Carola Pönisch

Angela Merkel trifft sächsisches Frauennetzwerk

Bundeskanzlerin macht Frauen Mut: Gleichwertige Lebensverhältnisse per Gesetz - wir müssen sie nur einfordern und umsetzen
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Mittags Treffen mit Siemens-Vorstand Joe Kaeser im Siemens-Werk Görlitz, am Abend dann eine Begegnung mit dem Frauennetzwerk Sachsen, das im März von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (!) gegründet wurde. 500  Unternehmerinnen, Wissenschaftlerinnen, Freiberuflerinnen, Kulturmacherinnen, Politikerinnen, Führungsfrauen in Justiz und Verwaltung sowie aus Betrieben, Krankenhäusern, dem Bildungsbereich waren gekommen, um mit der Bundeskanzlerin über die Rolle der Frauen zu sprechen und drüber, wie die per Gesetz  festgeschriebenen gleichwertigen Lebensverhältnisse im Alltag, in Beruf und Politik umsetzbar sind. In dem auf 90 Minuten anberaumten Treffen mit Impulsrede, Podiumsgespräch und Fragerunde sind es vor allem Statements, die an diesem Abend abgegeben werden. Die der Kanzlerin sollen Mut machen: Frauen können nicht in die gleichen Strukturen wie Männer gepresst werden und dafür müsse sich eben die Struktur der Arbeit ändern. Aber auch in der Politik müsse sich für Frauen viel ändern. Es könne nicht sein, dass Frauen neben Beruf und Familie erst zehn Jahre lang auf Kreisebene wirken, dann noch mindestens fünf Jahre im Landtag, ehe sie es vielleicht eines Tages in die Bundespolitik schafften. "Da dauert es noch 50 Jahre, ehe das mit der Frauenquote klappt". Was sie ehrlicherweise auch zugibt: In ihrer eigenen Partei CDU gäbe es bei diesem Punkt Nachholebedarf. Was die Bundeskanzlerin einfordert ist zudem eine andere Debattenkultur. "Wir alle müssen mehr zuhören und kompromissbereit sein. Kompromisse einzugehen ist völlig legal und darf nicht verunglimpft werden", sagt sie. In der 50-minütigen Fragerunde an Kanzlerin und Ministerpräsident geht es danach um zu viel Teilzeitarbeit,  Unterbezahlung und Selbstausbeutung bei Frauen,  neue Tendenzen zur Leiharbeit in der Pflege ("Sehe ich mit Sorge"), warum junge Frauen beim Start in die Selbstständigkeit von Banken bei der Finanzierung oft allein gelassen werden, es ging um Regionen im ländlichen Raum, die sich abgehängt fühlen und die Frage, wie man es schaffen könnte, Frauen mehr für technische Berufe und Studienrichtungen zu interessieren. Zumindest auf diese Frage hat die Bundeskanzlerin eine konkrete Antwort: "Ich denke, mit getrenntem Unterricht für Mädchen und Jungs in einigen Fächern wäre schon ein Anfang gemacht". Am Ende des Abends verabschiedeten die teilnehmenden Frauen Angela Merkel, die diese Veranstaltung locker und schlagfertig absolvierte, mit viel Applaus in deren baldigen Urlaub.


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