André Schramm

Gesundheitsreport Sachsen: Amtliche Monotonie

Der Gesundheitszustand der Sachsen ist stabil. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer fehlten letztes Jahr im Schnitt an 19,5 Tagen und damit genauso oft wie 2015. So steht es im aktuellen Gesundheitsreport der AOK Plus.
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Die Sachsen sind im Schnitt 19,5 Tage arbeitsunfähig. Foto: Schramm

Die Sachsen sind im Schnitt 19,5 Tage arbeitsunfähig. Foto: Schramm

Der Negativtrend der Krankmeldungen in Sachsen scheint seit 2016 gestoppt. Im letzten Jahr lag der Krankenstand bei 5,3 Prozent* und damit genauso hoch wie 2015. "Damit bleibt Sachsen auf einem hohem, dafür aber konstantem Niveau, trotz der Grippewelle im letzten Jahr", sagte AOK-Plus Chef Dr. Stefan Knupfer bei der Präsentation der aktuellen Zahlen. Der Erhebung zugrunde liegen die Daten von knapp 970.000 sächsischen Arbeitnehmern, die bei der Gesundheitskasse AOK Plus versichert sind. Zum Vergleich: In Thüringen meldeten sich die Beschäftigten im Schnitt an 21,2 Tagen (5,8 Prozent) arbeitsunfähig. Der Bundesdurchschnitt der Gesundheitskasse lag bei 5,3 Prozent.  Regionale Unterschiede Vergleichsweise häufig fielen die Mitarbeiter in Nordachsen (5,9 Prozent), Bautzen und Görlitz (je 5,7 Prozent) aus. Den niedrigsten Stand gab es in Dresden zu verzeichnen. Hier lag die Quote gerade einmal bei 4,5 Prozent. Krankheitsbilder Am meisten mussten die AOK-Versicherten wegen  Muskel- und Skeletterkrankungen (22,2 Prozent) zu Hause bleiben. Weitere Gründe waren Atemwegserkrankungen (12,8 Prozent), Verletzungen (10,9 Prozent) und psychische Erkrankungen (9,7 Prozent). "Die Dynamik bei psychischen Erkrankungen hat auffällig nachgelassen", sagte Knupfer. Monotonie im Amt Ein gewohntes Bild zeigt sich auch bei der Verteilung der Krankmeldungen über die einzelnen Branchen. Angeführt wird die Liste (wieder) von der öffentlichen Verwaltung (6,3 Prozent). Den niedrigsten Wert fuhren die Banker und Versicherungsfachleute ein (4,5 Prozent). Über die Gründe für die überdurchschnittlich vielen Fehltage in sächsischen Amtsstuben gibt es, wenn überhaupt, nur vage Erklärungsversuche. "Sicherlich ist hier der Druck nicht so hoch wie anderswo. Allerdings haben unsere Erfahrungen gezeigt, dass monotone Tätigkeiten öfters zu Krankheiten führen. Vor allem, wenn die Mitarbeiter den ganzen Tag nur sitzen", sagte der AOK Plus Vorstand Knupfer. Vielerorts habe man schon mit höhenverstellbaren Schreibtischen erste Präventionserfolge erzielen können. Bei der Gesundheitskasse selbst liegt der Krankenstand auch über dem Schnitt (5,7 Prozent). Motivation ist auch Prävention Insgesamt hat die die Gesundheitskasse im letzten Jahr rund 37 Millionen Euro (2015: 29 Millionen) für Prävention und Gesundheitsförderung ausgegeben. Die Ausgaben pro Versicherten stiegen von 10,43 auf 12,37 Euro (2016). "Das alleinige Bereitstellen von Präventionsangeboten funktioniert jedoch nicht", sagte Torsten Wagner, Chef der Klinik am Tharandter Wald. Obwohl die Einrichtung über sämtliche Möglichkeiten, u.a. Fitnessraum und Schwimmhalle, verfügt, wurden die Angebote von den 300 Beschäftigten kaum wahrgenommen. Daraufhin hatte man über alle Ebenen eine Arbeitsgruppe gegründet. Kommunikation, Wertschätzung und Anerkennung seien dort die bestimmenden Schlagworte gewesen, so Wagner. In der Folge wurden Prozesse verschlankt und angepasst, um das Arbeitsumfeld zu optimieren. Auch der Abstand zu den Führungskräften sei verringert worden. Der Erfolg sei zwar nicht mess-, dafür aber fühlbar, hieß es. *Was bedeutet ein Krankenstand von 5,3 Prozent? Es werden alle Arbeitstage im gesamten Jahr zusammengezählt. Davon war am Ende an 5,3 Prozent aller Tage niemand auf Arbeit. Heißt im Umkehrschluss: An 94,7 Prozent aller Arbeitstage waren alle Arbeitnehmer da.