Carola Pönisch

Striezelmarkt-Tasse: 'Ne Echte aus Sachsen

Auf dem Striezelmarkt sind die typischen Glühweintassen mit ihren jährlich wechselnden Bildmotiven längst nicht mehr wegzudenken: Meist blau, aber auch in grün, braun und weinrot, sind sie seit Jahren beliebte Sammelobjekte. Doch keine Tasse war bisher so schön wie die neue aus der Lausitz.
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„Blaue Tassen gehen am besten.“  Keine wüsste es besser als Sigrid Förster, Abteilungsleiterin Kommunale Märkte in der Stadtverwaltung, schließlich organisiert sie den Striezelmarkt schon sehr lange mit. Da passt es ganz gut, dass Blau das Markenzeichen der Firma Kannegießer in Neukirch ist. Denn von hier kommen die neuen Striezelmarkttassen nämlich, nachdem die Stadt dieses Markt-Detail neu ausgeschrieben und das Familienunternehmen nahe Wilthen den Zuschlag bis 2020 erhalten hat.  „Wir sind mit Sicherheit bundesweit der erste Weihnachtsmarkt, der extra dafür designte und  in der Region gefertigte Glühweintassen hat“, sagt Dr. Robert Franke, der neue Amtsleiter Wirtschaftsförderung in der Stadt.

Große Herausforderung

Für Andreas und Silke Kannegießer ist der Großauftrag für den Dresdner Striezelmarkt nicht nur eine große Ehre, sondern auch eine große Herausforderung. Normalerweise fertigen die 30 Mitarbeiter in dem in vierter Generation geführten Familienbetrieb sonst Keramikprodukte in Stückzahlen zwischen 100 und 5.000. Es sei Zufall gewesen, sagt Andreas Kannegießer, dass er sich dieses Jahr eine neue Maschine angeschafft hätte, mit der diese hohe Stückzahl nun zu meistern ist. „Genau das ist auch die Herausforderung gewesen: Einen einheimischen Produzenten zu finden, der 100.000 Stück herstellen kann. Denn für Massenproduzenten ist das viel zu wenig, für die meisten Manufakturen in der Region viel zu viel“, so Sigrid Förster.

Chic in Preußischblau

Vorbei also die Zeit der China-Tassen, aus denen auf dem Striezelmarkt seit der Wende Glühwein geschlürft wurde. Die „Neue“ ist ein echtes Kind der Heimat: Geformt aus Ton, der in der Leipziger Gegend und im Westerwald abgebaut wurde, vermengt mit regionalem Quarz und Kaolin ums Eck. Auch das Design trägt im wahrsten Sinne einen regionalen Stempel, denn es wurde im Hause Kannegießer entworfen, als Modell in Gips geschnitzt und so lange bearbeitet, bis es den kritischen Augen im Dresdner Rathaus gefiel. Entstanden ist ein kleines Kunstwerk in Preußischblau, das je nach Lichteinfall von Grün bis Petrol leuchtet – mit hübsch verziertem Griff, der selbst Handschuh-Fingern Platz gibt, mit Relief auf der einen und Jahreszeiten-Motiv (dieses Mal Striezelkinder, und Türme von Frauen-, Kreuzkirche, Rathaus) auf der anderen Seite. Über 85.000 Tassen stehen bereits verpackt zum Abholen bereit. „Bis Mitte November sind wir fertig“, so Kannegießen. Danach muss er „nur“ 50.000 Tassen pro Jahr nachliefern.


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