier für Obdachlose und bedürftige Dresdner« bekommt. Im Verein rechnet man mit 500 Gästen, letztes Jahr waren es knapp 450. 300 Tickets sind schon weg.

Am 11. Dezember, ab 14 Uhr, wird wieder in die BallsportArena Dresden geladen. DJ Happy Vibes und Schlagerstar Linda Feller sorgen für Unterhaltung. Vor dem gemeinsamen Abendessen gibt´s noch eine Runde Bingo. Spieler des HC Elbflorenz wollen sich unter die Gäste mischen. Tischgarnituren und Catering müssen vom Verein gezahlt werden, alles andere wird gesponsert.

Beim Anmeldeprocedere gibt's diesmal eine kleine Neuerung. »Das muss man persönlich machen – in unserer Begegnungsstätte«, sagt Ingolf Knajder. Letztes Jahr war das noch telefonisch möglich. »Wer den ganzen Tag zu Hause ist, der hat auch die Zeit, hier vorbei zu kommen«, schiebt er hinterher. Offenbar hatten sich 2017 ein paar Gäste reingeschmuggelt, die es eigentlich nicht nötig gehabt hätten. Das will man diesmal vermeiden. Knajders Handy klingelt schon wieder oder immer noch? Er geht endlich ran.  Eine Frau aus der Nähe von Rothenburg bietet Übernachtungsmöglichkeiten für Obdachlose und Bedürftige an. »Ich ruf zurück«, sagt er. Seit Juni hat der Verein schon eine Art Außenstelle. In Zirkow auf Rügen wurde ein Einfamilienhaus flott gemacht. Es ist seitdem Urlaubsdomizil für Menschen mit kleinem Budget. Die Ferienwohnung in der Nähe von Binz ist seit dem nahtlos ausgebucht – aktuell bis November 2019.

Knajder muss los. Er hat Spätschicht im Autohaus. Ist der Facebook-Rowdy von früher ruhig geworden? »Mann, das war 2013. Und ja, es war unterste Schublade«, sagt er.

Anmeldung: Begegnungsstätte für Obdachlose und bedürftige Dresdner, Wiener Straße 73, Mo. bis Fr. 9 bis 18 Uhr. Nachweis (Obdachlosigkeit/Hartz 4) ist erforderlich.

https://www.obdachlosenhilfe-dresden.de

 

 

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.

Landrat und Bürgermeister durch Verfassungsschutz informiert

Bautzen. Um die Städte und Gemeinden zu den Plänen für ein rechtsextremes Siedlungsprojekt und  Jugendzentrums zu informieren, hat Landrat Michael Harig am Mittwoch, 1. Juli 2020, zu einer Beratung in das Landratsamt eingeladen. Zu der kurzfristig anberaumten Veranstaltung waren Vertreter des Landesamtes für Verfassungsschutz, Landeskriminalamt, Polizei und Innenministerium vor Ort, um über die Hintergründe des im Landkreis Bautzen geplanten Projektes zu informieren und die Vertreter von Städten und Gemeinden zu sensibilisieren. Durch das Landesamt für Verfassungsschutz wurde die Ankündigung des neurechten Musiker Chris Ares für ein Siedlungsprojekt im Landkreis Bautzen als ernstzunehmend bewertet. Ähnliche Projekte fänden sich im gesamten Bundesgebiet und passten in die Strategie der Bewegung. Die gute Vernetzung des Rechtsmusikers mit dem lokalen Ableger der als rechtsextrem geltenden Gruppierung „Identitäre Bewegung“ sei ein weiterer Hinweis. Anhaltspunkte, in welchen Städten und Gemeinden das in sozialen Medien angekündigte Projekt genau realisiert werden soll, liegen bisher jedoch noch nicht vor. Für das geplante „patriotische  Jugendzentrum“ habe man die Ankündigung registriert, dass dies in der Stadt Bischofswerda vorgesehen sei. Landrat Harig: „Die Beratung war ein wichtiger erster Schritt, um ein rechtsextremes Projekt im Landkreis Bautzen zu verhindern. Wir freuen uns eigentlich über jeden Zuzug in unsere Region – für völkische Siedlungsprojekte, patriotische Jugendzentren und dergleichen, gilt dieses Willkommen jedoch ausdrücklich nicht.“Um die Städte und Gemeinden zu den Plänen für ein rechtsextremes Siedlungsprojekt und  Jugendzentrums zu informieren, hat Landrat Michael Harig am Mittwoch, 1. Juli 2020, zu einer Beratung in das Landratsamt eingeladen. Zu der kurzfristig anberaumten…

weiterlesen