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Carola Pönisch

Soll das Narrenhäusel wieder gebaut werden?

Seit 1755 prägte das Gebäude den Durchgang von der Augustusbrücke zum Neustädter Markt. 1950 wurde es abgerissen. Jetzt gibt es einen privaten Investor, der es wieder aufbauen will.

Der echte Hofnarr Joseph Fröhlich wäre sicher glücklich darüber, schließlich war sein Haus wegen der seitlichen Rundungen (polygonale Ausbuchtungen genannt) schon damals als „Klein-Moritzburg" berühmt. Der heute agierende Dresdner Hofnarr Fröhlich alias Matthias Schanzenbach hat sogar schon konkrete Pläne, was im künftigen Narrenhäusl zu finden sein soll: Eine Schule für Nasenflöte und Maultrommel. „Leicht zu lernen, ohne Vorkenntnisse und billig. Passend in die heutige Zeit also", findet er. Das Narrenhäusl 1755 ließ sich der Hofnarr Augusts III. am nördlichen Kopf der Augustusbrücke das bemerkenswerte Gebäude bauen. Leider konnte er, der eigentlich kurfürstlich-sächsischer Hofmühlenkommissar und wegen seiner Mildtätigkeit sehr beliebt war beim Volk, seine Wohnung nicht lange genießen. Denn 1756, nach Ausbruch des Siebenjährigen Krieges, floh er nach Polen, wo er ein jahr später starb. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Narrenhäusel um ein Stockwerk erhöht und mit einem flachen Walmdach versehen. In den 1930er Jahren erhielt es zeitgleich mit der Umgestaltung des Neustädter Elbufers Fensterläden und eine neue Nutzung als Ausflugslokal. 1945 wurde es beim Angriff auf Dresden beschädigt, 1950 trotz Warnung des damaligen städtischen Denkmalpflegers Richard Konwiarz abgerissen. Privates Investment Dass das Vorhaben der Gesellschaft Historischer Neumarkt (GHND) ernst gemeint ist, stellt der Dresdner Investor Frank Wießner vor. Seit 20 Jahren baut er in Dresden, hat um die 100 Millionen Euro investiert und will jetzt weitere drei Millionen in die Hand nehmen, um das Haus nach historischem Vorbild zu bauen. Neben besagter Nutzung durch den Hofnarr sollen Gastronomie und Wohnungen entstehen, im Dachgeschoss könnte künftig der Stadtschreiber wohnen. „Nach 60 Jahren sollen Grundstück und Gebäude per Vertrag wieder städtisches Eigentum werden." Die GHND startet deshalb kommende Woche (12. bis 17. Oktober) eine Petition, um die Dresdner zu ihrer Meinung für das Vorhaben zu befragen. „Wir sind täglich von 10 bis 21 Uhr in der Altmarkt Galerie und sammeln Unterschriften. Und es läuft eine Onlinepetition. Wir brauchen 4.200 Stimmen, dann werden wir das Thema in den Stadtrat bringen", so GHND-Vorstand Torsten Kulke. Online Petition: www.openpetition.de/petition/online/wiederaufbau-narrenhaeusel-am-neustaedter-markt-in-dresden


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