Birgit Branczeisz

Ellerhold baut eine neue  Kartonfabrik

Radebeul. WitzigePapp-Aufsteller in Lebensgröße, Stollenkartons oder Getränkebags  - woher kommen eigentlich all diese Dinge?

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Alle Zeichen stehen auf riesig. Die Ellerhold AG baut am Stammsitz Radebeul eine gigantische neue Kartonfabrik. Die neue Halle ist das zwölfte Gebäude und wird 120 Meter lang, 90 Meter breit und zwölf Meter hoch. Die längste Maschine die hier stehen wird, ist die 105 Meter lange Wellpappen- und Kaschieranlage (Verbinden von Folien mit Unterlage), dazu kommen zwei Stanzmaschinen, die Kartonagen so zurechtstanzen wie sie später gefaltet werden und eine Falt-Klebemaschine. Die beiden Brüder und Geschäftsführer Maximilian (38) und Stephan (40) Ellerhold wollen in dieser neuen Produktionslinie auf Gabelstapler, Hubwagen und Paletten verzichten. Einmal im Rundlauf durch die ganze Halle und das automatisiert, im Hintergrund ein intelligentes Lager, das Materialien so anliefert wie sie gebraucht werden.

Ein Dach im Schmetterlingsprinzip

So kann man sich Kartonfertigung heute vorstellen. Nicht nur die beiden Chefs haben "so groß noch nie gebaut" - auch für die beteiligten Firmen wie die Maschineneinrichter und die Dachkonstrukteure ist die Kartonfabrik Radebeul eines der größtes Projekte in ihrer jeweiligen Firmengeschichte. Weil in der Halle keine Stützbalken spätere Umbauten oder Abläufe stören sollen, überspannt ein Bogendach die 10.000 Quadratmeter Fläche. Das Dach wird komplett auf eine Stahlkonstruktion aufgesetzt, die wiederum aus zehn 1.000 Quadratmeter großen Bogendächern besteht. Das Schmetterlingsprinzip. Dass die Halle vielleicht in zehn Jahren erneut umsortiert wird, davon geht Stephan Ellerhold schon heute aus. Karton ist ein Wachstumsmarkt.

Vor 18 Jahren hat das Familienunternehmen in Radebeul mit Kartons von Null begonnen. Vor drei Jahren sollte eigentlich schon neu gebaut werden, überall stieß das Unternehmen an Platz- und Logistikgrenzen. Dann kam Corona. Ihr Ursprungsgeschäft "Plakate" vom Vater 1987 als Plakate Siebdruck KG bei Nürnberg gegründet, wird - wie Papier-Außenwerbung generell - wohl immer weniger werden. Wie sie sich entwickelt, da sind sich auch die Ellerhold-Brüder nicht sicher. Den meisten Umsatz macht der Familienbetrieb inzwischen mit seinen kleinsten Produkten - Etiketten. "Wir sind da nicht organisch gewachsen, das kam durch einen Zukauf. Aber wir haben Etiketten lieben gelernt", so Stephan Ellerold. Am Standort Radebeul -einem von bundesweit sieben - stehen die Zeichen aber weiter auf riesig. Seit die Firma 2004 die damals weltweit formatgrößte Offsetdruckmaschine Rapida 205 vom Nachbarn König und Bauer erworben hat, wird hier auf Großdruckformate gesetzt. Der Platz ist da, die Kunden sind es ebenso im Dresdner Ballungsraum.

Neuster Trend ist Graspapier

Individuelle Warenaufsteller, Regale und Ladenausstattungen boomen neben den klassischen Verpackungen. Damit diese Produkte immer pfiffiger werden, bildet Ellerhold unter anderem selbst Verpackungsmitteltechnologen aus - ein äußerst kreativer Job. Von der kleinsten Schachtel bis zum übermannshohen Werbeträger wird in Radebeul alles hergestellt - und das aus einem Bogen. Was den Vorteil hat, dass es keine Klebestellen gibt und damit keine unterschiedlichen Farbnuancen. Das Material besteht klassisch aus Altpapier und neuerdings sogar aus Graspapier - wie die Kartons Herrnhuter Weihnachtssterne der Edition "Natur". Apropos Weihnachten. Jeder Dresdner Stollen sollte in Kartons aus Radebeul verpackt werden, meint Stephan Ellerhold und erklärt lachend: "Es kann ja nicht sein, dass der Karton irgendwo produziert und hierher gekarrt wird. Das ist nicht unser Anspruch." Platz dafür ist zumindest bald.

WWW.ellerhold.de