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»Paula on Tour«: Drei Granitfelsen im Sturm

Argentinien/Zeithain. Die Reise von Gabi und Frank Wagner mit dem Paula-Mobil geht weiter...

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Wir befinden uns seit geraumer Zeit in Patagonien, ein Gebiet, das ca. 1.043.000 Quadratkilometer in Argentinien und Chile umfasst. Grob gemeint ist es die Ausdehnung südlich des argentinischen Flusses Rio Colorado und des chilenischen Flusses Rio Bio Bio. Feuerland zählt natürlich ebenso dazu. Eine exakte Abmessung gibt es nicht.

Der Wind fegt hier nahezu ungebremst über die Weiten des kargen Landes, wobei die Bezeichnung „Wind“ in den meisten Fällen stark untertrieben ist. Böen werden so heftig, dass man Schwierigkeiten hat, sich auf den Beinen zu halten. Manche Böen sind so stark, das wir Bedenken haben, das Paula auf allen vier Rädern stehen bleibt. Je südlicher, desto kälter und heftiger gestaltet sich das Ganze. Als andere Reisende uns davon erzählten, haben wir nur innerlich gelächelt und gedacht:“ das wird schon nicht so schlimm sein“… es ist so schlimm!!!! Und es geht gewaltig auf die Nerven.

Wir wollen in den Nationalpark „Torres del Paine“, tief im Süden von Chile. Das macht allerdings nur Sinn, wenn das Wetter mitspielt. Wir beobachten seit geraumer Zeit die Vorhersagen. Samstag und Sonntag ist Sonne angesagt und dazu kein Wind, das ist wie ein Geschenk Gottes in Patagonien, also nix wie los! Freitag am Nachmittag fahren wir in den Park ein. Es ist alles komplett wolkenverhangen und so ein Sturm, das wir Paula penibel genau in den Wind stellen. Wir wären nicht die Ersten, die hier umkippen. Der erste Fotostopp haut uns bald aus den Schuhen. So war das aber nicht geplant…..

Wir finden am Besucherzentrum einen geschützten Platz zwischen Bäumen und Sträuchern und tatsächlich hört gegen Abend der Sturm auf, die Wolken verschwinden und wir sehen, dass wir in Sichtweite des berühmtesten Wahrzeichens, der drei Granittürme, stehen. Klasse.

Fast senkrecht ragen die Türme empor und beherrschen die Landschaft des schönsten Nationalparks Südamerikas. Er wurde bereits 1978 von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt.

Wir erwachen bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein. Besser könnte das Wetter für unser heutiges Vorhaben nun wirklich nicht sein. Start ist 7 Uhr 15, gut gelaunt und guter Dinge. Beschrieben ist der Weg zum „Base del Torres“ auch nicht so schlimm, wie er für uns Flachlandtiroler letztendlich wird. 22 Kilometer, 1.245 Höhenmeter!!!! Wir waren 14 Stunden unterwegs und ich für meinen Teil wäre an mancher Stelle lieber gestorben, als noch einen Meter weiterzulaufen. Aber Jammern hilft hier nicht, denn erstens war es meine Idee und zweitens gibt es keine Alternativen, wie Bergrettung oder so. Selbst der beste Ehemann aller Zeiten, für den mehr als fünfzig Meter laufen schon Landstreicherei sind, hält ohne murren durch. Was habe ich da für eine Wahl….

Der Blick auf die Lagune vor den Granitfelsen ist allerdings unbezahlbar. Man kommt nirgendwo näher an die Felsen heran. Wir sitzen und staunen. Genießen kann man den Ausblick allerdings nur, wenn man ausblendet, wie man den Weg zurück überstehen soll… Wir schaffen es gerade noch vorm Dunkel werden.

Der Muskelkater von Tag eins wächst weiter zu einer Muskelgroßkatze. Jede Bewegung schmerzt bis in die kleine Zehe. Bis auf die Ohren tut einfach alles unerträglich weh, aber egal, es ist wunderschön hier und wir genießen es trotz der Schmerzen. Das 1.810 Quadratkilometer große Schutzgebiet zeigt eine landschaftliche Vielfalt wie aus dem Bilderbuch. Türkisfarbene und azurblaue Seen, grüne Wälder, rauschende Flüsse und einen strahlend blauen, riesigen Gletscher….und wenn dann auch noch Kondore über Allem schweben, von magisch bis kitschig ist alles dabei.

Montag gegen Nachmittag ist dann wieder Schluss mit Lustig. Den einstündigen Weg zum Gletscher müssen wir zwei Mal abbrechen, weil wir gegen den Wind einfach nicht ankommen. Genervt geben wir auf. In der Nacht haben wir das Gefühl, als wären wir auf einer klapprigen Barkasse bei Windstärke zehn, dabei stehen wir schon geschützt zwischen Büschen und Bäumen. Mittwoch verlassen wir den Park und fahren nach Puerto Natales zurück. Seit einiger Zeit reizt uns die Vorstellung die Fähre bis Puerto Yungay durch die Fjorde zu nehmen. Das spart uns den kompletten Weg auf der Panamerikana zurück und auch den unteren Teil der Carretera Austral doppelt zu fahren, da sie eine Stichstraße ist und im Nirgendwo endet. Leider sagen alle unsere Infos, dass sie über Wochen ausgebucht ist, kein Wunder, sie geht nur Mittwoch.

Wir fragen einfach mal im Fährbüro nach und die nette Tante meint, dass wir gegen fünf wiederkommen sollen, vielleicht kommt ja ein Auto nicht, welches eine Passage gebucht hat. Wir kommen gegen drei wieder und stellen uns als drittes Fahrzeug in die Reihe am Fähranleger. Nochmal eine Anfrage im Büro ergibt, dass es sich erst gegen 22 Uhr entscheidet. Wir warten.

22 Uhr wird der Pier wegen Sturm gesperrt, kein Verladen ist möglich und die Fähre verzieht sich zum Schutz in die gegenüber liegende Bucht. Vielleicht gegen Mitternacht ist die Information. Wir warten.

Der Sturm lässt Mitternacht nicht nach, und gegen zwei Uhr nicht und vier Uhr immer noch nicht. Wir warten. Wir wissen ja noch nicht einmal, ob sich das Warten lohnt, aber auf Reisen wird man auch immer ein klein wenig demütig.

Gegen sieben bei der Nachfrage im Büro, bekommen wir ganz unkompliziert und schneller als wir schauen konnten zwei Tickets. Wir können es kaum fassen und zehn Uhr, nach 19 Stunden Wartezeit, stehen wir auf der Fähre und tuckern durch die Fjorde gen Norden.

 

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* Bücher zu vorangegangenen Touren »Südamerika I« und »Westafrika« unter: www.paula-on-tour.de


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