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Steile Klippen, Orcas und Elbe Elster…

Zeithain/Uruguay. Die Entdeckungen auf dem Meer bestimmen immer noch die aktuellen Erlebnisse von Gabi und Frank Wagner aus Zeithain. Währe das nicht plötzlich Besuch aus der Heimat...

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Wir verlassen nach zwei Tagen unseren absoluten Hotspot-Platz zum Wale beobachten und fahren über siebzig Kilometer eine ziemlich holprige Piste durch Farmland zum Endpunkt "Punta Ninfas". Hier steht nur ein alter einsamer Leuchtturm, sonst gibt es nur Klippen und soweit das Auge reicht Meer, Meer, Meer.

Es ist sehr windig und wir lugen ganz vorsichtig über die Klippen zum schmalen Kiesstrand. Der ist allerdings circa fünfzig Meter weiter unten. Dort liegen die Seeelefanten und Seelöwen wie tote Fische in der Sonne. Genau die wollen wir sehen, aber wie sollen wir die Steilküste hinunter kommen? Dann sehen wir ein dickes Seil über die Kante hängen und fast gleichzeitig sagen wir: "niemals" !!!!! Nach längerem Betrachten entscheiden wir von " niemals" zu "vielleicht machbar".

Wir packen unsere Fotoausrüstung in einen Rucksack, damit wir die Hände frei haben und wagen den Abstieg. Nach den ersten fünf Metern ist es etwas weniger steil und für unsere altersschwachen, gebrechlichen Knochen wirklich machbar. Unten angekommen können wir natürlich alle Tiere richtig nah beobachten. Sie machen sich auch nichts aus unserer Anwesenheit. Manche schauen uns mit großen Augen an, manche öffnen nicht einmal eines, wenn wir vorbeilaufen, obwohl jeder unserer Schritte im groben Kies laut knirscht. Wir genießen die Zeit in absoluter Einsamkeit und solcher Nähe zu den Tieren. Aber irgendwann können wir den Aufstieg nicht mehr hinauszögern, es beginnt zu dämmern. Mit mehreren Pausen geht es schnaufend wieder hoch. Als wir oben auf allen vieren über die Kante krabbeln sind wir froh, dass wir alleine sind und uns keiner beobachtet.

Nach einer ruhigen Nacht beschließen wir, noch einmal nach unten zu steigen. Das Fotolicht ist besser und vielleicht gibt es ja etwas Neues zu sehen. Orcas sollen manchmal hier gesichtet werden. Das wäre natürlich das absolute Glück. Aber heute sind keine Orcas zu sehen. Am Strand ist alles ruhig. Es sieht aus wie am Vortag und man könnte denken, dass sich keiner von der Stelle bewegt hat. Wären da nicht die frischen und blutenden Verletzungen an der großen Nase des Seeelefantenbullen, die von heftigen Bewegungen über Nacht deuten.

Am Montag sollte unsere Tour gen Süden weiter gehen, aber ich konnte den besten aller Ehemänner überzeugen, noch einmal auf die Halbinsel Valdes zu fahren. Dafür war lediglich ein gutes Mittagessen notwendig. So leicht hatte ich mir das nicht vorgestellt….

Wir stehen in Piramides am Meer, haben noch nicht einmal unser Feierabendbier geöffnet, da kommt ein Unimog gefahren. Schon von Weitem sehen wir deutlich das Kennzeichen EE, für Elbe-Elster. Fred stellt sich neben uns und steigt grinsend aus. "Ick gloobe, ick wohn bei euch um die Ecke", sagt der Berliner und jetzt Wahl-Herzberger. Ich sag ja immer, die Welt ist ein Dorf. Wir haben einen tollen Abend, an dem wir gefühlt eine Gallone Rotwein vernichten.

