Carola Pönisch

„Achtung, auf der A13 liegt ein Sofa auf der Fahrbahn“

Was Autofahrer auf der Autobahn so alles verlieren
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 Wer räumt eigentlich all die verlorenen Gegenstände wieder auf, die von Ladeflächen, Dachgepäckträgern und Anhängern purzeln? Es sind Straßenwärter, die rund um die Uhr für freie Fahrbahnen sorgen. Dabei riskieren sie mitunter ihr Leben. Wie um alles in der Welt kommt ein Sofa auf die Autobahn? Oder ein Kinderdreirad? Ein Fußballtor? Was hat ein Kajak hier zu suchen, und was Fahrräder? Von Kanthölzern, Schaufeln, Mörtelkästen, Gummimatten, Spanngurten, Holzpaletten und Wassertonnen mal ganz zu schweigen... Franz Lober stellt sich diese Fragen auch immer wieder. Inzwischen kann den Chef der Autobahnmeisterei Dresden-Hellerau nichts mehr erschüttern in punkto Autobahnfunde. „Viele Leute befassen sich einfach nicht mit dem Thema Ladungssicherung und den Kräften, die bei Tempo 100 und mehr wirken", sagt er. Am arglosesten unterwegs seien Handwerker mit ihren kleinen Pritschentransportern. Material auf die Ladefläche geworfen, Motor an und los. Wird schon gut gehen, ist ja alles schwer genug... Geht es nicht gut – und das ist fast täglich der Fall – müssen die Männer der Autobahnmeisterei ran. Natürlich auch, wenn sich bei Reifenplatzern Gummiteile auf dem Asphalt verteilt oder Auspuffrohre ihren Dienst quittiert haben, wenn Vorlegekeile oder Spritzschutzlappen davon geflogen sind. Dann heißt es für die rund um die Uhr dienstbereiten Mitarbeiter, 35 sind es in der Meisterei Hellerau insgesamt, so schnell wie möglich ausrücken zum Fundort, Verkehr aus der betreffenden Fahrspur ableiten, Verlorenes einsammeln und zum Stützpunkt bringen. Gefahren wird übrigens immer mit zwei Fahrzeugen – dem sogenannten Vorwarner, der die Fundstelle absichert, und dem Warnleithänger, auf dem das Gefundene landet. „Rund 150 Tonnen waren das im vergangenen Jahr", weiß Franz Lober. Informiert werden die Straßenwärter übrigens von der Polizei, die wiederum von Autofahrern angerufen werden. Leider oft nicht von denen, deren Ladung sich auf der Piste verteilt hat, sondern von nachfolgenden Verkehrsteilnehmern. „Oft fahren die Verursacher einfach weiter, obwohl sie gemerkt haben müssten, dass sie Ladung verloren haben", weiß Lober. Denn eigentlich müssten sie das Aufräumen bezahlen. Ausrücken müssen seine Männer übrigens auch, wenn es tote Tiere zu bergen gilt oder die Piste nach schweren Unfällen gereinigt werden muss und sie sind ebenso für alle Parkplätze mit Toiletten entlang „ihrer" Autobahnabschnitte zuständig. Aber das ist eine andere Geschichte, obwohl sie dort auch als eine Art Müllmänner fungieren und kaputte Kühlschränke, Drucker, Fritteusen, Fernseher oder entsorgtes Baumaterial einsammeln. Nur landen diese Meldungen nicht im Radio Zahlen&Fakten * Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (LASuV) unterhält sachsenweit sieben Autobahnmeistereien (zwei in Dresden, je eine in Leipzig, Döbeln, Plauen, Chemnitz und Weißenberg) und ist für 567 Kilometer Autobahn verantwortlich. * Autobahnmeistereien sind zuständig für Fahrbahnunterhaltung und -instandsetzung, Verkehrssicherheit, Sauberkeit, Grünpflege und Winterdienst *Alle Autobahnabschnitte, Tunnel und technische Anlagen auf sächsischer Flur werden von einer zentralen Tunnelbetriebsstelle und einer Fernmeldemeisterei kontrolliert. Beide sind zentral in der Autobahnmeisterei Hellerau stationiert. * Straßenwärter ist ein Ausbildungsberuf, der drei Jahre dauert. Azubis verdienen im ersten Lehrjahr 840, im zweiten 890 und im dritten Jahr 940 Euro brutto. Bestandteil der Ausbildung ist der Führerschein Lkw * Nächster Tag der offenen Tür in der Autobahnmeisterei Hellerau ist am 24. September * Ladungssicherung: ADAC und Fahrschulen geben Kurse