Birgit Branczeisz/ck

Adler-Baden an der Elbe

Weinböhla. Jagdfalkner Hans-Peter Schaaf zeigt Greifvögel vor atemberaubender Kulisse in ihrer natürlichen Anmutung.
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Erhabene Momente vor der Kulisse des Elbtals. Hans-Peter Schaaf mit seinem Riesenseeadler Stella.

Erhabene Momente vor der Kulisse des Elbtals. Hans-Peter Schaaf mit seinem Riesenseeadler Stella.

Foto: B. Branczeisz

»Wenn sie keine Lust mehr hat, fliegt sie von Proschwitz an die Elbe – dort hat sie ihren Lieblingsbadestrand und krault im Wasser. Das muss man gesehen haben. Und dort wartet sie auf mich. Nicht, dass Sie denken, sie kommt alleine zurück«, erzählt Falkner Hans-Peter Schaaf. Er lacht. Riesenseeadler Stella hat auch so ihre Vorstellungen von einem schönen Tag. Ein Adler-Bad ab und an gehört inzwischen dazu. Hans-Peter Schaaf beobachtet seine Greifvögel, er lebt mit ihnen und schaut, was sie machen und was sie gerne machen. So beschreibt er seine Arbeit selbst. Eine Dressur ist das nicht, was er da zeige, sagt er. Die Menschen, die zu seinen Flugvorführungen zum Schloss Proschwitz kommen, spüren das.

Und dann gibt es diese erhabenen Momente vor der traumhaften Kulisse der Meißner Burg, wenn der Weißkopf- oder Riesenseeadler nahezu lautlos über den Köpfen der Besucher einschwebt und auf dem dicken Lederhandschuh seines Falkners landet. Beide schauen dann in die Landschaft, als wären sie eins. Vielleicht ist es so. Die Familie von Hans-Peter Schaaf kommt ursprünglich aus Estland – der Fisch- und der Seeadler sind hier allerorten. Der Opa und der Onkel von Hans-Peter Schaaf waren bekannte Ornithologen, der Vater Förster. Der kleine Junge hat alles über den Wald, die Tiere und die Greifvögel von Kindesbeinen an aufgenommen. Als er mit acht Jahren seinen ersten Waldkauz von Hand aufgezogen hat, war sein Schicksal besiegelt.

 

Domizil in Weinböhla

 

Es geht ihm um Umweltbildung. In seinem Domizil in Weinböhla verbringt er viel Zeit mit seinen Tieren. Hier haben sie alle ihr Plätzchen gefunden. Der Weißkopfseeadler und der Riesenseeadler, Sagerfalke oder zwei Uhu-Damen mit ihrem Nachwuchs. Letztere haben zusammen gebrütet und ziehen jetzt gemeinsam ihren Nachwuchs groß. »Das ist noch nirgendwo beschrieben worden«, sagt Schaaf. Auch die tapsigen Federknäule nebenan sind inzwischen eine Rarität. Momo wird auch bestaunt. Den Schlangenadler, der wegen seines farbenfrohen Federkleides auch Gaukler heißt, hat Hans-Peter Schaaf von einer verstorbenen Falknerin übernommen. Er gewöhnt sich noch etwas ein in die illustre Truppe – und nachts passt Hund »Bonzo« auf den Neuen auf.

 

Adler hilft beim Slackline spannen

 

Alljährliche Heldin ist aber Weißkopfseeadler Hera. Extremsportler wollten vor drei Jahren über dem Polenztal auf einer 360 Meter langen Slackline balancieren – 110 Meter über dem Tal. Dafür musste eine hauchdünne Nylonleine über den Abgrund gespannt werden, um die Slackline nachzuziehen. Doch ein Drohnenflug kam im Naturschutzreservat nicht in Frage. Hera schaffte, was keiner für möglich hielt. Sie flog mit einer Angelschnur zielgenau zu ihrem Falkner. Seitdem wird Hera jedes Jahr gebucht.

Für Hans-Peter Schaaf einer von inzwischen vielen spannenden Momenten mit seinen Tieren – er fährt mit seiner mobilen Erlebnisfalknerei zu Gästen, Filmer und Theaterregisseure buchen ihn: Seine Falken waren im Spreewaldkrimi, Mystikszenen zu sehen und im Lutherfilm. Er ist bei den Karl-May-Spielen in Bischofswerda aufgetreten, hat für den »Fliegenden Holländer« an der Semperoper einen Kolkraben trainiert und für den Film »Das schlaue Füchslein« einen Fuchs. Was er sich noch vorstellen könnte? »Es kommt wie es kommt«, sagt er und lacht. Am wichtigsten ist ihm die Innigkeit mit seinen Greifvögeln und Eulen. Die vielen persönlichen Momente mit ihnen sind auch sein Leben.