Carola Pönisch

Goldene Hausnummer: Leben in der "Lou 75"

Anwärter auf die Goldene Hausnummer (Teil II): Drei weitere Bewerber stellen sich vor - Hausgemeinschaften Luisenstraße 75, Roquettestraße 60 in Dresden-Briesnitz und Wölfnitzer Ring 92.
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Gibt‘s noch Hausgemeinschaften, in denen gegrüßt, gemeinsam gefeiert, auf Kinder aufgepasst und Mehl geborgt wird? Auf diese Fragen erhielten wir jede Menge Post. Hier weitere Anwärter... 

Dresden. Mit nachbarschaftlichen Grüßen meldet sich das „Mieterkollektiv Lou75" (Louisenstraße) zu Wort, die im August 2016 vom „Rat der Bunten Republik" anlässlich ihres 20. Hoffestes bereits eine Goldene Hausnummer verliehen bekamen bzw. sich selbst auszeichneten. „Schon mehrfach haben wir Touristen gesehen, die sie betrachteten, fotografierten und rätselten", schreibt Familie Glück, eine der Mietparteien in der Lou75. Nun bewirbt sich das Mieterkollektiv um eine zweite Goldene Hausnummer. Warum sie die verdient hätten, schildert Rita Glück: „An erster Stelle steht bei uns der nachbarschaftliche Zusammenhalt im Haus. Alle kennen sich, grüßen sich und plauschen beim Treff. Das gegenseitige Leihen von Essenszutaten ist selbstverständlich. Weniger selbstverständlich ist vielleicht, dass ein Nachbar bei einer Hochzeit im Haus der Trauzeuge war. Das Hoffest als eine der vielen Feiern im Haus gibt es in ununterbrochener Reihenfolge bereits seit 1996. Eingeladen sind immer alle Mieter, die automatisch bei Einzug Mitglieder im Mieterkollektiv werden, sowie alle ehemaligen Mieter, Nachbarn, Freunde und manchmal auch Verwandte. Die Hoffeste haben auch schon im Dezember in der wunderschönen, mit Holzpanelen versehenen Durchfahrt unter Heizpilzen stattgefunden.

Neben dem Hoffest gibt es noch das gemeinsame Frühstück zur BRN, ein Oktoberfest mit Münchner Wiesnbier und Hendl sowie das Treffen zum 1. Advent. Gegenseitige Einladungen zum Essen oder auf einen Wein werden nicht mitgezählt. Im Sommer ist der regelmäßig Treff auf den Fensterbänken im Erdgeschoß auf der Louisenstraße angesagt. Im trauten Gespräch werden durchaus Sorgen und Nöte besprochen, in manch schwieriger Situation (plötzliche Kinderbetreuung, Herzausschütten) kann man auf Hilfe der Nachbarn zählen. Beflaggt wird nicht, das Hausbuch nicht geführt.

Trotzdem sind wir schon seit Jahren der Meinung, die Goldene Hausnummer verdient zu haben. Eingaben bei den staatlichen Organen, Rat des Kreises und KVW bleiben allerdings unbeantwortet. Daher haben wir uns die Goldene, so wie sich Napoleon selbst zum Kaiser krönte, einfach selbst verliehen", endet die Bewerbung mit einem Augenzwinkern.

Roquettestraße 60

Heike und Knut Häberlein aus Briesnitz gehörten zu den Ersten, die sich um die Goldene Hausnummer des WochenKurier bewarben. Sie schreiben: „Wir machen praktisch alles zusammen, von Urlaubsblumenbetreuung über Hausschlüsselaufbewahrung, Briefkasten leeren, Pakete annehmen und am Wochenende zusammen grillen. Ein Teil der Männer spielt montags Skat, die Frauen Rommé und vom Erlös gehen alle Anfang des Jahres lecker essen. Legendär sind unsere Silvesterfeten mit Polonaese durchs Haus und Tanz in allen Räumen.

Wir unternehmen gemeinsame Ausflüge aller Art wie Busreisen und Tagesfahrten, betreuen gegenseitig Kinder und Haustiere. Bei runden Geburtstagen, Geburt, Hochzeit und Jubiläen sammeln wir im Haus Geld, die Kinder bekommen Ostern, Weihnachten und Nikolaus kleine Geschenke. Wir sind zehn Mietparteien allen Alters, daher sind Fahrten zu Ärzten, Feiern oder Hol- und Bringedienste eine Selbstverständlichkeit. Lustiger weise haben drei Hausbewohner am selben Tag Geburtstag. Übrigens: Wir haben schon eine Goldene Hausnummer aus Pappe an der Haustür. Wäre toll, diese durch eine echte zu ersetzen..."

Wölfnitzer Ring 92

Janine Adamski vom Wölfnitzer Ring 92 meint: „Bei uns im Haus mag jeder jeden, alle helfen sich untereinander und feiern – egal ob Geburtstage, Silvester oder einfach nur mal so.... Alle sind gern dabei. Wir in unserer Hausgemeinschaft sind keine Nachbarn oder Freunde, nein wir sind schon wie eine große Familie. Wir finden alle, dass wir die Goldene Hausnummer verdient hätten.


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