Carola Pönisch

Willkommen in der Wechsel-Stube

Geld wird im Geschäft auf der Bahnhofstraße in Radebeul-West tatsächlich gewechselt. Allerdings geht es nicht um fremde Währungen, sondern um das Wechseln von Waren gegen Geld und das Wechseln der Laden-Betreiber.
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  Man könnte den Laden durchaus einen »Pop-up Store« nennen, das ist trendy und trifft eigentlich auch das aktuelle Konzept. Doch Nadine Wollrad spricht lieber vom »Testladen«, was im Prinzip das gleiche ist, nur klingt es nicht so verstörend für ältere Ohren. Im Grunde geht es darum, einen Laden zu eröffnen, Produkte testweise zu verkaufen und wieder zu schließen. »Wenn sich die Tester danach entscheiden, hier in Radebeul-West ansässig zu werden und dauerhaft ein Geschäft zu betreiben, wäre das natürlich das beste«, sagt die Stadtteilmanagerin. Sehen, was gebraucht oder angenommen wird Der Testladen befindet sich also auf der Bahnhofstraße 8 und wird seit September letzten Jahres aller vier Wochen komplett umgeräumt. Wer sich hier einmietet, darf den Laden vier Wochen kostenlos nutzen. Micha Wilk war im September 2018 mit seiner »Leibspeiserei« der erste, ihm folgten Jens und Doro Kuhbandner mit Notschriftenverlag und Galerie, danach zogen die Radebeulerinnen Anja Eckelt und Anke Lissowski ein und boten allerlei Selbstgenähtes vom Spielzeug bis zum Waschbeutel an. Nach Sabine Claus (»Yoga trifft Beleuchtung«) war es Norman Heinrich Schmorrde, der hier transilvanische Leckereien wie Marmeladen, Honig und Wein anbot. Die neue Mieterin seit 1. März heißt Anett Kliesch, sie kommt aus Nossen und stellt hier im Laden Sitzmöbel vor, die sie in der heimischen »Polsterwerkstatt Sitzwinkel« angefertigt oder restauriert. Von der Idee des Pop-up Stores konnte Nadine Wollrad die Stadtverwaltung auch deshalb überzeugen, weil der Bürgertreff, der zuvor hier eingerichtet worden war, ein eher trauriges Dasein führte. Mittwochs für drei Stunden geöffnet, verirrten sich nur hin und wieder Anwohner in den Treff, um sich über Dreckecken oder andere Unzulänglichkeiten zu beschweren. »Den Leerstand bekommen wir dadurch nicht beseitigt.« Sanierungsgebiet mit viel Potenzial Der Testladen ist letztlich ein Baustein, um neuen Schwung in das 2017 festgelegte Sanierungsgebiet zu bringen. Es ist rund 7,4 Hektar groß und reicht von den beiden Kötzschenbrodaer Schulen an der Harmoniestraße über die Bahnhofstraße als Zentrum, die Güterhofstraße bis zur Alten Kaiserpost an der Meißner Straße. Hier in der Alten Post soll zum Beispiel die Musikschule einziehen. Der alte Fischladen ist bereits abgerissen, der Bahnhofsvorplatz soll mit Bänken und vielleicht schon in diesem Jahr mit großen Palmen- und Oleanderkübeln verschönert werden. »Aufwertung der Aufenthaltsqualität« nennt man das. Im Mittelpunkt stehen Handel und Wandel auf Bahnhof- und Meißner Straße: Statt Leerstand ein bunter Mix an Läden, vielleicht sogar geöffnet am Wochenende, wenn die Touristen auf den Anger in Altkö strömen, mehr Grün, mehr Bänke und W-Lan – viele Ideen stehen auf der Agenda. Und auch die nächsten zwei Ladentester stehen in den Startlöchern: Im April wird André Stübner mit seinem e-Bike Center »Tretmühle« hier sein, im Mai präsentiert sich Jens Pietzonka von der Weinzentrale Dresden. Was noch passen könnte: »Schuhe und Taschen«, sagt Nadine Wollrad spontan.