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Von Sachsen geht's in die weite Welt

Dresden. Das Interview der Woche mit Boxtrainer-Legende Ulli Wegner.
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Ulli Wegner

Ulli Wegner

Foto: Schmidt

Bei 109 Profi-Kämpfen stand er in der Ecke, formte dabei mit Markus Beyer auch einen Sachsen zum Weltmeister. Inzwischen ist Ulli Wegner 81 Jahre alt, wurde jetzt in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen – und kann vom Boxen noch immer nicht lassen. Wie geht es Ihnen nach etlichen Operationen am Oberschenkel?

Ich kann noch nicht wieder Seilspringen, aber immerhin ohne Krücken laufen. Das ist doch schon mal etwas. Ich freue mich darauf, endlich bald wieder bei Box-Veranstaltungen live dabei zu sein.

 

Als interessierter Zuschauer oder steckt da mehr dahinter?

Meine Ratschläge sind immer noch gefragt, das macht mich stolz und dankbar. Wir haben hierzulande derzeit einige Riesentalente mit einer großen Zukunft, auch dank hervorragender Trainigsbedingungen zum Beispiel in Chemnitz. Von Sachsen in die große Welt – das klingt doch gut, oder?

 

Wie ist Ihre Meinung vom Kubaner Osleys Iglesias, der sich bei uns zum Weltmeister entwickelt hat?

Er ist eines der größten Talente und bringt alles mit, was man braucht: Guter Grundstil, hervorragende Ausbildung, Auge und den Instinkt, im richtigen Moment nachzusteigen, wenn es notwendig ist.

 

Apropos große Welt: Von Chemnitz geht es jetzt für Iglesias nach Kanada – ist das der richtige Schritt für ihn?

Er hat keine andere Wahl. Nur in Nordamerika gibt es die großen Kämpfe mit entsprechenden Börsen und Fernsehsender, die live übertragen. Diesbezüglich ist das Interesse bei uns leider nicht mehr so da wie vor 20 Jahren.

 

Weil die Helden wie Maske oder Ottke fehlen. Gibt es potenzielle deutsche Nachfolger?

Ich denke an Max Suske, der alle seine Profikämpfe durch K.O. in der ersten Runde gewonnen hat. In drei, vier Jahren kann er in der Weltspitze sein. Sein Vater ist Box-Enthusiast, quatscht aber den Trainern nicht rein. Das ist ja oft das Grundübel. Man muss den Jungen prägen und ihm Tag für Tag sagen: Du musst der Beste sein wollen. Da arbeite ich gern mit.


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