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Der „Eckrentner“ hat ausgedient

Prognos-Studie zeigt die Rentenperspektive in Sachsen im Jahr 2040 / Ergebnis: Rentenniveau sinkt
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Gesund und munter die Rente genießen, das wünscht sich jeder. Wie viel man sich dann leisten kann hängt auch davon ab, wo man lebt, sagt die Prognos-Studie. Foto: Fotolia

Gesund und munter die Rente genießen, das wünscht sich jeder. Wie viel man sich dann leisten kann hängt auch davon ab, wo man lebt, sagt die Prognos-Studie. Foto: Fotolia

Wenn für die heute 43-Jährigen das Rentenalter beginnt, schreiben wir das Jahr 2040. Eine Studie hat untersucht, wie viel Rente diese Senioren dann erhalten und was sie sich dafür leisten können. Nur so viel vorab: Es sieht nicht gut aus – je nachdem wo man lebt. Statistiker sind mitunter einfallsreiche Menschen und so haben sie einst den Eckrentner erfunden. Eine statistische Seele, Durchschnitt quasi, man könnte auch sagen, der Eckrentner ist der Durchschnittsdeutsche Thomas Müller im Seniorenalter. Dennoch ist er wichtig im Verständnis um die Zahlen, die die Prognos-Studie „Rentenperspektive 2040" liefert und die von Diplomvolkswirt Dr. Michael Böhmer erarbeitet wurden. Der Eckrentner also, heute 43, startete mit 20 ins Berufsleben, geht 47 Jahre lang brav zum Dienst und verdient gleichbleibend viel. Am Ende kommt er auf 47 Entgeltpunkte, das entspricht 100 Prozent, und auf eine monatliche Rente von 1.680 Euro. Wie gesagt, es geht um eine fiktive Erwerbsbiografie, die ziemlich unrealistisch ist. Real ist dagegen das Berufsleben einer Verkäuferin, die mal Vollzeit, mal Teilzeit gearbeitet, zwei Kinder großgezogen und dafür Erziehungszeit genommen hat und etwa bis zum 63. Lebensjahr im Laden steht. Nach der Prognos-Studie kann sie 2040 mit 1.090 Euro rechnen. Eine kinderlose Abteilungsleiterin dagegen bringt es im Vollzeitjob auf 66,2 Entgeltpunkte und 2.390 Euro Rente. Ein Elektroinstallateur, der im Laufe der Jahre auch mal arbeitslos war, kann mit 41,9 Punkten und 1.460 Euro rechnen, ein Entwicklungsingenieur ohne Ausfallzeiten mit 2.600 Euro bei 73,7 Punkten. Damit jetzt kein Aufschrei durch den Freistaat geht: Es handelt sich laut Dr. Böhmer um „die Fortschreibung der typisierten Erwerbsbiografien mittels Sequenzmusteranalyse". Wie gut es einem künftigen Senior in 24 Jahren tatsächlich geht, hängt maßgeblich von zwei Dingen ab: In welcher Region hat er sein Berufsleben verbracht (was seine Rentenhöhe bestimmt) und wo verbringt er seinen Lebensabend (was Auswirkungen auf seine Kaufkraft hat). Und da bringt die Studie interessantes zutage. Zwar mögen in München die Renten deutlich höher sein, die Kaufkraft ist es nicht. Während der Beispiel-Elektroinstallateur in Weimar über eine Kaufkraft von 1.261 Euro verfügt, hat sein Kollege in München später nur 1.113 Euro zur Verfügung. Der Kollege im Landkreis Tirschenreuth kann mit 1.768 Euro am meisten ausgeben. Doch was können sich die Drei jeweils dafür leisten – wie hoch also sind die Lebenshaltungskosten dort, wo sie ihre Rente verzehren? „Dieser Effekt ist heute bereits zu beobachten, wenn man nach Görlitz schaut", sagt Dr. Böhmer. „Viele Senioren sind in den letzten Jahren aus dem Westen hierher gezogen, weil sie hier gut und günstig für ihr Geld leben." Für Sachsen kommt die Studie zu dem Schluss, dass die Rentenkaufkraft 2040 im Freistaat höher sein wird als im Bundesdurchschnitt. Sie besagt aber auch, dass sie bezogen auf alle 402 Landkreise in Dresden am geringsten ausfällt. Ein Grund dafür sind auch die derzeit enorm steigenden Mieten. Die Prognos-Studie, die eine empirisch gestützte Analyse und kein Szenario ist, bringt aber noch etwas Beunruhigendes zutage: Die Lohn- und Rentenentwicklung fallen weiter auseinander. Im Vergleich zu 2014 sinkt das Bruttorentenniveau bis 2040 bei allen untersuchten Erwerbsbiografien. „Die Schere zwischen dem früheren Verdienst und der späteren Rente wird deutlich größer", sagt Dr. Böhmer. Vor allem bei Menschen, die heute sehr gut verdienen wie jene Abteilungsleiterin oder der Ingenieur sei bereits klar, dass sie später nur knapp über 30 Prozent ihres heutigen Bruttoverdienstes als Rente erhalten. Dem Eckrentner kann das alles egal sein. Nur eins wird er mit den real existierenden Senioren teilen: Sein steigendes Lebensalter und damit die Dauer des Rentenbezugs. C. Pönisch


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