Birgit Branczeisz

Dresden will 3000 Wohnungen von der Vonovia kaufen

Dresden. Geplant sind auch gemeinsame Stadtquartiere - Kritiker fürchten neue Immobilienspekulationen.

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Vonovia-Vorstand Arnd Fittkau und Dresdens OB Dirk Hilbert unterzeichneten am Mittwoch ihre Zusammenarbeit.

Vonovia-Vorstand Arnd Fittkau und Dresdens OB Dirk Hilbert unterzeichneten am Mittwoch ihre Zusammenarbeit.

Foto: Vonovia / André Wirsig

Die Landeshauptstadt möchte paketweise 3.000 Wohnungen von der Vonovia kaufen. Oberbürgermeister Dirk Hilbert und Vonovia-Vorstand Arnd Fittkau haben dazu am Mittwoch eine Absichtserklärung unterzeichnet. Basis ist ein Stadtratsbeschluss vom Juni 2021, demzufolge der kommunale Wohnungsbestand bis zum Jahr 2030 auf 5.000 Wohneinheiten steigen und sozialen Schieflagen auf dem Wohnungsmarkt entgegen gewirkt werden soll. Welche Wohnungen für den Erwerb infrage kommen, entscheidet sich erst im Laufe des Sommers: Zum dritten Quartal 2022 werden Stadt und Vonovia über ein erstes Verkaufsportfolio sprechen. Die Vereinbarung kommt aber nur zustande, wenn sich beide Partner einigen.

 

 "Historisch niedriger Leerstand" - sozialer Druck nimmt zu

 

OB Hilbert konstatiert einen "historisch niedrigen Leerstand", die Nachfrage nach günstigem Wohnraum sei weit höher als das Angebot. Er plädierte deshalb dafür, mehr Förderprogramme des Landes auch für die Sanierung von Sozialwohnungen zu öffnen. Denn die Stadt treiben gleich mehrere Themenfelder um: Wie verteilt sie Sozialwohnungen innerhalb der Stadt? Wie können größere Wohn-Bestände klima-fit gemacht und teils auch seniorengerecht umgebaut werden? Und: Wie bleibt Wohnen in Dresden bezahlbar? Am größten Wohnungseigner Vonovia, bei dem 80.000 Dresdner eingemietet sind, sei dabei kein Vorbeikommen, wenn man gemeinsam etwas erreichen wolle, so Dirk Hilbert. Damit die soziale Durchmischung der Stadtteile stimmiger wird - besonders für Prohlis, Gorbitz und Johannstadt - sollen Belegungsrechte (Sozialwohnungen) im Stadtgebiet innerhalb des Vonovia-Bestandes umverteilt werden. Beginn ist bereits im ersten Halbjahr 2022.

 

Auch neue Standorte möchte man gemeinsam entwickeln und weitere Akteure für neue Wohnkonzepte einbeziehen. Zwei große Quartiere sind dafür benannt: die Windmühlenstraße (Niedersedlitz) und der Johnsbacher Weg (Seidnitz). In beiden Quartieren rechnet OB Hilbert mit Wohnungen in Tausender Größenordnungen. Das Gebiet Windmühlenstraße hat dabei Priorität. Bereits 2025/26 soll das Stadtplanungsamt einen ersten Rahmenplan vorlegen. Dafür werden jetzt entsprechende Planungskapazitäten zusammengezogen.

 

Stadt hat 2006 "zum Ramschpreis verkauft"

 

Kritiker reagieren vor allem auf den Wohnungskauf skeptisch. Linken-Stadträtin Pia Barkow, Mitglied im Ausschuss für Soziales und Wohnen sagt dazu: "Es ist kein Wort davon zu lesen, welche Ergebnisse zur Fortführung der ausgelaufenen Sozialcharta zum Schutz der Mieterinnen und Mieter sowie zur Verlängerung der Belegrechte über das Jahr 2036 hinaus erzielt werden konnten. Das erweckt den Eindruck, als ob Oberbürgermeister Hilbert den großen Teil des Auftrages aus dem Stadtrat ignoriert hat." Besondere Vorsicht gelte dem Erwerb von 3.000 Wohnungen von der Vonovia. Die wesentlichen Sanierungen im Vonovia-Bestand wurden vor dem Verkauf der ehemals städtischen Wohnungen bis 2006 vorgenommen. Das heißt, der Bestand ist in die Jahre gekommen, Reparaturen stehen an. Bedingt durch den sozialen Abstieg und den zunehmenden sozialen Druck haben sich auch Hausbestände mit Problemlagen herausgebildet. Hier besteht die Gefahr, so Pia Barkow , dass die Vonovia sich von "Herzdrückern" in der Bilanz trennen möchte, "wahrscheinlich am liebsten zum spekulativ verzerrten Mondpreis, während die Stadt die Wohnungen 2006 zum Ramschpreis verscherbelt hat".


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