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Die Natur zähmen hat Grenzen

Hochwasserschutz: Die komplizierten Projekte kommen noch / Leipziger Straße rückt wieder in den Fokus.
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Schon fast vergessen: So sah es 2002 an der Weißeritzbrücke in Löbtau aus. Große Teile des Flussbetts wurden inzwischen ertüchtigt. Der Weißeritzknick ist demnächst dran. Foto: Archiv

Schon fast vergessen: So sah es 2002 an der Weißeritzbrücke in Löbtau aus. Große Teile des Flussbetts wurden inzwischen ertüchtigt. Der Weißeritzknick ist demnächst dran. Foto: Archiv

 Einiges ist geschafft, viel noch zu tun: Der Hochwasserschutz in der Landeshauptstadt wird nach Ansicht von Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen noch Generationen beschäftigen. Ein Rundum-Sorglospaket für jeden wird es jedoch nicht geben. 1.500 Seiten dick ist der Plan „Hochwasservorsorge Dresden" (PHD). 2004 hatte der Stadtrat die Verwaltung damit beauftragt. 2010 wurde der Plan erneuert und mit 200 Hochwasserschutz-Vorhaben untersetzt. Allein die Landeshauptstadt ist für 400 Gewässer zweiter Ordnung zuständig. Weißeritz und Lockwitzbach (Gewässer erster Ordnung) hingegen fallen in die Zuständigkeit des Freistaats. „Bei den Gewässern in Dresden, egal in welcher Zuständigkeit, handelt es sich um ein System. Deshalb verfolgt der Plan einen gewässerübergreifenden Ansatz", sagte Jens-Olaf Seifert, Leiter der Abteilung Kommunaler Umweltschutz. Auch wenn der Alltag die Gedanken an ein nächstes Hochwasser längst verdrängt hat. „2002 und 2013 haben gezeigt, wie wichtig das Thema Vorsorge ist und wie sehr wir mit einem nächsten Hochwasser rechnen müssen", fügte Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen hinzu. 2013 gab es für den Plan überraschenderweise schon die erste Bewährungsprobe. „Viele Maßnahmen aus dem PHD haben sich als sinnvoll erwiesen", so Seifert weiter. Als Beispiel nannte er die Flutschutzmauer in Pieschen. 12 Projekte raus 70 neue Projekte kamen in der Folge hinzu, 12 Vorhaben wurden gestrichen. So hatte sich u.a. herausgestellt, dass das Bächlein Bartlake am Oberlauf (Wilschdorf) besser ohne künstliche Eingriffe funktioniert. Ursprünglich wollte die Stadt Gründland, Gehölzstreifen und -inseln anlegen. Auch im Dresdener Hafen sei eine hafeneigene Lösung gefunden worden. Mehr als die Hälfte  Bis Jahresende soll der Damm in Cossebaude fertiggestellt werden. Das Flussbett der Weißeritz wurde größtenteils für ein Hochwasser, das statistisch nur aller 100 Jahre (HQ100) auftritt, ertüchtigt, in Teilen sogar auf HQ200. Der Ausbau am Weißeritzknick wird vorbereitet. Arbeiten am Koitschgraben sind beendet, der Maltengraben in Arbeit. Im Schnitt sind weit über 50 Prozent der Flutschutz-Projekte erledigt. „In Zukunft geht es um Maßnahmen, die rechtlich und/oder fachlich schwieriger sind und auch mehr Zeit in Anspruch nehmen", so Seifert mit Blick auf Kaitzbach, Schullwitzbach und den Blasewitz-Grunaer Landgraben. Spätestens beim Lotzebach (Brabschütz/Cossebaude) hat der Hochwasserschutz aber seine Grenze erreicht. Das Bächlein trat nach Starkregen 2014 über die Ufer. „Wir hatten es hier mit einem Ereignis zu tun, das statistisch nur aller 500 bis 1.000 Jahre auftritt", so Seifert weiter. In Kleinzschachwitz, Zschieren und südlich der Pillnitzer Landstraße sieht es mit Hochwasserschutz ebenfalls schlecht aus, weil es entweder die baulichen Gegebenheiten nicht zulassen bzw. Investitionen sich schlichtweg nicht „lohnen" . So liegt das Kosten-Nutzen-Verhältnis mancherorts bei 1:10. „Das heißt ein Euro, der investiert wird, minimiert den Schaden nur um 10 Cent", sagte Seifert. Das Grundwasser bewegt sich ebenfalls außerhalb des Einflussbereichs der Wasserwirtschaftler. „Wir haben allerdings Beobachtungssysteme installiert, um die Bürger besser informieren zu können", sagte Jähnigen. Nach dem Hochwasser 2013 wird nun wieder über eine Schutzlinie parallel zur Leipziger Straße (zwischen Marienbrücke und Ballhaus Watzke) laut nachgedacht. Offenbar gibt es sogar mehrere Varianten, die technisch möglich sind und das Landschaftsbild nicht verschandeln. Ob sie auch bezahlbar und naturverträglich sind, wird gerade untersucht. Das Ergebnis soll 2017 vorgestellt werden. André Schramm