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Rudern für den guten Zweck

Dresden. Die stark sehbeeinträchtigte Ruderanfängerin Anne Kinski startet Rudertour von Dresden nach Hamburg

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Am Morgen des 15. August war es soweit. Anne Kinski vom Verein PRO RETINA Deutschland e.V. steigt als Anfängerin in ein Ruderboot auf die Elbe in Dresden. Ihr Ziel: Das rund 600 Kilometer entfernte Hamburg. Unterstützung erhält sie dabei vom mehrmaligen Weltmeister und Ruder-Olympiasieger Ulrich Kons. Er war es auch, der sie im vergangenen Jahr nach einer 100 Kilometer Wanderchallange an der Ostsee auf diese Idee und den Dresdner Ruderverein (DRV e.V.) als Partner dafür vorgeschlagen hat.

 

PRO RETINA

Doch was steckt hinter der Aktion und wer ist Anne Kinski? Die 1976 in Rostock geborene Anne Kinski bekam 2014 die Diagnose "Retinitis Pigmentosa". Dabei handelt es sich um eine seltene Augenerkrankung, bei der man nach und nach erblindet. Im Verlauf der Zeit wird die Netzhaut (Retina), das heißt des sehfähigen Gewebes am Augenhintergrund, immer mehr zerstört. In der Bundesrepublik Deutschland sind etwa 30.000 bis 40.000 Menschen von einer der verschiedenen Formen der "Retinitis Pigmentosa" betroffen. Als Anne Kinski von der Diagnose erfuhr, versuchte sie es sofort mit verschiedenen Therapien, die alle nichts brachten. Nachdem sie die Ermüdungsphase hinter sich gebracht hatte, folgte aber nicht etwa wie üblich die Phase des Akzeptierens. Sie wollte nicht stillstehen und stieß im Jahr 2020 auf die Selbsthilfevereinigung von Menschen mit Netzhautdegenerationen "PRO RETINA eV." Seitdem kämpft sie mit dem Verein für Aufklärung, Inklusion, Teilhabe und Forschungsförderung. Ihre Vision: "Jeder soll uns und unsere Anliegen kennen und unterstützen, damit schon bald die bisher unheilbaren fortschreitenden Netzhauterkrankungen heilbar werden."

 

600 Kilometer für Forschungsförderung

Um eine möglichst hohe Aufmerksamkeit zu erzielen, hat sich Kinski sportliche Herausforderungen auserkoren. Bei PRO RETINA leitet sie zudem den Arbeitskreis Sport. Nachdem sie im Jahr 2021 bei einem Spendenmarathon100 Kilometer entlang der Ostseeküste - bei Tag und durch die Nacht - wanderte, nun die nächste Challange. Und die hat es in sich: 600 Kilometer von Dresden bis nach Hamburg rudern, gemeinsam mit ihrem ehemaligen Nachbarn aus Rostocker Zeiten, dem mehrfachen Weltmeister und Olympiasieger Ulrich Kons. Nach dem Start am 15. August in Dresden ist das nächste Ziel Meißen. Insgesamt 15 Stationen werden angesteuert, bis am 1. September Hamburg erreicht werden soll. Weitere Europameister, Weltmeister und Olympioniken schließen sich dem Duo an. Sie wollen die Aufmerksamkeit auf bisher nicht heilbare Netzhauterkrankungen lenken und Spenden für die Forschung sammeln. Zugleich will Ruderanfängerin Kinski zeigen, welche Möglichkeiten auch Menschen mit Seheinschränkung haben und dass Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen möglich ist. Aber das ist noch nicht alles: An den Stationen wird Anne Kinski mit den Bürgermeistern und Inklusionsbeauftragten sprechen. Mit den Spendengeldern soll ein Forschungsprojekt der TU Dresden unterstützt werden, bei dem neue Sehzellen durch eine Stammzellentherapie entstehen sollen.

Wer das Vorhaben mit einer Spende unterstützen will, kann dies online tun unter www.rudern-spende.de

 

Dresden und der DRV e.V. als Startpunkt

Beim heutigen Start in Dresden war auch Sportbürgermeister Dr. Peter Lames dabei, der betonte, wie wichtig die Teilhabe aller Bürger, egal mit oder ohne Beeinträchtigung für Dresden ist. Das zeigen Beispiele wie Dresden als Host Town für die Special Olympics World Games Berlin 2023 oder die Bewerbung für die World Transplant Games 2025. Auch Manuela Scharf, Dresdner Beauftragte für Menschen mit Behinderungen verabschiedete Anne Kinski am Bootssteg des DRV e.V. in Dresden-Tolkewitz, deren Vorsitzende Ina Kalder eine allzeit gute Fahrt und "immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel" wünschte. Um 11 Uhr stach das Ruderboot nun in das Wasser der Elbe und ist nun auf dem Weg bis ins Dresdens Partnerstadt Hamburg. Alle Ruderer sind herzlich eingeladen, Anne Kinski und ihr Team ein Stück im Boot zu begleiten, um so die Aufmerksamkeit für die Spenden-Tour zu erhöhen.

 

Das Video vom Start gibt es auch auf unserer Facebook-Seite zu sehen: Facebook WochenKurier Dresden

Infos zur Rudertour von Anne Kinski: Facebook PRO RETINA, Instagram @durchblicke und www.rudern-spende.de