R. Rink

Dramatische Lage bei Verfügbarkeit von Arzneimitteln

Dresden. Ministerpräsident Michael Kretschmer informierte sich am 11. Januar in einer Dresdner Apotheke über die eingeschränkte Verfügbarkeit von Medikamenten.

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In der Apotheke im Ärztehaus Mickten sprach der Ministerpräsident mit Inhaberin Maret Hoffmann und dem Vorsitzenden des Apothekerverbandes, Thomas Dittrich.

Maret Hoffmann, die die Apotheke seit fünfeinhalb Jahren führt, sprach dabei von einer dramatischen Lage bei der Lieferbarkeit vieler Medikamente. Können bestimmte Arzneimittel nicht mehr geliefert werden, spricht man in ihrer Branche von Defekten, von denen es momentan über 200 gebe und die Liste werde immer länger: "Die Situation habe sich innerhalb der letzten Wochen massiv verschlechtert", sagt sie. Die Situation ist aber schon seit Monaten angespannt. So fehle es beispielsweise an Fieberpräparaten für Kinder, Antibiotika, Psychopharmaka oder Magen-Darm-Präparaten. Wird sie nach den Gründen und möglichen Lösungsansätzen gefragt, sagt sie, dass dieses komplexe politisch gelöst werden müsse. Ihr Team gebe aber auch in dieser schwierigen Situation alles: "Bis jetzt ist niemand unversorgt geblieben. Wir konnten immer eine Lösung finden, teils mit alternativen Wirkstoffen und in Absprache mit den behandelnden Ärzten." Erschreckend findet sie, dass die Lieferengpässe in Strecken weniger an den Rohstoffen als an der Nichtverfügbarkeit an Verpackungsmaterialien liegen würden. "Wir hoffen, dass sich die Lage entspannen wird, doch wir werden wohl noch bis zum Frühjahr auf diesem Niveau bleiben." Dabei kritisiert sie besonders die überbordende Bürokratie.

 

Reperatur des Gesundheitswesens zu Lasten der Apotheker

Bei diesem Thema pflichtet ihr Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) bei, der meint, dass wir hier "an einem Punkt angekommen sind, an dem es nicht mehr weitergeht." Die Reparatur des Gesundheitswesens dürfe nicht auf den Schultern der Apotheker ausgetragen werden. "Wir waren mal die Apotheke der Welt, wir brauchen jetzt wieder mehr Autonomie und Verträge, die uns Liefersicherheit bringen." Es herrsche seiner Meinung nach zudem eine Falschgewichtung zwischen Preis und Versorgungssicherheit.

 

Brauchen Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen

Der Chef des deutschen Apothekerverbandes, Thomas Dittrich, spricht von drei zentralen Punkten bei dieser Problematik. Der erste Punkt sei die Wiederherstellung der Versorgungssicherheit. Denn aus den Lieferengpässen, da kommt er zum zweiten Punkt, ergebe sich eine hohe Belastung für die Apothekerteams. Dafür, und das ist der dritte Punkt, müssen die Apotheken eine Honorierung erhalten. "Die Lieferengpässe gibt es schon seit Jahren, um dies abzustellen müssen jetzt endlich gesetzliche Regelungen geschaffen werden", meint Dittrich und appelliert: "Wir brauchen mehr Freiheit in der Produktion und Abgebe von Arzneimitteln." Es gebe bereits ein Eckpunktepapier, welches in einen Gesetzesentwurf des Bundesgesundheitsministeriums eingehen soll. Sein Wunsch, dass wieder mehr Medikamente in Deutschland produziert werden sollen, gleicht aber angesichts der aktuellen politischen Situation Deutschlands eher einer Utopie.


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