Roberto Rink

Wege zur Wildnis

Sächsische Schweiz. 35 Jahre Nationalpark Sächsische Schweiz:
"Natur Natur sein lassen."

In diesem Jahr feiert der Nationalpark Sächsische Schweiz sein 35-jähriges Jubiläum. Als Geburtsstunde des Nationalparks gilt der 12. September 1990, als der Ministerrat der letzten DDR-Regierung auf seiner letzten Sitzung als letzten Beschluss fünf Nationalparks, sechs Biosphärenreservate und drei Naturparks unter Schutz stellte. Dieser letzte DDR-Beschluss war auch Ergebnis einer starken Naturschutz-Bewegung im Osten des Landes, die erreichte, dass nun bedeutende Teile des Naturerbes in Ostdeutschland unter Schutz gestellt wurden. Am 28. April 1991 ist der Nationalpark dann mit einer großen Feier am Fuße der Schrammsteine eröffnet worden. An der Eröffnungsfeier nahmen neben dem damaligen Sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf und seiner Frau auch die Umweltminister von Tschechien, Bayern und Baden-Württemberg sowie der Präsident der »Europarc Federation« teil. Rund 500 Besucher verfolgten das Ereignis auf der Wildwiese zwischen Wenzelsweg und Zeughausweg. An das Ereignis erinnert ein Gedenkstein am Rande der Wiese.

Natur Natur sein lassen beidseits der Grenze

Die Gründung des Nationalparks Sächsische Schweiz brachte auch Impulse auf die tschechische Seite des Elbsandsteingebirges, auf dessen Gebiet zehn Jahre später der Nationalpark Böhmische Schweiz gegründet werden konnte. Insgesamt ist damit ein grenzübergreifendes Schutzgebiet mit einer Größe von insgesamt 16.550 Hektar entstanden, in welchem beide Verwaltungen ihre länderübergreifende Zusammenarbeit weiter vertieften. Die Wichtigkeit dieser Kooperation zeigt sich besonders in Katastrophensituation, wie dem großen Waldbrand in der Sächsischen und Böhmischen Schweiz von 2022. Dank der gemeinsamen Erfahrung ist das gegenseitige Vertrauen weiter gewachsen, um zukünftig noch koordinierter vorzugehen.

Das ursprüngliche Ziel des Nationalparks bestand darin, die Flächen, die der Mensch künftig nicht mehr beeinflusst, bis 2030 auf 75 Prozent der Nationalparkfläche zu erhöhen. Im Jahr 1990 bestand der Nationalpark aus 52 Prozent naturfernen Fichtenwäldern. Daher war zunächst ein aktiver Umbau des Waldes für die nächsten Jahrzehnte geplant worden.

Borkenkäfer und Waldbrand

Doch zwei einschneidende Ereignisse trugen zu einer rascheren Reduzierung der Fichtenbestände bei. Seit Herbst 2017 führten anhaltende Dürre, hohen Temperaturen und mehrere Sturmereignisse zu der schwersten Borkenkäferkalamität in der Geschichte mit dem Ergebnis, dass die Fichtenforste im Nationalpark großflächig absterben. Der große Waldbrand im Sommer 2022 tat sein Übriges. Seitdem ist der Fichtenbestand von rund 50 Prozent vor diesen einschneidenden Ereignissen auf rund 24 Prozent zurückgegangen.

Um den Besuchern des Nationalparks augenscheinlich zu verdeutlichen, dass »sich die Natur selbst, auch ohne forstliche Eingriffe, steuert«, wie Hanspeter Mayr, Sprecher der Nationalparkverwaltung, betont, sind zwei »Wege zur Wildnis« (Lehrpfad zum Borkenkäfer und Waldentwicklung + Lehrpfad zur Waldentwicklung nach dem Waldbrand 2022) in der Nähe des Kleinen Winterberges angelegt worden. Nach dem Absterben der Fichten hat sich von selbst eine neue Waldgeneration mit vielfältigen Baumarten entwickelt. Infolge des Waldbrandes von 2022 hatte sich noch im August desselben Jahres die »Bürgerinitiative Naturpark Sächsische Schweiz« gegründet, welche die Vorgaben des Nationalparks bei den Themen Waldbrandschutz, Totholz, Wegeberäumung u.v.m. kritisierte. Seitdem gab es drei öffentliche Gesprächsforen zu einzelnen Themenfeldern und es hat sich ein Dialog zwischen verschiedenen Ansichten im Nationalpark entwickelt.

Das Waldbrandschutzkonzept der Staatsregierung für die Sächsische Schweiz führte unter anderem dazu, dass wichtige Zufahrtswege für die Feuerwehr freigeschnitten und in einer Breite von fünf bis zehn Metern rechts und links der Wege von Totholz beräumt worden sind. Dennoch und auch aufgrund der Selbstheilung der Natur gilt im Nationalpark Sächsische Schweiz weiter »Natur Natur sein lassen« als ein Weg zur »Wildnis«.


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