Carola Pönisch

Götz Aly, Raubkunst und "Mohr"-Debatten

Der Journalist und Historiker präsentiert am 17. September im Radebeuler Karl May Museum sein neues Buch "Das Prahtboot. Wie Deutsche Kunstschätze der Südsee raubten." Die Veranstaltung passt zur aktuellen Debatte um den Begriff "Mohr".
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Götz Aly stellt in Radebeul sein neues Buch "Das Prachtboot. Wie Deutsche Kunstschätze der Südsee raubten" vor. Foto: Andreas Labes

Götz Aly stellt in Radebeul sein neues Buch "Das Prachtboot. Wie Deutsche Kunstschätze der Südsee raubten" vor. Foto: Andreas Labes

In der Lößnitzstadt wurde in diesem Jahr eine Diskussion entfacht: Dürfen Mohrenstraße und Mohrenhaus weiterhin so heißen oder ist »Mohr« eine rassistische Bezeichnung, die verboten gehört? Eine öffentliche Bürgerdiskussion dazu gab es bereits, eine zweite soll demnächst folgen. Debatten über den Umgang mit der Kolonialgeschichte prägen seit Längerem den öffentlichen Diskurs, wie das Beispiel Radebeul zeigt. Neben Denkmälern und Straßennamen zeugen sehr vieel Museumsobjekte un deutschen Museen von den einstigen Kolonien. Doch wie sind sie zu uns gekommen und woher stammen sie? Der Historiker Götz Aly (74) deckt in seinem aktuellen Buch »Das Prachtboot« auf, dass es sich in den allermeisten Fällen um koloniale Raubkunst handelt, und erzählt, wie brutal deutsche Händler, Abenteurer und Ethnologen in der Südsee auf Raubzug gingen. Auf der Insel Luf zerstörten sie Hütten und Boote und rotteten die Bewohner fast vollständig aus. 1902 rissen Hamburger Kaufleute das letzte, von den Überlebenden geschaffene Hochseeboot an sich. Heute ist das weltweit einmalige Prachtstück im neu eröffneten Berliner Humboldt Forum zu sehen.
Mit seinem aktuellen Buch leistet Götz Aly einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung von Raubkunst, Kolonialismus und Rassismus und erzählt zugleich ein erschütterndes Stück deutscher Geschichte. Auch mit dieser Publikation gelingt es Götz Aly, der zu den führenden Zeithistorikern gehört, Debatten anzuregen. Aly erschüttert mit seinen Forschungen immer wieder Gewissheiten, konservative wie linke, und schreckt dabei nicht vor ungemütlichen Einsichten zurück. Götz Aly, Jahrgang 1947, ist Historiker und Journalist. Er arbeitete für die „taz“, die „Berliner Zeitung“ und als Gastprofessor. Seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet.
Am 17. September um 19 Uhr  präsentiert Götz Aly sein Buch im Karl-May-Museum, moderiert wird der Abend von Ben Hänchen, Jounalist beim MDR.  Resttickets (5 Euro) in allen VVK-Stellen.


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