André Schramm

Kein Radlerbeul

Radeln in Radebeul macht denen, die das regelmäßig tun offenbar wenig Spaß: Beim aktuellen Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) gab es für die Stadt keine gute Noten – wieder einmal.
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Foto: Schramm

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In unregelmäßigen Abständen ruft der ADFC bundesweit Fahrradfahrer auf, ihre Stadt zu bewerten. Sobald mehr als 50 Teilnehmer die 27 Fragen beantworten, finden die Zahlen Eingang in die Erhebung und werden veröffentlicht. In Radebeul haben 2016 insgesamt 119 Menschen (2014: 200) ihr Votum zu den Verhältnissen rund um die Radinfrastruktur abgegeben. Es geht um Sicherheit und Radverkehrsförderung „Die Fragen behandeln Themen, wie Sicherheit, die Reinigung und das Falschparken auf Radwegen, sowie das Engagement der Stadt für ihre Radler“, sagte Sachsens ADFC-Geschäftsführer Konrad Krause bei der Vorstellung der Ergebnisse im Bürgerbüro der Grünen. Um dem Eindruck vorzubeugen, dass es sich dabei um eine reine Radlobbyisten-Aktion handelt, schob er noch eine Zahl hinterher. Nur 18 Prozent der bundesweit 120.000 Teilnehmer seien Mitglied im ADFC. „Heißt, beim Großteil handelt es sich nicht um Fahrradnerds, sondern um ganz normale Menschen“, sagte Krause und musste etwas schmunzeln.  Radebeul hat sich nicht verbessert In Schulnoten formuliert gab es am Ende für Radebeul eine 4, macht Platz 10 von 17 teilnehmenden sächsischen Städten (unter 50.000 Einwohnern) und Platz 312 von 364 im bundesweiten Vergleich dieser Größenordnung. Städte im näheren Umfeld schnitten da besser ab: Riesa belegte Platz 210, Pirna wurde 280.. Freital muss sich hingegen mit Platz 358 begnügen. Radebeul hat sich aus Sicht der Fahrradgemeinde damit nicht verbessert. 2014 gab es ebenfalls eine 4. Belange der Radfahrer schwer durchzusetzen Stadträtin Eva Oehmichen  (Bürgerforum/Grüne) spricht im Zusammenhang mit Fahrradthemen in Radebeul von einer Sisyphusarbeit. „Belange der Radfahrer werden im Stadtrat oftmals abgebügelt“, sagte sie. So habe man eine ordentliche Fahrradführung beim Ausbau der Forststraße mit dem Argument totgeschlagen, dass sowieso niemand mit dem Rad in den Elbepark fahren würde.  Dass man es nicht geschafft hat, an der sanierten Kötzschenbrodaer Straße einen Radweg zu bauen, findet sie nicht nur schade, sondern auch gefährlich. Zudem greife die Stadt zu wenig durch bei Falschparkern.  „Gerade im Umfeld der Hauptstraße macht die Stadtverwaltung einfach viel zu wenig“, sagte Oehmichen. Radebeul erzielt in letzterer Kategorie das schlechteste Ergebnis in Sachsen.
Als positiv wurden hingegen der überdachte Stellplatz am Bahnhof in Radebeul Ost und die Einrichtung eines Verkehrsrates gewertet. Das Gremium behandelt im Dialog mit der Stadtverwaltung u.a. auch Eingaben von Radlern. „Keine Selbstverständlichkeit“, lobte ADFC-Chef Krause. Er sieht ein generelles Problem in den Amtsstuben. Elberadweg asozial? „Zum einen fehlt Personal, zum anderen aber auch Know-How“, sagte er. So erlebe er es oft, dass noch mit veralteten Verwaltungsvorschriften hantiert werde.
Schon länger fordert der ADFC für Sachsen deshalb die Einrichtung einer „AG Fahrradfreundliche Städte“, eine Art Ansprechpartner für die Verkehrs- und Stadtplaner in den Kommunen bei Fahrradthemen- und -förderung. In Leipzig sei man wohl auf einem guten Weg dahin. Der Freistaat hat zuletzt Fördergeld in Höhe von acht Millionen Euro für Fahrradinfrastruktur eingestellt. Abgerufen wurden nicht einmal zwei Millionen. „Die Förderrichtlinien sind kompliziert“, so Krause. Thema an diesem Abend war auch der Elberadweg. Ein Gast befand, dass dieser sich in einem „asozialen Zustand“ befinde und in keinster Weise die Klasse der Stadt widerspiegle. Eine Frau brachte die Idee eines Radstellplatzes an der Forststraße (Tarifzonengrenze der DVB) ins Spiel.  Ausgewählte Daten der Umfrage in RadebeulRadebeuls Stärken
Erreichbarkeit Stadtzentrum (?): 3,2
Zügiges Radfahren: 3,2
Öffnung von Einbahnstraßen für Radverkehr: 3,4

Radebeuls Schwächen
Falschparker-Kontrolle auf Radwegen: 5,0
Radweg-Winterdienst: 5,0
Führung an Baustellen: 4,8