André Schramm

Ein Mops kam um die Ecke

Ein Transvestit, ein Mops und eine klare Botschaft: „Krieg ist scheiße!“. Drei Zutaten für einen Dresdner Kurzfilm, der beim Filmfest in Moskau einen Preis abstaubte.
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Dreharbeiten zum Kurzfilm »Papagei« an der Flügelwegbrücke in Cotta.  Der Streifen wurde beim Herbstfilmfest in Moskau mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. 	              Foto: privat

Dreharbeiten zum Kurzfilm »Papagei« an der Flügelwegbrücke in Cotta. Der Streifen wurde beim Herbstfilmfest in Moskau mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Foto: privat

 Ein blonder Mann in Frauenklamotten spaziert mit seinem Mops durch die Dresdner Neustadt, in der Hand ein Plakat. „Krieg ist scheiße“ ist darauf geschrieben. Später im Film lässt der Protagonist seine bunte Vergangenheit hinter sich, schminkt sich ab, geht zur Armee und ist kurz darauf tot. Es geht um Protest »Wir wollten, nein, mussten was machen«, sagt Filmemacher Andreas Rajchert mit Blick auf den Konflikt in der Ostukraine. »Viele meiner Freunde waren einfach nur baff. Dass es soweit kommt, hätten wir nie erwartet«, schiebt er hinterher. Rajchert hat sibirische Wurzeln, war Militärjournalist und hat auch heute noch gute Kontakte nach Russland und in die Ukraine. Das zentrale Thema für den Film war recht schnell gefunden: Protest. In der Neustadt gedreht Das Drehbuch wurde geschrieben, am Anfang noch mit der Hilfe der Dresdner Musikkabarettistin Anna Mateur. Schauspieler Christian Clauß (Staatsschauspiel Dresden) übernahm die Hauptrolle. Kameramann Andrey Bavchenkov kümmerte sich um Schnitt, Regie, Musik und die technische Umsetzung.  Gedreht wurde der Streifen größtenteils in der Dresdner Neustadt – vor der Martin-Luther-Kirche, auf der Böhmischen und der Görlitzer Straße. Weitere Szenen entstanden an der Flügelwegbrücke und am Militärhistorischen Museum der Bundeswehr.  Zwar war eine Festival-Teilnahme zu dem Zeitpunkt nicht geplant, die Aufführung in Russland aber schon. »Deshalb der russische Untertitel«, erklärt Rajchert. Eine Freundin in Moskau bekam von der Dresdner Produktion Wind und reichte sie kurzerhand beim Herbstfilmfest 2017 ein. Erfolg Dass der »Papagei« am Ende in der Gunst des Publikums ganz vorn landete ist für Andrey Bavchenkov aus vielerlei Gründen bemerkenswert. »Da saßen Zuschauer, die sich nicht im Einflussbereich einer Administration bewegen«, sagt er. Zudem kam die Produktion mit Ausnahme einer kleinen Finanzspritze durch das Dresdner Kulturamt nahezu ohne finanzielle Mittel aus.  Obendrein dürfte es der erste Titel sein, den ein Dresdner Film auf Moskauer Boden holt – mit einem für russische Verhältnisse provokanten Thema.  »Sexuelle Minderheiten stehen in Russland am Rande der Gesellschaft und werden unterdrückt.  Der Erfolg des Films ist ein Schlag ins Gesicht des politischen Systems, das dort herrscht«, sagt Rajchert. Für ihn privat ist der Erfolg ein kleiner Ritterschlag. Seine Bewerbungen an fünf Filmhochschulen kamen allesamt zurück. Das Preisgeld in Höhe von 10.000 Rubel (ca. 150 Euro) haben die Filmemacher an eine Moskauer Stiftung für krebskranke Kinder gespendet. Unterdessen liegt wohl schon die nächste Filmidee in der Schublade: Es geht um den ersten Mann im All, der in einem Frauenkörper steckt und vor Aliens flieht. Titel: »Gagarin«.


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