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Paula: Fitz Roy, ewiges Eis und eine neue Kupplung

Argentinien/Zeithain. Unbeschreibliche Naturwunder verursachen ein Wechselbad der Gefühle.

Bilder

Von der Halbinsel Valdes verabschieden wir uns mit vielen schönen Augenblicken im Herzen und unzähligen tollen Bildern im "Kasten". Wir fahren noch ein Stück in Richtung Puerto Madryn, bevor wir zum Übernachten an den Strand fahren. Dort stehen Tina und Bodo aus Berlin, denen wir in Uruguay schon einmal begegnet sind. Abgemacht hätte das nicht besser klappen können…

Wir haben einen schönen Abend miteinander, der ziemlich abrupt durch ein gewaltiges Gewitter über dem Meer beendet wird. Das ist schon beeindruckend.

In großen Schritten fahren wir nach Comodoro Rivadavia. Seit einiger Zeit haben wir ein Problem mit dem Kupplungspedal. Hier wird ganz unkompliziert die Kupplung gewechselt und da wir ein gutes Gefühl haben, lassen wir auch gleich eine große Durchsicht mit dem Wechsel aller Öle machen. Hier treffen wir auch Walter und Susi, die wir aus Deutschland kennen. Sie haben mal wieder ein Problem mit ihrem Sprinter. Das wievielte eigentlich??? Da braucht man schon Nerven.

Wir verlassen die Ruta 3 und fahren die Ruta 26 ins Landesinnere, Richtung Sarmiento. Nach etwa 40 Kilometern tritt das Problem mit dem Pedal wieder auf. Wir fahren in die Werkstatt zurück und der Typ schraubt erneut. Nach einer Stunde sind wir wieder auf der Straße und es läuft gut. Nach 80 Kilometern das Gleiche….. Frank ist nicht bereit erneut umzudrehen und wir erreichen Sarmiento auch mit dem hängenden Pedal.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf wieder einmal holpriger Piste gen Süden auf ins Bergland zu den versteinerten Bäumen. Wir kennen solche Stellen schon von Afrika, aber hier ist alles anders. Die Bäume liegen nicht nur auf dem Boden, nein, man kann sie in den Bergen und Felsen in luftiger Höhe sehen. Einige sind von Wind und Wetter schon sehr schön freigelegt, andere kann man nur erahnen. Das gesamte Gebiet ist voll davon und auf einem kleinen Wanderweg von 2 Kilometern kann man sich kaum satt sehen an so viel Erdgeschichte. Ein vergleichbarer Anblick bietet sich nur an sehr wenigen Orten der Welt.

Versteinerte Wälder sind fossile Wälder, die durch Verkieselung erhalten blieben. Vor etwa 150!!!! Millionen Jahren vergruben Asche und Lava nach mehreren Vulkanausbrüchen zahlreiche Wälder unter sich und schlossen sie luftdicht ein. Dadurch verwandelte sich Holz im Laufe vieler Jahre zu einem steinernen Fossil. Oftmals kann man in ihnen sogar noch die Jahresringe erkennen.

Am Abend finden wir einen schönen Platz am Lago Musters und sitzen mit Walter und Susi am Lagerfeuer.

In wieder großen Schritten fahren wir über Perito Moreno Stadt und Gregores nach Süden. In allen Städten versuchen wir unser Problem mit dem Pedal zu lösen. Ich habe längst aufgehört die Werkstätten zu zählen. Auch der Sprinter muckert wieder. Die beiden drehen um und fahren wieder gen Norden. Das ist keine Option für uns.

Wir sind wieder auf der Ruta 40, der berühmten Panamerikana, unterwegs. Sie gilt als längste Traumstraße der Welt. Dabei ist sie eigentlich keine Straße wie man sich eine Straße vorstellt, sondern ein Netz, ein System aus etwa 48.000 Kilometern. Sie führt mit einigen Lücken von Alaska bis nach Feuerland.

Wir nähern uns dem National Park Los Glaciares, der bereits 1981 in die UNESCO Welterbeliste aufgenommen wurde. Er umfasst 727.000 Hektar und ist einer der meistbesuchten in Argentinien. Der nördliche Teil dieses spektakulären Parks zeigt eines der schönsten Felsmassive, den Monte Fitz Roy. Es ist ein 3.406 Meter hoher Granitberg in den Argentinisch- Chilenischen Anden. Seine Spitzen sind so steil aufragend, das sich kaum der Schnee an ihnen hält. Benannt wurde er nach dem Kapitän von Darwins Forschungsschiff.

Zu sehen ist dies alles nur, wenn der Wettergott mitspielt. Sind Wolken am Himmel, verdecken sie alles und dort wo sonst der Fitz Roy steht ist einfach nur viel Nix. Uns ist der Wettergott wohl gesonnen und wir können uns einige Tage an den Ausmaßen der Massive satt sehen. Wir bewandern einige Teile des Parks und können so die gesamte Schönheit von allen Seiten bestaunen.

Der südliche Teil des National Park Los Glaciares (= die Gletscher) führt uns zum Gletscher Perito Moreno. Das Campo Hiero Sur ist das größte Gletschergebiet der südamerikanischen Anden, der Perito Moreno ist einer der Größten und er ist weltweit der Einzige, der nicht schmilzt!!!

Seine Gletscherzunge endet im Lago Argentino und staut in regelmäßigen Abständen den südlichen Arm des Sees ab. Er ist etwa 30 Kilometer lang und hat eine Fläche von 254 km². Die Gletscherwand selbst ist etwa 70 Meter hoch. Schätzungsweise ist er etwa 18.000 Jahre alt und entstand während des letzen Eiszeitalters. Diese vorher gesammelten Informationen haben uns schon gewaltig beeindruck, aber der Anblick selbst hat uns schier von den Socken gehauen. Diese Schönheit und Urgewalt der Natur zu sehen ist einfach unglaublich. Wir erscheinen angesichts der Zeitgeschichte zum Nichts zu schrumpfen.

Auf wunderbar angelegten Stegen kann man in mehreren Ebenen gegenüber der Gletscherwand von unten bis oben alles inspizieren. Fünf Stunden bestaunen wir stehend, gehend und sitzend diese gewaltigen Ausmaße von weiß bis türkis schimmerndem Eis. Es knackt und knistert mystisch. Bricht ein Teil ab, fällt es krachend in den See. Der Schall erreicht uns erst, wenn es schon im Wasser ist und eine gigantische Welle verursacht. Mit viel Glück und einer Menge Geduld gelingt es uns, einen großen Abbruch auf Video zu bannen.

Wir können uns nur schwer wieder von diesem Naturschauspiel lösen, aber auf uns warten noch viele andere und wir müssen weiter ziehen die Welt zu erkunden.

Bücher zu vorangegangenen Touren »Südamerika I« und »Westafrika« unter: www.paula-on-tour.de

 

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