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Birgit Branczeisz

Die Sherpas vom Weinberg

Radebeul. Einer der verrücktesten Läufe weltweit feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum.

Jetzt wird's heiß. Nicht das Wetter, sondern die Vorbereitungsphase für den 20. Mount-Everest-Treppenmarathon am Radebeuler Spitzhaus. "Wer es ernst meint, sollte schon ab Jahresanfang trainieren", sagt Ulf Kühne, der seit zehn Jahren den Treppenmarathon organisiert. "Und wirklich hier herkommen", setzt er zwinkernd nach. "Denn da sind schon gute Marathonläufer gescheitert", weiß er aus Erfahrung. Nicht umsonst heißt der Lauf "Treppen-Marathon" - und das ist eben etwas ganz anderes als Strecke laufen.

Geboren wurde das Event aus einer verrückten Kneipen-Idee. Christian Hunn aus Radebeul saß in einer Runde von Bergsteigern - und alle überlegten, wie der frühere Spitzhaustreppenlauf - eine Runde auf Speed - noch spektakulärer werden könnte. So war der Traum von der Mount-Everest-Besteigung in Radebeul geboren. 397 Stufen klingen noch harmlos. Aber über 100 Runden insgesamt 39.700 Stufen auf- und abwärts zu laufen, ist etwas völlig anderes. Der Höhenunterschied entspricht dann genau einer Mount-Everest-Besteigung.

Quasi nebenbei legen die Läufer dabei die doppelte Marathonstrecke zurück, also 84,4 Kilometer. Bereits seit 2015 ist der Sächsische Mount-Everest-Treppenmarathon als 24-Stunden-Lauf konzipiert. Inzwischen ist nun nicht mehr Schluss, wenn alle Athleten die 100 Runden geschafft haben. Sieger ist, wer die Spitzhaustreppe am häufigsten hinauf- und hinuntergelaufen ist. Frei nach dem Motto: "Der Mount Everest ist uns nicht genug." Der Rekord liegt bei 156 Runden, aufgestellt 2015 von Andreas Allwang. 2019 zog Ulli Baars bei den Frauen nach und lief innerhalb von 24 Stunden 127 Runden.

Ein Lauf, der offenbar süchtig macht. "Die Hälfte der Teilnehmer sind Wiederholungstäter", schmunzelt Ulf Kühne. Alleingänger und "Dreier-Seilschaften" im Weinberg Inzwischen ist das Starterfeld auch breiter aufgestellt. Nicht nur Extremsportler, sondern auch "normale" Läufer oder Triathleten suchen die Herausforderung in den Weinbergen. Alleingänger, Staffeln, "Dreierseilschaften" genannt, die sich die Runden teilen. Außerdem gibt es Einsteiger- und Fortgeschrittenenrennen, in denen nur 25 bzw. 50 Runden absolviert werden.

Die Läufe heißen "Annapurna", wie der Achttausender im Himalaya, oder "Sherpa", wie die berühmten Träger - und bleiben auch darin dem Thema Bergsteigen treu. Zum Schluss des Events folgt mit den "Elf Freunde"-Staffeln, bestehend aus Freunden und Sponsoren, der abschließende Gala-Lauf. Und wie in einem Basislager am Berg verwandelt sich das Umfeld der Spitzhaustreppe am 4. Mai in ein kleines Camp mit Zelten, in denen die Sportler etwas essen können, sich ausruhen oder eine Massage gönnen.

Sie bringen Schlafsäcke, warme Decken oder ihre individuelle Kost mit - ein buntes Getümmel mit Camp-Atmosphäre. Außer dem Japaner Ando Hiroshi, der im Jahr 2017 lediglich mit einem kleinen Turnbeutel anreiste und sich unvergessen in die Herzen der Community lief. Seine Geschichte wird er zum 20. Jubiläum des außergewöhnlichen Marathons noch einmal auf der Homepage des Mount-Everest-Treppenmarathons erzählen.

Wer dabei sein möchte kann schonmal beim nächsten offiziellen Training am 7. April vorbeischauen. Der heiße Start ist dann am 4. Mai um 16 Uhr. Publikum ist gern gesehen. Es wartet ein wunderbarer Ausblick vom Spitzhaus über die malerischen Weinberge des Elbtals und die Stadt Radebeul bis nach Dresden. Die Lößnitzgrundbahn ist zu hören und im Tal zu sehen. Fürs leibliche Wohl ist selbstverständlich gesorgt, denn zahlreiche Winzer in der Umgebung laden zu einem leckeren Glas Wein ein.

Mehr Infos zum Event unter: www.treppenmarathon.de

HISTORIE

Die Radebeuler Spitzhaustreppe wurde um 1747 bis 1750 für den Sohn August des Starken nach einem früheren Entwurf von Daniel Pöppelmann angelegt - als Verbindung zwischen Weingut Hoflößnitz und Spitzhaus. Ursprünglich als Jahrestreppe geplant, waren 52 Absätze mit je sieben Stufen vorgesehen - eine für jeden Tag des Jahres. Bereits nach der Fertigstellung kam die Spitzhaustreppe allerdings schon auf 390 Stufen. Bei ihrer Sanierung im Jahr 1992 wurden nochmal sieben Stufen hinzugefügt, deshalb sind es heute 397. Die Radebeuler Spitzhaustreppe wurde um 1747 bis 1750 für August den Starken nach einem Entwurf von Daniel Pöppelmann angelegt - als Verbindung zwischen Weingut Hoflößnitz und Spitzhaus. Ursprünglich als Jahrestreppe geplant, waren 52 Absätze mit je sieben Stufen vorgesehen - eine für jeden Tag des Jahres. Bereits nach der Fertigstellung kam die Spitzhaustreppe allerdings schon auf 390 Stufen. Bei ihrer Sanierung im Jahr 1992 wurden nochmal sieben Stufen hinzugefügt, deshalb sind es heute 397.


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