Carola Pönisch

Das Sachsenbad ist verkauft

Am vergangenen Freitag, 5. November, unterzeichneten die Firma Montis Real Estate und die Landeshauptstadt Dresden einen Kaufvertrag zum Sachsenbad. Wie geht es nun weiter?
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Das 1928/29 von Paul Wolf erbaute Sachsenbad steht seit 1994 leer. Jetzt hat es die Stadt verkauft. Foto: Pönisch/2011

Das 1928/29 von Paul Wolf erbaute Sachsenbad steht seit 1994 leer. Jetzt hat es die Stadt verkauft. Foto: Pönisch/2011

Für Dresdens OB Dirk Hilbert ist die Sache klar: "Mit dem nun abgeschlossenen Verkauf kommen wir dem Ziel einen wichtigen Schritt näher, das historische Sachsenbad denkmalgerecht zu sanieren und zusätzlich moderne Wasserflächen mit dem ‚Neuen Sachsenbad‘ zu schaffen." Denn darum geht es: Das bei den Dresdnern beliebte Bad als beeindruckendes Baudenkmal mit großer ortsgeschichtlicher Bedeutung für Pieschen zu erhalten, aber auch als Sportkomplex mit Bewegungs- und Erholungsangeboten im Wasser zu erweitern. Was ist der Plan? Die Firma Montis wird das 1928 nach einem Entwurf des Stadtbaurates Paul Wolf erbaute dreigeschossige Gebäude bis 2024 als Innovations-Campus wiederbeleben: In modernen Arbeitswelten und innovativen Büros soll Platz für junge Unternehmen entstehen. Darüber hinaus planen die Projektentwickler eine moderne Saunawelt mit Panoramasauna und ein großes Yogastudio. Im Erd- und Untergeschoss sind Restaurant, Bar, Café und Clubbereiche vorgesehen, so dass auch die Pieschener ihr Sachsenbad wieder erleben können. Dieses Nutzungskonzept ging als Sieger aus einem Bieterwettbewerb hervor, den die Stadtverwaltung zwischen September 2018 und Januar 2019 durchführte. Der auf Grundlage eines unabhängigen Verkehrswertgutachtens vereinbarte Kaufpreis beträgt 1,1 Millionen Euro.

Das Geld aus dem Verkauf und den nicht mehr benötigten Kosten für die weitere Sicherung des maroden Gebäudes will die Stadt direkt vor Ort wieder investieren, um eine neue Sport-Schwimmhalle im näheren Umfeld zu erreichten – das „Neue Sachsenbad“. Wie die konkrete Umsetzung aussehen kann, beschreibt ein Konzept, dass die Stadtverwaltung bis Ende des Jahres erarbeitet. Bürgerschaftliches Engagement (?) Es sei vor allem bürgerschaftlichem Engagement zu verdanken, dass das Sachsenbad als Kulturdenkmal erhalten wird, öffentlich zugänglich bleibt und gleichzeitig den Anwohnern ein dem heutigen technischen Standard entsprechender Neubau in Aussicht gestellt werden könne, wie es OB Dirk Hilbert beschreibt.  Denn es war die Bürgerinitiative „Endlich Wasser ins Sachsenbad“, die sich mit einer Einwohnerversammlung, einem Bürgerforum am 19. April und einer Einwohnerfragestunde im Stadtrat für die Nutzung des historischen Bades stark machte. Allerdings lautete die Empfehlung der BI, das Sachsenbad in städtischem Eigentum zu behalten, als Gesundheitsbad zu sanieren und eine neue Schwimmhalle zu bauen. Mit dem Verkauf des Gebäudes entschied sich die Stadt jeoch anders. Für André Schollbach, Fraktionsvorsitzender der Linken im Stadtrat, ist das eine Missachtung des Bürgerwillens. "Mit dem Umbau des Sachsenbades zu Büroflächen wird dem Baudenkmal die Seele geraubt. Es ist ein großer Frevel", so Schollbach. Auch die Grünen sind enttäuscht. Thomas Löser, Sprecher für Stadtentwicklung, Bau und Wohnen: "Wir strebten einen Kompromiss und gleichzeitig einen Rettungsplan für das Sachsenbad an. Obwohl wir alle finanzpolitischen Argumente des Oberbürgermeisters, der CDU, FW und AFD entkräften konnten, waren diese nicht bereit, eine Entscheidung zum Wohle der Stadt und zum Erhalt kommunaler Werte herbeizuführen." Man werde nun ganz genau hinschauen, dass das Gebäude für die Öffentlichkeit zugänglich bleibt und sehr genau auf die Umsetzung des Konzeptes des Investors achten. "Die Versprechungen des Investors, die Schaffung eines Mehrwertes für die Region und ihre Menschen, sehen wir kritisch und sind auf dessen Umsetzung gespannt.« Bürgerinitiative fordert Rückabwicklung Heftige Kritik kommt von der BI "Endlich Wasser ins Sachsenbad": "Als unbequemes Zeugnis des sozialen, kulturellen und politischen Versagens der Kommunalpolitik wurde es jetzt mit dem Verkauf durch die Wertegemeinschaft des Dresdner Stadtrates aus CDU, AfD, FDP, Freien Bürgern und SPD entsorgt", heißt es in einer Stellungnahme. "Der Verkauf wurde mit dem politischen Versprechen verbunden, eine neue Schwimmhalle zu bauen. In städtischem Besitz befindliche und für eine Schwimmhalle geeignete Standorte sind jedoch nicht bekannt. Der Vorschlag der Verwaltung für einen Neubau auf den  Sportflächen neben dem Sachsenbad ist nicht akzeptabel. Dieser Standort ist Bestandteil des als Flächendenkmal geschützten Ensembles. Zudem sind gemäß „Pieschener Klimaschutzinitiative“ und des Flächennutzungsplanes – das trifft im insgesamt sehr dicht bebauten Stadtgebiet grundsätzlich für alle Standorte zu – größere Versiegelungen auszuschließen. Nur wenn der Verkauf des Sachsenbades rückgängig gemacht wird, ist eine zeitnahe Verbesserung der Schwimmhallensituation im Dresdner Nordwesten möglich! Wir fordern den Oberbürgermeister der Stadt Dresden auf, sofort vom Vertrag über den Verkauf zurückzutreten! Den Dresdener Stadtrat fordern wir auf, auf Grundlage der vorliegenden Fakten einen Beschluss für die Sanierung des Sachsenbades zum Gesundheitsbad neu zufassen und so  Bürgerwillen mit sozialen und nachhaltigem politischen Handeln zu verbinden und in konkrete Politik umzusetzen."