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Suchterkrankungen enttabuisieren

Vor etwas mehr als einem Jahr zog das Projekt Alkanti in die Grundschule in Schöpstal. Früher lernten hier Schüler für den Weg ins Leben, heute gehen hier Menschen mit einer (vermuteten) Suchterkrankung die ersten Schritte zurück ins Berufsleben. Am 9. September präsentiert sich das Alkanti bei einem Tag der offenen Tür.
Leiterin Claudia Gebhardt in einem der ehemaligen Klassenräume, die momentan noch umgebaut werden. Foto: Keil

Leiterin Claudia Gebhardt in einem der ehemaligen Klassenräume, die momentan noch umgebaut werden. Foto: Keil

Im ehemaligen Schulgebäude in Ebersbach herrscht wieder reger Betrieb. Es wird gesägt, gehämmert geschliffen aber auch gekocht, umgegraben und geerntet. Vor rund einem Jahr zog das Arbeitsprojekt Alkanti aus Ludiwgsdorf in das Gebäude im Schöpstaler Ortsteil. Seitdem wird hier Menschen geholfen, wieder ins Berufsleben zu finden. Das passiert auf zweierlei Art. „Unsere Teilnehmer sind Langzeitarbeitslose, bei denen eine Suchterkrankung vermutet wird“, erklärt Alkanti-Leiterein Claudia Gebhardt. Steht diese Vermutung im Raum, schickt das Jobcenter Görlitz die Jobsuchenden nach Ebersbach. In der zweimonatigen Arbeitserprobung soll festgestellt werden, was der Erwerbstätigkeit möglicherweise im Weg steht. Die Teilnehmer haben dazu im Alkanti einen geregelten Arbeitstag, können in den Bereichen Holzwerkstatt, Hauswirtschaft und Gartenbau arbeiten. Auf dem Tagesplan stehen allerdings auch regelmäßig Drogen- und Alkoholtests. Ziel ist es festzustellen, ob sich die Teilnehmer so unter Kontrolle haben, dass sie einem geregelten Job nachgehen können. Neben der Arbeitserprobung gibt es auch die Stabilisierung, die sechs Monate dauert. „Die ist für Menschen, die ihre Sucht bereits erkannt haben“, erklärt die Alkanti-Leiterin. Oft dauert es seine Zeit, bis eine Therapie begonnen werden kann und auch nach einer Therapie ist es wichtig, dass die Menschen weiter einen geregelten Tagesablauf haben, um nicht wieder in alte Muster zu verfallen. Auch bei einer ambulanten Suchttherapie kann parallel im Alkanti gearbeitet werden. Momentan zählt das Alkanti 15 Teilnehmer. Und die Laden gemeinsam mit den Mitarbeitern des Projekts am 9. September von 13 bis 18 Uhr zum Tag der offenen Tür ein. Dann wird den Besuchern das Projekt vorgestellt und sie können sich alle Bereiche anschauen. „Wir wollen einfach mit den Besuchern ins Gespräch kommen, erklären, was wir hier machen und das Thema dadurch enttabuisieren“, sagt Claudia Gebhardt. Ins Leben gerufen wurde das Projekt bereits 2010 durch eine Kooperation zwischen dem Jobcenter Görlitz sowie der Psychosozialen Beratungs- und Behandlungsstelle. Seit Juni 2016 wird das Projekt im Rahmen der Maßnahme „Wiesel – Weg in ein suchtfreies Erwerbsleben“ als Maßnahme zur Aktivierung und beruflichen Wiedereingliederung für Bürger im ALG II-Bezug angeboten.


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