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Ein Bolzen für »Paula« und Wale für die Seele

Uruguay. Nach einem sechsmonatigem Aufenthalt zu Hause starteten Gabi und Frank Wagner aus Zeithain Ende Oktober zu ihrer 3. Südamerika-Tour:

Bilder

Der ICE bringt uns von Riesa nach Frankfurt und mit LATAM Air geht es über Sao Paulo- Brasilien nach Montevideo-Uruguay. Ziemlich unspektakulär, aber eine Ewigkeit in den viel zu engen Sitzen. Leicht übermüdet, aber glücklich treten wir aus dem Flughafen in gleißendes Sonnenlicht. Unser Fahrer wartet schon und eine Stunde später stehen wir vor Paula. Sie strahlt uns in der Sonne an, scheint sich über unser Wiedersehen zu freuen…..was für ein Empfang! Vier Tage bleiben wir hier, obwohl wir schon am nächsten starten wollten. Der geplante Wechsel der Lager zieht sich, denn wir müssen noch auf einen speziellen Bolzen warten. Aber wir sind umgeben von netten Reisenden, so das dieser verlängerte Stopp ein angenehmer ist. Reisebuchautoren, Wüstenrallyefahrer, Höhenrekordhalter….. die Chemie stimmt, es gibt mächtig viel zu erzählen und so manche Flasche Rotwein muss daran glauben.

Dann geht es endlich los: Die Freude über den Start überwiegt dem Abschiedsschmerz. Die meisten werden wir sowieso irgendwo auf dieser Welt wiedersehen... Die nächsten vier Tage sind reine Fahrtage. Die Ruta 3 muss man schon sehr mögen, um ihr etwas Interessantes abzugewinnen. Es geht immer geradeaus, keinerlei Erhebungen unterbrechen das Bild. Links Farmland, rechts Farmland. Es ist Geburtszeit und Fohlen, Lämmer und Kälber bringen etwas Abwechslung fürs Auge. In Bahia Blanca decken wir uns mit frischem Geld ein. Das kann hier schon mal mehrere Stunden dauern…. Der Wechselkurs ist 1 $ zu 307 Peso. Da hat man beim anschließenden Tanken zu tun, alle Scheine in eine Hand zu bekommen, obwohl der Liter Diesel mit 0,56 Euro nicht gerade hochpreisig ist.

Wir erreichen endlich die Bucht »Golfo Nuevo« bei Puerto Madryn, und schon von der Piste an den Klippen können wir die Wale sehen. Wie riesige Giganten ziehen sie in einer unglaublichen Ruhe und Gelassenheit ihre Runden. Schnell fahren wir an den Strand, packen in Windeseile unsere Fotoausrüstung zusammen und sprinten direkt zum Ufer. Bis auf fünf Meter kommen sie heran, schlagen mit den Flossen, springen aus dem Wasser und pusten Fontänen in die Luft. Bis zu sechzehn Meter lang und vierzig Tonnen schwer können sie werden. Die Mütter schwimmen oft auf dem Rücken und lassen ihre Jungen halb auf dem Bauch liegend ausruhen. Es ist absolut ergreifend und in Gedanken halbiere ich meinen eh schon geringen Plastikverbrauch noch einmal um die Hälfte. Das ist so schützenswert! Erst am Abend, als die Ebbe einsetzt ziehen sie sich aus der Ufernähe zurück. Weiter draußen sehen wir aber bis es dunkel wird immer wieder Wale in die Luft springen (was bei ihren Ausmaßen kaum vorstellbar ist) und riesige Wasserfontänen erzeugen. Voriges Jahr waren wir drei Tage zu spät, die Wale waren schon abgezogen. Die dreitausend Kilometer ein zweites Mal zu fahren hat sich gelohnt: Jetzt sind wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich bin vom bloßen Zuschauen völlig erschöpft. Um dies alles aufzusaugen und zu verarbeiten hat mein Hirn alle Energie verbraucht. Also schnell schlafen, morgen wollen wir wieder den ganzen Tag aufs Meer schauen.

 

Kleine Expedition ins Tierreich

Die Küste Patogoniens ist immens tierreich. Überall leben Wale, Seelöwen, die riesigen Seeelefanten und Pinguine. Bei den Walen unterscheidet man Zahnwale und Bartenwale. Zahnwale ernähren sich in der Regel von Fischen und Pinguinen, während sich die viel größeren Bartenwale mit Plankton und Krill zufriedengeben. Mit ihren Barten wird dies aus dem Meereswasser herausgefiltert. Beide Arten sind vor der Halbinsel Valdes vertreten.

Als Vertreter der Zahnwale ist es hier der Orca oder Schwertwal, der bis zu zehn Meter lang und etwa eine Tonne schwer werden kann. Bei den Bartwalen ist es der so genannte Südkaper, der zwischen 13 und 16 Meter lang wird und ein Gewicht von bis zu 30 bis 40 Tonnen erreichen kann. Vom Südkaper gibt es weltweit nur noch 3.000 Tiere.

 

Bücher zu den vorangegangenen Touren unter: www.paula-on-tour.de

* Die neue Reise zu »Paula« startet


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