Birgit Branczeisz

Mit Humor die Welt retten?

Dresden. Nach dem Glück sind die Kurse der Volkshochschule in diesem Jahr dem Humor auf der Spur.

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Anna Mateur ist der Promi-Gast der diesjährigen Volkshochschulreihe "Grundfragen unserer Zeit" - es geht um Humor.

Anna Mateur ist der Promi-Gast der diesjährigen Volkshochschulreihe "Grundfragen unserer Zeit" - es geht um Humor.

Foto: david campesino

Anna Mateur, Texterin, Komikerin, Schauspielerin und Radiokolumnistin will diese Frage mit den Dresdnern in der prominenten Volkshochschul-Reihe "Grundfragen unserer Zeit" am 6. Juni beantworten - zumindest nähern. Die Sache ist ernst. Denn "Lachen ist die Kunst der Vernichtung von Angst", sagt der Schriftsteller Umberto Eco. Dieser Kunst widmet sich die Volkshochschule Dresden - witzig, hintersinnig und überraschend. Denn wer sich selbst schmunzeln kann, kann sich in andere hineinversetzen und Dinge in einer anderen Perspektive sehen.

 

Keinem Partei-Interesse verpflichtet

In 1.800 Kursen und Veranstaltungen wird dieser feinsinnige Unterschied zum Ulk vermittelt. Nicht ohne Grund verweist Direktor Jürgen Küfner darauf, dass die VHS eine der wenigen Institutionen ist, die nicht parteipolitisch gebunden ist. Was Menschen daraus machen, kommt auch auf ihre Fähigkeit an, die Perspektive des anderen zu sehen. Nähern kann man sich der auf alle erdenkliche Weisen: da wären Fremdsprachen, logisch. Woran denken wir da bei "Humor" - an den britischen Humor. Vielleicht auch an den jiddischen Witz? "Englisch mit einem Lächeln" und "Jiddisch für Anfänger" heißt es also. 31 Sprachen stehen 2023 auf dem Programm, darunter auch kurdisch, hebräisch, Hieroglyphen und sogar Plattdeutsch - dank eines Gitarrenlehrers, der diesen Sprachschatz mit nach Dresden gebracht hat.

 

Gute Laune frühstücken

Wer gleich Humor zu sich nehmen will, kann es ja mit "Mood-Food" - sozusagen "Gute-Laune-Menüs" und stimmungsförderlichen Lebensmitteln versuchen. Wer da gestärkt ist, bewegt sich vielleicht auch ganz anders: bei Longboard-Kursen, die wieder angeboten werden, in "der bewegten Mittagspause" mit professioneller Physiotherapeutin oder den unzähligen Sport- und Entspannungsrunden. Apropos entspannt, die Volkshochschule greift bewusst etwas auf, was über Jahrhunderte galt: das Familienleben fand in der Küche statt. Hier wurde geheizt, gekocht, miteinander gesprochen. Warum also nicht wieder beim Kochen miteinander? Geselligkeit mit Nachhall versprechen solche Runden, weil man etwas gemeinsam macht.

 

"Dresden direkt" als neues Format

Auch andere Titel wie "Frühlingsfest (wie) in Japan", "Kommt ein Pferd in die Bar" "Kunst, Kultur, Kulinarisches aus Peru" versprechen ganz neue Einsichten. Ob bei gesellschaftlichen Themen wie "Europäischer Salon" mit Botschaftern und Journalisten oder "Dresden direkt" mit Ministerin Petra Köpping zu je einem Thema immer gleich "Einsichten" folgen ist nicht der Punkt, so Direktor Küfner. Nach der Manier des Küchengesprächs soll überhaupt ein Miteinander Sprechen in Gang kommen. Übrigens können sich unterschiedliche Interessen-Gruppen für einen Abend mit Petra Köpping bei der VHS anmelden. Also, Mut zum Miteinander!

 

In der Straßenbahn diskutieren

Bei Stadtthemen dürfte das leichter fallen: Mit der Volkshochschule kann man zu Gericht gehen, die Staatskanzlei besuchen oder in die Straßenbahn steigen, wenn einem "Mobilität" als Diskussionsthema umtreibt und mitreden möchte. Mehr "ins Leben" geht nicht - und das alles so, damit alle mitreden können - auch in leichter Sprache! Wie ernst diese "Teilhabe für alle" gemeint ist, zeigt auch ein anderes Projekt. "Lesen, Schreiben, Rechnen" heißt es und wendet sich an alle, die zwar recht und schlecht durchs Leben kommen, aber mit längeren Texten oder Zusammenhängen bislang "wenig am Hut" haben. Das gibt es jetzt auch als App in Kooperation mit Dynamo Dresden, die "mittendrin - mit Kopf und Ball" Bildung to go anbieten. Wer Menschen erreichen will, geht eben auch ins Stadion. Volkshochschule zum Mitnehmen.

 

Weitere Infos auch unter: www.vhs-dresden.de


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