Carola Pönisch

Wie geht's weiter am Wiener Platz?

Kaum eine Woche vergeht, an dem die Dresdner Polizei nicht mindestens einmal zur Razzia auf Drogendealer bläst. Die Citywache hatte in den zwei Monaten ihrer Testphase fünf bis sechs Vorfälle pro Tag in den Läden vermeldet. Jetzt fordert die CDU-Landtagsfraktion: Hier muss etwas geschehen. Die Frage ist: Was denn noch?
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Wäre es ein Film gewesen, hätte die Kritik geschrieben:  Zu plakativ, zu viel inszenierter Zufall. Doch das Leben schreibt eigene Drehbücher: Donnerstagnachmittag, Vor-Ort-Termin mit Innenminister Markus Ulbig und Vertretern der CDU-Landtagsfraktion, darunter Vorsitzender Frank Kupfer und Innenpolitiker Christian Hartmann, außerdem noch Bürgermeister Detlef Sittel. Es geht um die Frage, wie die Kriminalität am Wiener Platz in den Griff zu bekommen ist. So ziemlich zum Schluss des Termins plötzlich Sirenen, Blaulicht, Polizeiautos und viele Uniformierte. Sie stürmen in die Prager Spitze und schnappen zwei Tunesier, die einem 19-Jährigen Drogen angeboten hatten. Wem also gehört der Wiener Platz? Diese Frage stellen sich viele Menschen seit längerem. Den Dealern (meist Tunesier und Marokkaner) und ihren Kunden (fast immer Deutsche)? Den Dieben, die einzeln oder bandenmäßig durch die Läden ziehen? Den „Antänzern“, die Passanten belästigen und beklauen oder denen, die nur mal Lust auf eine Prügelei haben? Fakt ist: Am Wiener Platz, unterirdisch in der Passage und vor dem Hauptbahnhof gibt es seit einem Jahr eine kriminelle Szene. 25 Mal rückte die Polizei allein 2015 zu Großeinsätzen aus, um der Drogenszene Herr zu werden. Gerufen meist von Händlern und Passanten, die es satt hatten, diesem ungenierten Treiben zuzuschauen. Erst am Dienstag vergangener Woche waren wieder 50 Beamte im Einsatz, kontrollierten 70 Verdächtige und wurden bei zehn (acht davon Ausländer) fündig. Die CDU-Landtagsfraktion kündigte Mitte Januar an, sich verstärkt dieses Themas anzunehmen. „Der Platz muss videoüberwacht werden“, forderte Hartmann damals. Beim Vor-Ort-Besuch dann die Ernüchterung: „Der Platz ist viel zu verwinkelt, um ihn mit Kameras abzudecken“, so Klaus-Jörg-Leipnitz, Leiter des Polizeirevier Mitte. Dazu kämen bei einer Komplettüberwachung Datenschutzprobleme und Fragen der Persönlichkeitsrechte von Unbeteiligten. Also: Mehr Polizei, mehr Sicherheitsdienste, mehr private Initiativen? Dass das funktioniert, zeigte der zweimonatige Einsatz der City Streife, der am Freitag jedoch endete. „Wir brauchen aber monatlich 17.000 Euro, um ihn fortzuführen“, sagt Citymanager Jürgen Wolf. Doch die 20 beteiligten Geschäfte, die jetzt davon profitierten, können und wollen auf Dauer diese Last nicht stemmen. Wie geht es nun weiter? Fest steht, dass die unterirdische Passage Ende März leer sein wird, die restlichen vier Mieter ziehen in die Prager Spitze und ins Enso-Haus hinter den Bahnhof. Ob das Entspannung bringt, weil Verstecke wegfallen?  Fest steht, dass Christian Hartmann und Fraktionskollegen einen Maßnahmeplan erarbeiten wollen. Fest steht aber auch, dass sich das Drogengeschäft im schlimmsten Fall an einen anderen Platz verlagert. Solange es Drogenkäufer gibt.