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Honeckers Leibwächter in Radebeul

Am 20. Januar ist Bernd Brückner, ein ehemaliger Personenschützer Honeckers, zu Gast in Radebeul. Von 1976 bis 1989 war er für die Sicherheit des ersten Mannes der DDR zuständig.
Bilder
Bernd Brückner mit seinem Buch "An Honeckers Seite". Foto: Volkssolidarität Elbtalkreis-Meißen

Bernd Brückner mit seinem Buch "An Honeckers Seite". Foto: Volkssolidarität Elbtalkreis-Meißen

Um 19 Uhr stellt Bernd Brückner im Restaurant „Seventies“ neben dem DDR Museum Zeitreise sein
Buch „An Honeckers Seite“ vor. Es ist die erste Präsentation des 2014 erschienenen Buches in ganz
Sachsen. „Der Verleger hat mich zwei Jahre lang genervt, es zu schreiben, und ich habe mich
konsequent verweigert“, sagt er. „Ich wollte mit dem ganzen Mist nichts mehr zu tun haben.“
Umstimmen ließ er sich erst, als man ihm gestattete, über den Familienmenschen Honecker zu
berichten, den Vater und Opa. „So, wie ihn nach der Wende keiner mehr wahrhaben wollte“, meint Brückner. Staatsgelder für´s Jagen Dennoch will er nichts verherrlichen. Hunderte Male sei das Sicherheitspersonal mit zur Jagd der Führungsriege rausgefahren, erinnert er sich. Dass für diesen Zweck Staatsgelder bereitgestellt worden, betrachtet er heute kritisch. Die Besucher erwartet an dem Abend keine klassische Lesung.
Bernd Brückner wird einführend Fotos aus seinem Privatarchiv zeigen. Dann will er frei über seine 13
Dienstjahre an Honeckers Seite und die damaligen Strukturen erzählen. „Viele können heute nicht
verstehen, dass der Personenschutz dem Ministerium für Staatssicherheit unterstellt war und nicht
der Polizei“, sagt er. „Aber so war das.“  Möglichst schnell will er dann ins Gespräch mit den Gästen
kommen. Der Einlass zur Veranstaltung im „Seventies“ beginnt bereits 18 Uhr. Der Eintritt kostet 12 Euro (erhältlich an der Abendkasse oder im DDR-Museum). Heute im Pflegedienst aktiv Heute leitet Brückner in Berlin eine große private Berufsschule und bildet neben Sicherheitspersonal auch Pflegefachkräfte aus. Bereits um 14 Uhr spricht er auf Einladung der Volkssolidarität Elbtalkreis-Meißen e.V. in der Geschäftsstelle auf dem Körnerweg 3 in einer Informationsveranstaltung über die Arbeit mit vietnamesischen Pflegefachkräften hierzulande. „Die vietnamesische Ausbildung wird bei uns nicht anerkannt“, sagt er. Doch die Qualifizierung in Deutschland sei unter anderem in seiner Berufsschule möglich und habe gerade in der Altenpflege Zukunft. Wie er dazu kam? Nachdem er viele Jahre als ein von der Bildungsagentur für Arbeit zugelassener Bildungsträger Personal in Sicherheitsberufen ausbildete, wurde er angesprochen, sein Angebot doch auch auf Pflege- und Sozialberufe auszuweiten, weil der Markt da sei. Er tat es. Die Menschen aus Vietnam beschreibt er im Grundnaturell als extrem fleißig „bis hin zur Selbstaufgabe“ sowie als sehr zuverlässig und respektvoll. Vor allem seien sie bereit, zu den in Deutschland üblichen Vergütungen zu arbeiten. Das sei bei den meisten Pflegefachkräften aus europäischen Ländern nicht mehr der Fall. „Der europäische Markt ist wie leer gefegt.“ Angesichts des Mangels an Fachkräften in der Pflege wird händeringend Personal gebraucht, das langfristig bleibt. Auch in diesem Punkt sieht Bernd Brückner bei jungen Leuten aus Vietnam sehr gute Voraussetzungen. Denn sie finden bereits eine riesige Gemeinschaft an hier lebenden Landsleuten vor: Rund 120.000 Vietnamesen, von denen viele zum Studium in die DDR kamen und anschließend blieben. Nach der Erfahrung Bernd Brückners erleichtert dieses Netzwerk den Neuankömmlingen, sich in Deutschland ein Leben aufzubauen.