Für uns geht es am nächsten Morgen zeitig raus. Wir starten kurz nach sechs, damit wir pünktlich zur Flut am Punkt "Punta Caleta" sind. Dort sollen ab und an Orcas zu sehen sein. Hier sind zerklüftete Buchten, die für die Jagd besonders gut geeignet sind. Man sagt allerdings, dass man lediglich an etwa zehn Tagen im Jahr eine gute Gelegenheit dazu hätte. Dafür müssen erst wieder achtzig Kilometer Piste unter die Räder gebracht werden.

Kurz nachdem wir uns mit Fotoapparat und Fernglas bewaffnet in Stellung gebracht haben, sehen wir in der linken Bucht Fontänen nach oben schießen. Genauso wie die Wasserfontänen, schießt bei uns vor Aufregung das Adrenalin ins Blut. Und dann sind auch schon die riesigen schwarzen Finnen zu sehen. Ich kann es kaum glauben, sieben oder acht Orcas halten genau auf uns zu. Sie schießen kreuz und quer durch das Wasser, immer auf der Suche nach etwas Fressbarem. Hier ist weltweit der einzige Platz, wo sie die Technik beherrschen, sich auch von Land die Robben zu holen. Es gibt mehrere Scheinangriffe. Es ist einfach unwirklich, diese Riesen beim Jagen sehen zu dürfen und wir schwanken zwischen "unbedingt sehen " und "nicht sehen wollen", weil es zu grausam ist. Diese Entscheidung wird uns von Seiten der Orcas abgenommen. Es gibt kein Blutbad, jedenfalls kein sichtbares. Etwa eine Stunde sind sie hier vor Ort, dann ziehen sie genauso spektakulär, wie sie gekommen sind, mit hochstehenden schwarzen Finnen und Fontänen in die Luft blasend, durch die Bucht wieder ab. Zurück bleiben eine Handvoll Menschen, die das Grinsen einfach nicht mehr aus dem Gesicht bekommen, so aufregend waren die Jagdszenen. Es dauert lange, bis wieder Bewegung in die Leute kommt. Einige sind einfach wie gelähmt, angesichts des Gesehenen. Die anderen hoffen wohl einfach, dass die imposanten Tiere doch noch einmal zurück kommen. Auch bei uns dauert es, bis wir uns entschließen diesen Ort zu verlassen.

Wir fahren noch Punta Norte an, einen Punkt, an dem die Seeelefanten und Seelöwen am Strand liegen, aber so richtig können die uns nicht mehr vom Hocker reißen, angesichts dessen, was die Orcas gezeigt haben. Trotz dem, das wir an diesem Tag wieder fast zweihundertfünfzig Kilometer Piste gefahren sind, haben wir diese Anstrengung bald vergessen und schauen uns immer und immer wieder unsere tollen Bilder an. Was für ein Tag!!!

 

Kleine Expedition ins Tierreich

Orcas sind Schwertwale, die zur Familie der Delfine zählen. Innerhalb dieser Familie ist es die größte Art. Sie werden etwa 5 bis 8 Meter lang und 3 bis 4 Tonnen schwer. Ein Kalb wiegt bei der Geburt bereits 200 Kilogramm und ist circa 2,4 Meter lang. Die Lebensdauer beträgt in Freiheit 50 bis 80 Jahre. Zur Nahrung gehören Pinguine, Fische, Robben und Kalmare. Orcas schwimmen am Tag etwa 160 Kilometer, können 30 bis 150 Meter tief tauchen und 15 bis 20 Minuten unter Wasser bleiben. Sie leben in Gruppen von 10 bis 70 Tieren und sind sehr sozial. Es gibt unter freilebenden Tieren weltweit keinen einzigen bekannten Angriff auf Menschen.

 

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* Die neue Reise zu »Paula« startet

* Ein Bolzen für »Paula« und Wale für die Seele

 

Bücher zu vorangegangenen Touren »Südamerika I« und »Westafrika« gibt es unter: www.paula-on-tour.de

 

 

 

 

 

 


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